Trauerfeier für einen Grandseigneur

Familie, Freunde und Bekannte nahmen gestern im Zürcher Fraumünster Abschied von Hans J. Bär. Mit 83 Jahren war der Bankier gestorben.

Tauschen Erinnerungen aus: Die Trauergäste vor dem Fraumünster.

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Dem Opernhausdirektor Alexander Pereira versagte im Fraumünster gleich mehrere Male die Stimme, als er Hans J. Bär würdigte. Der Bankier war am Montag im Alter von 83 Jahren gestorben. «Hans hat uns Schutz gegeben», sagte Pereira. Nach jedem Gespräch mit ihm habe man sich erleichtert, besser, freier gefühlt. «Er hat immer geholfen.» Nicht nur mit Worten und Charme: Pereira erinnerte sich, wie er zu Beginn seiner Amtszeit ein schlechtes Betriebsergebnis befürchtet hatte und dies Bär sagte. Zwei Tage später wurde eine halbe Million Franken auf das Opernhauskonto einbezahlt.

Neigung zur Übertreibung

Vor Pereira sprach Raymond J. Bär, der sehr persönliche Worte für seinen Vater fand. Eine mächtige Gestalt sei er gewesen, mit raumfüllender Stimme, mit Charme, Schlagfertigkeit und einem legendären Humor. Aber er war laut seinem Sohn auch als Hypochonder bekannt, der im Winter unter depressiven Verstimmungen litt. «Mein Vater war für ein Leben an der Sonne bestimmt.» Nicht als Ikarus, sondern als Daedalus: Hans J. Bär agierte mit Vorsicht, er selbst nannte es Angst. «Er hatte eine Neigung zur plastischen Übertreibung», sagt Raymond J. Bär.

Vor allem aber sei sein Vater ein Grandseigneur gewesen, ein Mann der Form und Tradition, der auch Neuem gegenüber aufgeschlossen war. Es sei in grossem Masse das Verdienst von Hans J. Bär, dass Zürich heute weltoffener und kulturell vielseitiger sei als früher.

Bär legte viel Wert auf Musik

Die Musik war Bär sehr wichtig. Das zeigte sich an der Trauerfeier, die neben den Würdigungen und der Predigt von Fraumünsterpfarrer Niklaus Peter von musikalischen Darbietungen geprägt war. Musiker des Tonhalle-Orchesters spielten den langsamen Satz aus Franz Schuberts Streichquintett C-Dur, daneben wurden Werke von Dvorák, Bach sowie Felix Mendelssohn Bartholdy vorgetragen. Es war ein stimmiges Abschiedskonzert für Hans J. Bär.

Zürichs Tiefbauvorsteherin Ruth Genner (Grüne), die den Stadtrat vertrat, sagte nach der Trauerfeier: «Musik klingt über die Zeit eines Menschenlebens hinaus.» Das zeige sich vor allem an der Tonhalle. Hans J. Bär habe der Stadt ein Orchester von Weltruf geschenkt. «Das verdanken wir ihm am meisten.» Sie lobte auch seinen sonstigen Einsatz für die Kultur, namentlich für die Zürcher Festspiele. Hans J. Bär hat Genner auch mit seinem Mut beeindruckt. Als er seine Autobiografie «Seid umschlungen, Millionen» veröffentlichte, war sie Mitglied der Wirtschaftskommission im Nationalrat. «Sein kritischer Satz zum Bankgeheimnis hat damals grosse Wellen geschlagen», erinnert sie sich. Sie würdigt auch seine Rolle in der Aufarbeitung der Geschichte der nachrichtenlosen Vermögen.

Lob von Josef Estermann

Der ehemalige Stadtpräsident Josef Estermann (SP) erinnert sich an den Verstorbenen als Mann mit Empathie, Humor und Selbstironie. «Er war mir sehr nahe.» Estermann bezeichnet Bär als Lichtgestalt des bürgerlichen Lagers, der mit seiner klaren und offenen Art viele Brücken habe schlagen können. Das war äusserst wichtig in der damaligen Zeit, in der Zürich gemäss Estermann in «Wirtschaftsfreunde und Wirtschaftsfeinde» gespalten war.

Laut Beat Curti, dem ehemaligen Verleger von «Politik und Wirtschaft» und «Bilanz», hat Bär regelmässig mit ihm über die Zeitschriften gesprochen. «Er hatte klare Ansichten und fand immer das richtige Wort», erinnert sich Curti.

Die Trauerfeier für den aus einer jüdischen Familie stammenden Hans J.?Bär fand im Fraumünster statt, weil es sich für eine grosse Abschiedsfeier anbietet. Die Kirche war denn auch bis auf den letzten Platz gefüllt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.03.2011, 06:50 Uhr

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