Trauerfeier statt Volksfest

Die Hoffnung der Schweizer Fans starb langsam, während quälenden neunzig Minuten. Nach dem Ausscheiden der Nati wurde auf der Langstrasse wie zum Trotz gefeiert.

Hinschauen erübrigt sich: Fussballfans in der Amboss-Rampe.

Hinschauen erübrigt sich: Fussballfans in der Amboss-Rampe. Bild: Christoph Landolt

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Eigentlich hätte die Enttäuschung grösser sein müssen. Nach dem Sensationscoup gegen Spanien waren die Hoffnungen gross bei den Fans der Schweizer Nationalmannschaft, schliesslich lag die Qualifikation für das Achtelfinale fast in Griffweite. Doch gegen Honduras waren die Angriffe zu uninspiriert, die Fehlpässe zu häufig, der Spielaufbau zu langsam. Dass es am Ende zu keinem Tor reichen würde, das wurde den Zuschauern in den Bars von Zürich von Minute zu Minute klarer.

Nach dem Schlusspfiff wendeten sie sich von den Leinwänden und Flachbildschirmen ab und strömten nach Draussen. Die Langstrasse war von der Polizei präventiv gesperrt worden. Vor, während und nach dem Spiel gab es für den Verkehr kein Durchkommen. Statt zum Volksfest und einer rauschenden Freinacht kam es jedoch zu einer Fussball-Trauerfeier. Die meisten leerten schweigend ihr Bier. Einer zündete eine Petarde, ein anderer hielt Pyro in den Nachthimmel. Die Herumstehenden skandierten wie zum Trotz «Schwiizer Nati Olé». Ein Grüppchen, das aus einer Bar kam, übte schon einmal für die Achtelfinals ohne Schweizer Beteiligung und liess «Enge-land» hochleben.

Viele Menschen, keine Probleme

Unter die enttäuschten Schweizer mischten sich Spanier und gar einzelne Chilenen in deutlich besserer Stimmung. Zu Problemen führte das nicht. «Es ist bis jetzt sehr ruhig», erklärte René Ruf, Mediensprecher der Zürcher Stadtpolizei auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch. Auf den Strassen habe es noch immer viele Leute, bis jetzt sei die Polizei aber zu keinen Auseinandersetzungen gerufen worden.

Das Schweizer Sommermärchen ist beendet, das Fussballfest abgesagt. «Tja, wir sind einfach zu schlecht», meinte ein Fan kopfschüttelnd. Er wisse auch nicht, was er jetzt mache. Vielleicht, so der Student lachend, gehe er nun nach Hause um zu lernen. Seine Begleiterin dagegen wollte sich die Laune nicht verderben lassen und kündigte einen Triumph der Schweizer Nati in vier Jahren an.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.06.2010, 00:16 Uhr

Kein Freudenfeuer: Szene an der Langstrasse.

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