Triemli-Streit geht in eine weitere Runde

Eine Baugenossenschaft kann im Triemli nicht bauen, weil ein Ex-Mieter Geld wegen Wert- verminderung seines Hauses verlangt. Die Genossenschaft sieht sich erpresst.

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Im Jahr 2006 kaufte sich Arthur Frei (Name von der Redaktion geändert) an der Birmensdorferstrasse ein Einfamilienhaus, das zwei Jahren lang leer gestanden war. Von seinem neuen Heim aus kann Frei auf der schräg gegenüberliegenden Strassenseite sehen, wo er zuvor gewohnt hatte – in der Siedlung der Baugenossenschaft Sonnengarten. Die Häuser aus dem Jahr 1945 müssen weichen, um einer neuen Siedlung Platz zu machen. Vorgesehen ist eine Areal-Überbauung mit 190 Wohnungen. In diesen Tagen wird mit dem Abriss der alten 144 Wohnungen entlang der Birmensdorfer- und Triemlistrasse begonnen. Bis zu diesem Punkt verläuft die Geschichte fast schon harmonisch.

Untaugliche Rekursbegründung

Einsprachen von Frei sorgen nun für anhaltende Misstöne. Die geplanten 5-stöckigen Bauten seien viel zu hoch und würden ihm die Aussicht auf die Stadt versperren. Sein Haus habe dadurch rund ein Drittel weniger Wert. Von der Genossenschaft verlangt er 320'000 Franken als Schadenersatz. Genossenschaftspräsident Urs Erni will die geforderte Summe nicht bezahlen, auch wenn ihm Präsidenten anderer Genossenschaften angesichts der Bausumme von 80 Millionen Franken dazu geraten haben: «Ich muss mit dem Geld der Genossenschafter treuhänderisch umgehen.» Eine Einwilligung sieht Erni als Kapitulation.

In diesen Tagen hat sich der Rechtsstaat für Erni ausgesprochen: Frei unterlag vor der Baurekurskommission. Die Kommission musste Freis Einsprache prüfen und kam zu einem eindeutigen Entscheid: «Die Rekursbegründung erweist sich somit für dieses Verfahren als von vornherein untauglich.» Der Rekurs sei somit abzuweisen. Auch für die verlangten 320'000 Franken hatte die Kommission kein Musikgehör. Dafür sei sie nicht zuständig, die Forderung müsse vor dem Zivilrichter geltend gemacht werden. Die beiden Verdikte sind wenig schmeichelhaft für Freis Rechtsvertreter Harald Plüss (Name geändert), der früher ebenfalls in der Baugenossenschaft Sonnengarten wohnte.

Plüss bezeichnet sich als Treuhänder. Seine Dienste, die von Scheidungsfragen über AG-Gründungen bis zu Erbschaftsangelegenheiten gehen, preist er auf der Website www.kleinanzeigen.ch an. Laut Erni musste Plüss dieses Jahr aus der Genossenschaft ausgewiesen werden, weil er seine Miete nicht mehr bezahlte. Zuvor stand dafür die Sozialhilfe gerade. Die Behörde strich Plüss aber die Gelder, weil er ein Auto fuhr. Plüss bestreitet diesen Sachverhalt und sieht für seinen Klienten gute Chancen im Rechtsstreit. Immer wieder betont er, dass es eigentlich nicht in erster Linie um das Geld gehe. Für Frei sei viel wichtiger, dass das Ortsbild erhalten bleibe. Ein solcher Bau sei für eine Genossenschaft auch viel zu gross und für die künftige Mieterschaft zu teuer.

Geothermie-Bohrungen starten

Dass es in dieser Geschichte weniger um ästhetische Bedürfnisse eines Anwohners gehen könnte, zeigt eine weitere hängige zivilrechtliche Klage in Höhe von 320'000 Franken. Auch der abschlägige Entscheid der Baurekurskommission kann an die nächste Instanz weitergezogen werden. Das Gleiche gilt für mindestens zwei Nachbesserungen in der Planung, gegen die ebenfalls rekurriert werden kann. Erni befürchtet, dass sich der Baubeginn um Monate verzögert. Von einer Zermürbungstaktik will Plüss aber nichts wissen. Er schöpfe nur alle rechtliche Mittel aus.

Garantiert pünktlich starten auf dem Genossenschaftsareal nach dem Abbruch einzig die Geothermie-Bohrungen. Die Stadt sucht in über 3000 Meter Tiefe Heisswasserschichten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2008, 19:59 Uhr

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