Trump am WEF: Zürich macht sich für alles bereit

Wird der US-Präsident in Davos übernachten? Oder doch an der Limmat? Es gibt da ein paar Indizien.

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Den Burger haben sie im Dolder Grand leider nicht mehr auf der Karte. 58 Franken hat er gekostet, irisches Rindsfilet, gebratene Entenleber, schwarze Trüffel. «Verdammt gut», war das Urteil des Gastrokritikers. Dann halt das Steak, die andere Leibspeise des Präsidenten. Black Angus Beef, auch nicht eben günstig (68 Franken), serviert mit Fritten und einem Aloe-Vera-Papaya-Chili-Chutney. Donald Trump mag sein Steak durchgebraten, so wurde es ihm in Saudiarabien serviert und in Israel, und er will kein Chutney, er will Ketchup. Und als ob das der Kellner hier in Downtown Switzerland schon wüsste, fragt er den Gast tatsächlich, ob er nicht lieber Ketchup zu seinem Steak wünsche. Ketchup!

Ja, im Dolder Grand, einem der besten Hotels am Platz (luxuriös, gut abgeschirmt, 9-Loch-Golfplatz), scheinen sie parat zu sein. Für ihn – falls sich Donald Trump tatsächlich entscheidet, während des WEF in Zürich zu schlafen. Seit die Leute des Secret Service am Mittwoch um 21.20 Uhr mit ihrer Boeing 737 der US Air Force gelandet sind, Standplatz Whiskey, voraussichtlicher Abflug nächsten Samstag, seit die Amerikaner die Schweiz rekognoszieren, wird überall spekuliert. Wann kommt er? Wo schläft er? Was isst er?

Übungseskorte

Schon als der amerikanische Präsident vor einem Jahr zum ersten Mal zu einem G-7-Treffen reiste, ins malerische Taormina an der Ostküste von Sizilien, nahmen die Spekulationen über den möglichen Übernachtungsort von Trump ein Ausmass an, das selbst für italienische Verhältnisse aussergewöhnlich war.


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Wenn der US-Präsident ans WEF kommt, ist das auch eine gigantische Materialschlacht.


So weit ist es in der Schweiz noch nicht, nicht ganz jedenfalls. Die Stimmung in Zürich: eine Mischung aus Nervosität und Beflissenheit.

Nach dem Lunch im Dolder, der Teller und das Ketchup sind abgeräumt, wird es plötzlich unruhig im Wald hinter dem Hotel. Von der Kurhausstrasse, 17 Minuten zum Flughafen, die direkteste und schnellste Verbindung von der Air Force One bis zum Dolder, taucht eine Armada von Polizeimotorrädern auf. Gefolgt von zwei Polizeiautos mit orangem Warnlicht. Gefolgt von einem älteren grünen Mercedes mit Berner Nummernschildern. Darin vier bullige, dunkelhaarige, bärtige Männer in schwarzem Anzug, weissem Hemd und Krawatte; gefolgt von zwei weiteren Polizeiautos.

Eine Test-Polizeieskorte zum Dolder Grand, natürlich reiner Zufall. Am Tag zuvor übte die Polizei schon einmal, dieses Mal vor dem Baur au Lac, der zweiten natürlichen Wahl, sollte Trump tatsächlich in Zürich übernachten.

Zu ihren «taktischen Übungen» will die Stadtpolizei nichts sagen. Nichts über die Route. Nichts über mögliche Passagiere. Gar nichts. Wäre vielleicht auch nicht die vertrauensbildendste Massnahme, wenn die Amerikaner in der Zeitung erfahren, wo der Chef durchfahren soll. Klar ist nur: Seit die Meldung vom Besuch von Trump durchgesickert ist, hat sich die Innenstadt zum Übungsfeld der Polizei verwandelt. Die Kantonspolizei Zürich wird dafür zuständig sein, den Präsidenten am Flughafen abzuholen. «Das haut uns nicht aus den Socken», sagte Bruno Keller, Chef der Sicherheitspolizei am Radio.


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Mehr sagte er nicht. Niemand will mehr sagen. Und macht das auffällig geheimnisvoll. Beim Dolder will man aus «Diskretionsgründen» nichts bekannt geben («Da ist noch alles offen», heisst es aus der Küche, wo zuvor das Steak gebraten wurde). Im Baur au Lac gibt man sich ebenso verschlossen. Man spreche erst viele Jahre danach über Berühmtheiten und ihre Geschichte im Hotel, teilt eine Pressesprecherin mit. Über Kaiserin Sisi zum Beispiel. Oder Richard Wagner. Oder, im Jahr 2050, über Donald Trump.

Verschlossen gibt man sich auch im Unispital. Man sei das Davos am nächsten gelegene Universitätsspital, heisst es aus dem Spital. Würden Staatschefs am WEF gesundheitliche Probleme bekommen, könnten diese durchaus am Universitätsspital behandelt werden. Deshalb komme es im Vorfeld des WEF zu «diversen Kontakten». Ob dazu auch der Secret Service gehört: no comment.

Stadtpräsidentin Corine Mauch hat auch noch keine Anzeichen, ob sie den mächtigsten Mann der Welt beherbergen wird. Doch sie sorgt auf alle Fälle vor. Mauch hat Bundespräsident Alain Berset in einem Brief gebeten, Trump bei einem Treffen auf «die Vorteile einer weltoffenen und solidarischen Politik als erfolgreiche Alternative zu dem in weiten Teilen der Welt feststellbaren Trend zu mehr Abschottung und zu gesellschaftlicher Polarisierung» anzusprechen. Übersetzt: Mach es doch so wie die Zürcher, Donald.

Vielleicht, so lässt sich der Brief auch interpretieren, wäre Mauch gar nicht unfroh, würde Trump einen Bogen um Zürich machen. Und vielleicht doch in Davos absteigen oder in einem Etablissement in St. Moritz. «Wo er schläft, ist gar nicht so entscheidend», sagt Martin Vincenz, Direktor von Graubünden Ferien, «entscheidend ist der Auftritt in Davos. Diese Bilder werden um die Welt gehen. Daran können unsere geschätzten Zürcher Freunde halt auch nichts ändern.»

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2018, 23:36 Uhr

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