Uber startet umstrittenen Taxidienst in Zürich

Der amerikanische Taxiservice Uber schaltet in Zürich einen Gang höher: Uber Pop vermittelt private Fahrer, ist halb so teuer wie ein reguläres Taxi und bewegt sich juristisch in einem Graubereich – noch.

Vermittelt Fahrer ohne Taxilizenz und Taxiuhr: Das US-Unternehmen Uber. Foto: Steffen Schmidt / Keystone.

Vermittelt Fahrer ohne Taxilizenz und Taxiuhr: Das US-Unternehmen Uber. Foto: Steffen Schmidt / Keystone.

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Eben hat Uber die Absolution für seinen Taxi-Vermittlungsdienst erhalten: Der Stadtrat lässt den Service im Sinne des freien Wettbewerbs zu. Nun zündet das US-Unternehmen in Zürich die zweite Stufe. Seit gestern vermittelt es auch Fahrer ohne Taxilizenz und ­Taxiuhr. Uber Pop heisst der neue Dienst, und Rasoul Jalali, Geschäftsführer des Zürcher Ablegers, preist ihn als «Ridesharing-Lösung» an. Einen Dienst also, der Fahrer und Mitfahrer zusammenführt, «das schont die Umwelt, weil Fahrzeuge besser ausgelastet werden».

Schöne, neue, ökologische Sharing-Economy hin oder her: Uber Pop wurde in Deutschland verboten, der Dienst steht im Mittelpunkt des dortigen Taxi­streits. Kommerzielle Taxiunternehmen haben geklagt und vorerst recht be­kommen, weil die kommerzielle Beförderung von Personen ohne Personen­beförderungsschein nicht erlaubt ist. Uber vermittelt munter weiter, trotz drohender Strafe von bis zu 250'000 Euro je Fahrt.

Kaum kontrollierbar

In der Schweiz ist die Sache rechtlich verzwickt, wie Stadtpolizei-Medienchef Marco Cortesi sagt. Die Abklärungen haben eben erst begonnen. Unklar ist etwa, wer zuständig ist: «Während man in der Stadt Bern davon ausgeht, dass die Uber-Geschäftstätigkeit der Taxiverordnung untersteht, tut man das in Zürich nicht.» Tatsächlich sei ein Personentransport ­jedem erlaubt, der 21 und in Besitz eines Führerscheins sei. «Auch gegen 200 Stutz für die Strecke von Zürich nach Bern.» Es darf jedoch nur alle zwei Wochen einmal vorkommen. Alles andere gelte als gewerbsmässiger Transport. Die Einhaltung der Regel sei allerdings schwierig zu kontrollieren. «Ein Polizist sieht es einem Autofahrer ja nicht an, ober er den Beifahrer schon länger als fünf Minuten kennt, ob dieser ihm etwas bezahlt hat oder nicht und zum wievielten Mal er es schon tut», sagt Cortesi.

Trotz der kritischen Einschätzung der Polizei: Uber-Geschäftsführer Jalali ist von der Legalität von Uber Pop überzeugt. Von einem kommerziellen Betrieb könne bei Uber Pop nicht die Rede sein. «Uber-Pop-Fahrer sind Leute, die neben ihrer Haupttätigkeit ab und zu Fahrten anbieten wollen. Dies also nicht professionell betreiben.» Der Dienst könne ­jedoch sehr wohl einen Beitrag an die Unterhaltskosten eines Wagens leisten.

Dolores Zanini, Vizepräsidentin der Taxisektion Zürich, ist wütend. «Es ist eine Frechheit, dass jetzt jeder ohne Ausbildung und Lizenz Kunden herumfahren darf», sagt sie. Enttäuscht ist sie von der links-grünen Stadtregierung, die von den Taxifahrern hohe Lizenzgebühren nehme, Uber aber gewähren lasse «und damit das Taxigewerbe kaputtmacht». Schon heute würden Taxifahrer praktisch nichts verdienen.

Halb so teuer

Die Fahrt vom Bellevue zum Prime Tower kostet bei Uber Pop 10 bis 12 Franken, etwa die Hälfte des Zürcher Taxi­tarifs. Von Oerlikon ins Seefeld werden ­gerade einmal 13 bis 17 Franken fällig. Uber Pop startet in Zürich vorerst im Versuchsbetrieb. Jalali verspricht hohe Qualitätsstandards: Das Auto darf nicht älter als 10 Jahre sein, die Fahrer werden zu einem Gespräch aufgeboten, und Uber verlangt eine Strafregisterauszug, «Der muss leer sein, damit man als Uber-Pop-Fahrer infrage kommt.»

Für Jalali ist Uber Pop nur der Anfang. So hat sein Unternehmen in San Francisco vor wenigen Wochen den Dienst Uber Pool gestartet. Für einen noch mal um 40 Prozent günstigeren ­Tarif können Uber-Kunden ihr «Taxi» mit anderen teilen. «Wenn drei oder vier Personen in den Uber-Wagen zusammen unterwegs sind, entlastet das den Strassenverkehr enorm. Das ist eine ganz neue Ära in der Geschichte der individuellen Mobilität».

Uber steht in der Kritik, weil sich das Unternehmen nicht als Arbeitgeber sieht, sondern vielmehr als Vermittler selbststän­diger Fahrer.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.11.2014, 23:26 Uhr

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