Übergriff auf das Mädchen in der Bäckeranlage war keine Einzeltat

Ein 27-jähriger Schweizer hat sich vor zwei Jahren an einem 8-jährigen Mädchen vergangen. Jetzt zeigt sich: Die Liste der Verbrechen, die dem Mann vorgeworfen werden, ist deutlich länger.

In einer Toilette bei der belebten Bäckeranlage, mitten in der Stadt Zürich, nötigte der Täter im November 2015 ein 8-jähriges Mädchen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

In einer Toilette bei der belebten Bäckeranlage, mitten in der Stadt Zürich, nötigte der Täter im November 2015 ein 8-jähriges Mädchen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Der Fall sorgte in Zürich für Aufsehen: Im November 2015 folgte ein damals 27-jähriger Schweizer einem 8-jährigen Mädchen bei der Bäckeranlage auf die Toilette und nötigte es zu sexuellen Handlungen. Er führte dem Mädchen, das sich heftig wehrte, die Finger in Vagina und Anus ein. Der Mann liess erst davon ab, als die Mutter nach rund zehn Minuten die Toilette betrat, um nach ihrer Tochter zu sehen. Der Täter flüchtete und verletzte dabei die Mutter, die ihn festhalten wollte. Mit einem Phantombild, das den Mann mit Kapuze und auffälligen Punkten an den Lippen zeigte, suchte die Polizei den Täter. «Wer kennt den Herpes-Grüsel?», fragte der «Blick». Die Polizei konnte den Mann erst vier Monate später ­verhaften, wenige Tage nachdem er versucht hatte, ein weiteres Mädchen sexuell zu nötigen.

Allein die Aufzählung der Straftatbestände füllt eine Seite der insgesamt fast 30-seitigen Anklageschrift.

Nach zwei Jahren Ermittlungen liegt nun dem «Tages-Anzeiger» die Anklageschrift vor. Und sie zeigt: Der teilweise geständige Mann soll noch sehr viel mehr begangen haben, als bisher bekannt gewesen war. Allein die Aufzählung der Straftatbestände füllt eine Seite der insgesamt fast 30-seitigen Anklageschrift. Die Liste umfasst ein Dutzend Delikte – von Vergewaltigung über sexuelle Handlungen mit Kindern bis hin zu Diebstahl, Pornografie und Vergehens gegen das Waffen- sowie das Betäubungsmittelgesetz. Die meisten dieser Verbrechen werden ihm sogar mehrfach angelastet.

Bei der Anklageschrift handelt es sich um die Version der Staatsanwaltschaft. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung. Der Pflichtverteidiger wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äussern.

Betäubungscocktail gemischt

Die gravierendste Tat, die dem Mann vorgeworfen wird, eine Vergewaltigung, ereignete sich gemäss Anklageschrift 2013. Der damals 25-Jährige verkehrte regelmässig mit einem 16-jährigen Mädchen in Wollis­hofen. Sie konsumierten Drogen wie Marihuana, Kokain, MDMA und Amphetamine, die der Beschuldigte jeweils besorgte und teilweise dem Mädchen verkaufte. Rund fünfmal übernachtete die 16-Jährige bei dem Mann, wobei dieser regelmässig versuchte, das Mädchen an den Geschlechtsteilen zu berühren, was dieses nicht wollte. An einem Abend verabreichte der Beschuldigte der Minderjährigen einen Cocktail aus Fruchtsaft, Wodka und einer weiteren nicht näher bekannten Sub­stanz, wodurch sich das Mädchen nicht mehr wehren konnte. Daraufhin führte der Beschuldigte seinen Penis in Mund und Vagina des Mädchens.

Die Geschädigte in der Bäckeranlage und zwei weitere in den Zürcher Stadtkreisen 7 und 3 waren deutlich jünger: 8, 10 und 13 Jahre alt. Der Mann vergriff sich in der Toilette sowie in Kellergeschossen der Wohnhäuser der Mädchen an seinen Opfern. In einem Fall blieb es bei dem Versuch, weil sich das Mädchen losreissen konnte. Die Polizei beschlagnahmte ausserdem eine Festplatte, auf der sich Dutzende Bilder mit Kinderpornografie befand.

Der Mann war bereits bei seiner Verhaftung im März 2016 aktenkundig, davon zeugen mehrere Strafbefehle ­wegen Diebstahls, Hehlerei oder Sachbeschädigung. Jetzt legt ihm die Staatsanwaltschaft aber auch noch insgesamt acht weitere Einbruchsdiebstähle sowie den Erwerb eines Sturmgewehrs zur Last.

12 Jahre Freiheitsstrafe gefordert

Die Einbrüche verübte der Mann zwischen 2008 und 2011 in verschiedenen Restaurants und kleineren Betrieben. Er schlug jeweils mit einem Stein das Fenster ein und entwendete Bargeld und Gegenstände im Wert von durchschnittlich mehreren Hundert Franken. Damit finanzierte er sich seinen Drogenkonsum und -handel.

Ende März wird sich der heute 29-jährige Schweizer vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten müssen. Seit vergangenem Sommer befindet er sich bereits in der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf im vorzeitigen Strafvollzug. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren, eine Busse von 1200 Franken sowie den Widerruf mehrerer Strafbefehle. Ausserdem soll eine ambulante Behandlung im Sinne des Artikels 63 Strafgesetzbuch angeordnet werden, und der ­Beschuldigte soll die Kosten des Ver­fahrens von über 73 000 Franken selbst tragen müssen.

Erstellt: 05.01.2018, 06:24 Uhr

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