Uetlibergbahn: Was alles umgebaut wird

Fünf Stationen der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn werden in den kommenden vier Jahren erneuert. Eine davon soll sogar um mehrere Meter verlegt werden.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie ist in die Jahre gekommen, die Station Selnau der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU). Schon seit längerer Zeit sind beschädigte Bodenplatten an mehreren Stellen durch Holzbretter ersetzt worden, das Mobiliar kann längst nicht mehr mit den heutigen Standards mithalten, und inzwischen ist auch das Kiosk-Häuschen aus dem unterirdischen Bahnhof verschwunden. Einkaufen war dort allerdings schon längst nicht mehr möglich: Der Kiosk war seit fast drei Jahren geschlossen.

Nun steht eine Rundumerneuerung für den Bahnhof aus dem Jahr 1990 an. Ab dem 19. August 2013 wird er während rund drei Monaten umgebaut. Der ehemalige Kiosk wird gemäss SZU-Sprecher Armin Hehli dabei zwar nicht ersetzt, dafür wird die Perronmöblierung erneuert, ein Bodenbelag aus rutschfesten keramischen Platten verlegt und die Deckenpaneele werden aufgefrischt. Der Umbau tangiere den Bahnbetrieb jedoch nicht. «Es kann höchstens sein, dass die Station an einem Wochenende mal nicht bedient wird.»

Ebenerdiger Einstieg an allen Stationen

Bei den Bauarbeiten in der Selnau steht aber nicht die Verschönerung der Station im Vordergrund. «Im Rahmen des Behindertengleichstellungsgesetzes sind wir dazu verpflichtet, alle Bahnhöfe den geltenden Richtlinien anzupassen und die Perrons zu erhöhen, damit ein ebenerdiger Einstieg in die Züge möglich wird», sagt Hehli.

Der Bahnhof Selnau ist nicht die einzige SZU-Station, die aufgrund der neuen Gesetzgebung umgebaut werden muss. Auch beim Hauptbahnhof muss der Perron erhöht werden. «Jetzt liegt der Bahnsteig auf einer Höhe von 46 cm über der Schienenoberkante. Gemäss Gesetz muss die Höhe 55 cm betragen, also muss alles um 9 cm aufgestockt werden», so Hehli.

Die Umbauarbeiten am Hauptbahnhof werden im Verlauf des kommenden Jahres erfolgen. Die Planung ist noch nicht abgeschlossen. Auch stehe laut Hehli noch nicht fest, wie die Möblierung dereinst aussehen werde. «Sicher ist, dass der Kiosk bestehen bleibt und alles andere aufgefrischt wird.»

Bahnhof Friesenberg wird verlegt

Die Situation beim Bahnhof Friesenberg wird sich noch grundlegender verändern. Dort soll die ganze Haltestelle versetzt und nach neusten Vorgaben gebaut werden. «Ein entsprechendes Auflageprojekt haben wir im Frühling 2013 beim Bundesamt für Verkehr eingereicht», sagt Hehli. Das BAV müsse das Projekt als Bewilligungsbehörde prüfen. In dem Verfahren sei auch die Anhörung der Stadt Zürich vorgesehen. «Wir rechnen frühestens in 18 Monaten mit einer Antwort des Bundes. Liegt die Plangenehmigung vor, benötigen wir noch Zeit für das Submissionsverfahren und die Realisierung des Baus. Wenn alles optimal läuft, wird die Station frühestens 2015 errichtet, vielleicht wird es auch 2016.»

Das Projekt sieht vor, dass die neue Haltestelle in den heutigen Doppelspurbereich unterhalb der Friesenbergstrasse verlegt wird (siehe Karte). Sie soll mit zwei aussen liegenden Perrons ausgestattet werden. Der Perron in Fahrtrichtung Stadt wird überdacht – analog der Station Binz. «Auf der Bahnsteigseite in Richtung Uetliberg ist vorerst kein Dach geplant, da dort die Fahrgäste in der Regel nur aussteigen», erklärt der SZU-Sprecher.

Perronverlängerungen für die neuen Züge

Neben den Anpassungen der Bahnsteighöhe müssen einige Bahnhöfe auch verlängert werden. So wird der Gehsteig der Haltestelle Binz in Richtung Binzstrasse erweitert. «Wir brauchen die gesamte Länge zwischen den beiden Bahnübergängen, damit die neuen, 100 Meter langen Zugkompositionen genügend Platz haben», sagt Hehli. Der Umbau finde noch in diesem Jahr statt. «Auf den Zugbetrieb haben diese baulichen Massnahmen aber keinen Einfluss.»

Auch an der Station Triemli muss neben der Anpassung der Perronhöhe der gesamte Bahnsteig nach beiden Seiten hin verlängert werden. Die Realisierung dieser Bauarbeiten ist für 2014 vorgesehen.

Spezialfall Uitikon-Waldegg, Ringlikon und Uetliberg

Anders sieht die Situation an den Haltestellen Uitikon-Waldegg und Ringlikon aus. Dort können die Perrons nicht behindertengerecht umgebaut werden. «Die Stationen befinden sich jeweils in einer Kurve mit sehr engem Radius. Um Berührungen zwischen Fahrzeug und Bauwerk zu verhindern, müssen Perrons in solchen geometrischen Verhältnissen mit grossem Abstand zum Gleis gebaut werden. Daraus resultiert ein zu grosser Spalt zwischen Fahrzeugtüre und Perronkante.»

Ein Spezialfall ist auch die Endstation auf dem Uetliberg, wo der Bahnsteig nicht erhöht, sondern die Geleise abgesenkt wurden. «Der Effekt ist derselbe: Die Station entspricht danach den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes.» Der Umbau der Bergstation ist Ende Juli abgeschlossen.

Erstellt: 11.06.2013, 11:15 Uhr

Verschiebung der Station Friesenberg

Bund und Kanton beteiligen sich an Kosten

Der Bund und der Kanton Zürich beteiligen sich an dem 1,3 Millionen Franken teuren Umbau der SZU-Station Selnau. Der Kantonsrat hatte bereits 2007 einen Rahmenkredit für Staatsbeiträge zum behindertengerechten Umbau von Haltestellen von S-Bahnen und Trams bewilligt. 10,3 Millionen Franken wurden dabei der SZU zugesprochen. Der Bund sicherte eine Beteiligung von maximal 712'000 Franken für alle Umbauten der SZU-Stationen zu. (tif/mth)

Artikel zum Thema

So sieht die neue Uetlibergbahn aus

Die SZU stellte heute den ersten von sechs Zügen vor, die künftig die Kapazität auf der Uetlibergstrecke aufstocken sollen. Besonders ein Aspekt war für die Erbauer nicht leicht zu lösen. Mehr...

Der Kiosk unter der Sihl verschwindet

Nach dem Schwamendinger Tramtunnel erhält eine weitere Untergrundstation in Zürich ein Facelifting. Der Bahnhof Selnau wird neu gestaltet. Mehr...

«Im schlimmsten Fall droht ein Velofahrverbot auf dem Uetliberg»

Die Zahl der Biker, die trotz Verbot mit ihrem Velo mit der Bahn auf den Uetliberg fahren, nimmt zu. Der Grund sind neue Gesetze. Fehlbare können nicht mehr gebüsst werden. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...