Ultimatum für Zürcher Besetzer im Heilsarmee-Haus

Am Freitag müssten die ungebetenen Gäste das Gebäude hinter dem Club Plaza verlassen – doch sie zeigen sich widerspenstig.

«Was soll das Theater?»: Die Besetzer des Heilsarmee-Gebäudes wollen länger bleiben. Bild: Reto Oeschger

«Was soll das Theater?»: Die Besetzer des Heilsarmee-Gebäudes wollen länger bleiben. Bild: Reto Oeschger

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Eigentlich wäre für den Umbau des Heilsarmee-Gebäudes im Zürcher Kreis 4 alles bereit. Die Baubewilligung ist erteilt. Im Januar soll der Abbruch beginnen. Läuft alles wie geplant, könnte die Heilsarmee Ende 2019 das neue Wohnheim mit 36 Plätzen und den Gemeindesaal an der Ankerstrasse 31 beziehen.

Seit kurzem hat die Heilsarmee aber ungebetene Gäste im Haus. Am 23. November sind Besetzer in das leer stehende Gebäude eingezogen. «Was soll das Theater?» haben sie auf ein Transparent gepinselt und über dem Eingang aufgehängt. In einem Flugblatt und auf Schildern vor dem Eingang schreiben sie, dass die Besetzung bedroht sei. Die Heilsarmee will, dass die Besetzer das Gebäude bis zum 22. Dezember verlassen.

Die Besetzer hingegen wollen bleiben. Sie rufen zum Widerstand auf: «Komm am 22. 12. von ganz früh bis spät vor die Ankerstrasse 31. Sei solidarisch und geniess Crêpes and Show.» In einem Brief an die Nachbarschaft sind die Besetzer noch etwas ausführlicher: «Wir haben keine Angst und werden keinen Leerstand dulden.» Die Heilsarmee wolle sie strafrechtlich verfolgen, wenn sie das Gebäude bis zum 22. Dezember nicht verlassen hätten. Den Besetzern gefalle es hier im Quartier. Die neugierigen Leute, die hereinkommen, würden ihnen Freude bereiten. «Wir fänden es toll, wenn sie sich als Einzelperson oder als Gruppe mit uns solidarisieren und uns darin unterstützen, so lange wie möglich und ohne Kriminalisierung im Haus bleiben zu können», schreiben die Besetzer weiter.

Verärgerter Anwohner

Etwas weniger Gefallen an der Besetzung findet ein Anwohner. Grundsätzlich habe er nichts dagegen, wenn leer stehende Häuser besetzt würden, sagt er. «Ich habe allerdings kein Verständnis, wenn ich jeden Tag Flyer im Briefkasten vorfinde, welche mich zu mehr Solidarität und zur Mithilfe beim Widerstand gegen die bevorstehende Hausräumung auffordern.» Auch die «Schmierereien» am Gebäude stören ihn. Er stellte erstaunt fest, dass die Heilsarmee bislang noch nichts unternommen habe, und erwarte, «dies auch im Namen vieler Anwohner», dass entsprechende Massnahmen eingeleitet würden, damit es am 22. Dezember zu keinem «Theater» komme. Es reiche schon, dass noch Partys und Konzerte geplant seien.

Bilder: Zürichs Hausbesetzungen der letzten 40 Jahre

Die geplanten Konzerte haben am vergangenen Samstag stattgefunden. Die Besetzer haben die Anwohner darüber informiert. Und um Verständnis für eine etwas lautere Nacht gebeten: «Uns ist bewusst, dass das Gebäude in einem Wohnviertel steht, und wir tun unser Möglichstes, damit sich der Lärmpegel in Grenzen hält.» Gäste und Anwohner sollen einen guten Abend mit dem Perlaton-Festival verbringen können, einem kleinen alternativen Zürcher Festival mit nomadischem Charakter. Dem Anwohner war es allerdings zu laut: «In der Nacht auf Sonntag mussten wir gegen 22.15 Uhr die Polizei verständigen.»

Bei der Stadtpolizei wird die Lärmklage bestätigt. Die Polizei sei daraufhin ausgerückt. «Auf Intervention der Stadtpolizei schloss der Veranstalter die Fenster und stellte die Musik leiser», sagt ein Sprecher der Stadtpolizei. Die Polizei habe daraufhin die Veranstaltung bis zum Schluss beobachtet. Laut Stapo wäre eine weitergehende Intervention nicht verhältnismässig gewesen. Der Veranstalter wird aufgrund der eingegangenen Lärmklagen beim Stadtrichteramt Zürich zur Anzeige gebracht.

Heilsarmee bestätigt Ultimatum

Die Kritik des Anwohners hat auch die Heilsarmee erhalten. Ansonsten seien bislang aber keine Rückmeldungen bezüglich der Besetzung eingetroffen, sagt ein Sprecher der Heilsarmee. Was geschehen wird, wenn die Aktivisten am 22. Dezember das Haus nicht verlassen, sagt er nicht. Die Heilsarmee geht weiter davon aus, dass Anfang Jahr mit dem Rückbau begonnen werden kann. «Eine Strafanzeige kommt nur im äussersten Fall infrage, wenn wir nicht mit unserem Bauvorhaben wie geplant starten können», sagt der Sprecher.

Von dieser Anzeige ist der weitere Verlauf der Besetzung abhängig. Ohne Anzeige durch den Eigentümer der Liegenschaft räumt die Stadtpolizei das Haus nicht. Obwohl die Hausbesetzer laut Strafrecht Hausfriedensbruch begehen. Im «Merkblatt Hausbesetzungen in der Stadt Zürich»ist das die gängige Praxis in Zürich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.12.2017, 11:00 Uhr

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