Umzug ins Abbruchhaus

Die Mieter des stark ramponierten Hauses an der Uetlibergstrasse haben derzeit kein Zuhause und wissen noch immer nicht, wie es weitergeht. Verwaltung und Stadt sind sich uneinig, ob die Wohnungen gerettet werden.

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Nach dem gewaltigen Wasserrohrbruch von Gründonnerstag müssen die betroffenen Bewohner einmal mehr umziehen. Nachdem ihre Wohnungen geflutet worden waren, kamen sie vorübergehend in Hotels oder bei Bekannten unter. Nun bietet ihnen die Hausverwaltung Wincasa eine Zwischenlösung an.

Sie hat in einer eigenen leer stehenden Liegenschaft an der Scheideggstrasse im Enge-Quartier zehn Wohnungen bereitgestellt. «Die Wincasa hat uns mitgeteilt, dass die Verträge ausgearbeitet würden und wir uns ab sofort darum bewerben können», sagt ein Mieter. Unklar ist, ob die Verwaltung damit meint, die Betroffenen müssten sich für die vorübergehende Bleibe schriftlich bewerben, oder ob es reicht, wenn sie lediglich ihr Interesse bekunden. Die offenbar ungeschickte Kommunikation verunsichert die Mieter zusätzlich. Ein Betroffener sagt, er sei «fertig mit den Nerven».

Möblierte 3-Zimmer-Wohnungen

Das Haus in der Enge war zum Abbruch vorgesehen und erhält so nochmals einen Aufschub, bevor die Abrissbirne auffährt. Da die Wohnungen allesamt noch unmöbliert sind, werden sich die meisten Mieter Möbel anschaffen müssen. Während einzelne Bewohner alle Möbel verloren haben, blieben in anderen Wohnungen Tische, Schränke und Betten unversehrt. Diese werden bei einer Räumungsfirma zwischengelagert.

Die Versicherungen haben die Angelegenheit klar aufgeteilt: Die Versicherung der Stadt ist zuständig für sämtliche Schäden, während die Versicherung der Wincasa für die zwischenzeitliche Unterbringung der Mieter zuständig ist. Dafür hat die Wincasa von verschiedenen Liegenschaftsverwaltungen Offerten für möblierte Wohnungen eingeholt. Einer der angefragten Verwalter hat gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet gesagt, dass er zwar die gesuchte Zahl Wohnungen sogar im gewünschten Quartier offeriert habe, aber beim vorgesehenen Budget von 1700 Franken für eine möblierte 3-Zimmer-Wohnung keinen Abschluss machen konnte. Solche Wohnungen würden möbliert ab 3000 Franken angeboten. Die Wincasa hat dann die Lösung mit der eigenen Abbruchliegenschaft in Zürich-Enge gefunden.

In hundert Jahren nicht vorgekommen

Derweil sind sich Stadt und Wincasa uneins, ob das Haus stehen bleiben wird. Marianne Locher von der Wasserversorgung der Stadt Zürich sagt: «Der Baustatiker hat keine Bedenken geäussert, das Haus kann eindeutig so stehen bleiben.» Bei der Wincasa ist dieser Punkt noch nicht geklärt: «Diese Frage kann zum heutigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden. Wir sind dabei, zusammen mit Fachleuten das Ausmass der Schäden zu prüfen und die weiteren Schritte mit den involvierten Stellen zu definieren.»

Bei der Stadt ist man immer noch daran, die Schäden zu erfassen. «Den Mietern fallen laufend Dinge ein, die ihnen wichtig sind. Das ist aber normal», sagt Locher. «Bei der Wincasa», so Flavia Morelli, «sind die Haftungsfragen noch in Abklärung. Es handelt sich hier um ein Ereignis, welches in Zürich in den letzten hundert Jahren nicht vorgekommen sein soll.»

Fertig mit den Nerven

Eine versicherungstechnische Finesse bereitet den Mietern Kopfzerbrechen: Weil der Rohrbruch vor und nicht im Haus passiert ist, muss die Versicherung den Mietern nicht den Neuwert ihrer Habe vergüten, sondern lediglich den aktuellen Wert. Bei einem dreijährigen Bett wäre das gerade noch der halbe Preis. «Ich kann leider noch keine festen Zusagen machen», sagt Locher weiter, «die Abklärungen durch Schadensexperten laufen noch.» Für eine betagte Mieterin wird versucht, einen Platz im Altersheim finden, für eine andere Mieterin organisiert sie psychologischen Beistand. Ein anderer Mieter wurde von seinem Arbeitgeber freigestellt, bis es ihm wieder besser gehe. «Ich habe nur noch meine Familie. Alles andere ist weg. Meine ganze Vergangenheit.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.04.2013, 15:55 Uhr

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