Und ewig lockt der Freistaat

Die Zahl der Deutschen, die mit einer Rückkehr nach Bayern liebäugeln, hat sich seit der Abstimmung vom 9. Februar stark vergrössert.

Nicht nur wegen der schönen Landschaft kehren viele zurück: Schloss Neuschwanstein im Freistaat Bayern.

Nicht nur wegen der schönen Landschaft kehren viele zurück: Schloss Neuschwanstein im Freistaat Bayern. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bayern will seine Fachkräfte zurück: Menschen, die sich zum Beispiel in Zürich niedergelassen haben. Im Herbst 2013 lockten die Deutschen ihre Landsleute mit Bier und Weisswürsten an einen Informationsanlass ins Zunfthaus zur Meisen. Motto: «Return to Bavaria». Der Saal war schon damals voll – nach dem Ja der Schweizer zur Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar hat das Projekt aber so richtig Fahrt aufgenommen.

«Die Zugriffe auf unsere Website haben sich vervierfacht», sagt Ludwig Jungbauer vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. Dennoch will man sich nicht als Profiteur der eidgenössischen Abstimmung sehen. Bayern sei an einem guten Miteinander und Austausch mit der Schweiz interessiert, sagt Jungbauer: «Entscheidend ist nun, dass für beide Seiten positive Lösungen gefunden werden.» Von einer überstürzten Abreise aufgrund der politischen Verhältnisse raten die Bayern ab. Zu allererst solle man sich Zeit nehmen und die beruflichen Perspektiven klären. «Eine Rückkehr muss gut vorbereitet sein.»

Stadt reagiert noch nicht

Obwohl immer mehr deutsche Akademiker mit Abwanderungsgedanken spielen, sieht die Stadt Zürich keine Not, bei Hüppen und Luxemburgerli für einen Verbleib in der Schweiz zu werben. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Zürich wisse von Programmen wie «Return to Bavaria», sehe zurzeit jedoch keinen Handlungsbedarf, sagt Nat Bächtold, Sprecher im Präsidialdepartement. «Zürich und die Zürcher Unternehmen sind dank hoher Lebensqualität und guten Jobs nach wie vor sehr attraktiv.» Man beobachte jedoch genau, wie sich die Situation vor dem Hintergrund der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative entwickle. Dafür tauschen sich der Stadtrat und die Wirtschaftsförderung regelmässig mit Vertretern von Verbänden und Unternehmen aus. Würde an einem dieser Treffen eine Verschlechterung der Situation festgestellt, würde laut Bächtold über Massnahmen diskutiert, um auch künftig die guten Rahmenbedingungen sicherzustellen.

Die Initiative «Return to Bavaria» gibt es seit 2012. Die Geschäftsstelle in München dient als Anlauf- und Beratungsadresse für Fragen zur Rückkehr. Von hier aus widmet man sich gemäss Website der weltweiten Suche nach Bayern im Ausland, die an eine Heimkehr denken. Rückkehrer bekommen auch Unterstützungsangebote. Denn: Bayern fehlen nach wie vor Fachkräfte in verschiedensten Bereichen. In einem TA-Interview sprach Geschäftsleiterin Kerstin Dübner-Gee schon vor dem 9. Februar von einem Erfolg. In München habe sich bereits ein Stammtisch mit Rückkehrern etabliert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2014, 11:05 Uhr

Artikel zum Thema

Deutsche leiden unter «Schweizer Krankheit»

Deutsche stellen nicht nur die grösste Einwanderer-, sondern auch die grösste Auswanderergruppe der Schweiz. Denn viele fühlen sich isoliert und einsam – mit steigender Tendenz. Mehr...

Deutsche Professoren werden vor der Schweiz gewarnt

Die Deutschen-Debatte an der Uni Zürich stösst nun auch im Nachbarland auf Gehör: Die auflagenstärkste Hochschulzeitschrift Deutschlands warnt vor «mutmasslichen Schweizer Animositäten». Mehr...

Nicht alle Deutschen kommen, um zu bleiben

Analyse Immer mehr Deutsche würden die Schweiz verlassen, weil sie hier einsam seien, war diese Woche zu lesen. Diese These ist nicht belegt. Was sich wirklich sagen lässt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Schneiden Zürcher besser ab als Basler?

Ja. Zumindest mit dem PanoramaKnife. Denn es gibt leider noch kein Basler Messer. Die kleine Thurgauer Firma arbeitet aber dran.

Kommentare

Blogs

Mamablog Gespalten zwischen Glück und Trauer
Tingler Zensur als Gratiswerbung

Die Welt in Bildern

Bump it: Angela Merkel mit dem mexikanischen Präsidentenpaar an der Hannover Messe. (23. April 2018)
(Bild: Fabian Bimmer) Mehr...