Unispital macht Geschäfte mit Finanzkriminellem

Bei Immobilien- und IT-Geschäften des Spitals hat ein Mann mitgewirkt, der wegen Finanzdelikten verurteilt ist. Mit dem Spitalchef ist er per Du.

Für Spitaldirektor Gregor Zünd der beste Bürostandort: 600 Mitarbeitende des Universitätsspitals zügeln nach Stettbach. Foto: Andrea Zahler

Für Spitaldirektor Gregor Zünd der beste Bürostandort: 600 Mitarbeitende des Universitätsspitals zügeln nach Stettbach. Foto: Andrea Zahler

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In den nächsten Wochen findet im Unispital ein grosser Umzug statt. 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Administration ziehen aus Zürichs Zentrum hinaus nach Stettbach, wo sie Büros in zwei neuen Gebäuden beziehen. Diese sind Teil des Grossprojektes «Three Point» der Schwyzer Immobilienfirma ADT Innova Group. Das Unternehmen baut im Gebiet Hochbord unweit des Bahnhofs drei Wohnhochhäuser sowie zwei Gewerbe­liegenschaften, in denen das ­Unispital Hauptmieterin ist. Es belegt im einen Haus sechs Geschosse und im anderen fünf, insgesamt 10'500 Quadratmeter.

Die 600 Spitalangestellten werden auf absehbare Zeit in Stettbach arbeiten, denn im Zentrum steht die Gesamterneuerung des Spitals an, die Jahrzehnte dauert und für welche man Rochadeflächen braucht. Vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird das städtische Umfeld fehlen. Doch mit dem öffentlichen Verkehr sind die neuen Büros gut erreichbar.

Zünd brachte Stettbach höchstpersönlich ins Spiel

Das Unispital hat über ein Dutzend Bürostandorte evaluiert, wie es mitteilt. Relevante Kriterien waren das Platzangebot, die Kosten, der mögliche Einzugstermin, die gute Erreichbarkeit mit dem ÖV, Verpflegungsmöglichkeiten und das Kita-Angebot. In die engere Wahl kamen zwei Standorte in Oerlikon und jener in Stettbach. Von diesen drei wiederum schnitt laut TA-Recherchen in der Gesamtbetrachtung ein bestehendes Geschäftshaus in Oerlikon am besten ab.

Doch Gregor Zünd, der CEO des Unispitals, favorisierte Stettbach. Er hatte den Neubau der ADT Innova Group am Anfang der Evaluation höchstpersönlich ins Spiel gebracht, und er machte sich in der Spitaldirektion dafür stark, als diese das Geschäft schliesslich behandelte. Auffällig daran: Der Vizepräsident der ADT Innova Group, Peter Z., ist ein Bekannter von Gregor Zünd. Jedenfalls duzen sich die beiden, wie der TA aus zuverlässiger Quelle weiss. Z. habe Zünd in kumpelhafter Manier jeweils «Gregi» genannt, wenn er im Unispital zu Besuch war.

Gregor Zünd ist seit 2016 Chef des Unispitals Zürich. Foto: jau

2016 – im Jahr von Zünds Ernennung zum CEO – war Z. erstmals im Unispital aufgetaucht, zusammen mit Beratern der Firma 4uSource. Es ging darum, die IT des Grossbetriebs zu analysieren und Optimierungspotenzial zu eruieren. Die externen Berater waren ab Ende 2016 rund ein Jahr lang im Unispital präsent und hielten dessen IT-Leute auf Trab. Inwiefern das Spital davon profitierte, ist nicht bekannt. «Inwieweit sich Kosteneinsparungen realisieren lassen, wird sich erst mittelfristig zeigen», schreibt es auf Anfrage. Tatsache ist hingegen, dass das Spital seine IT in der Folge in drei Teile zerlegte und dezentral organisierte. Dabei bildete der Bericht der externen Berater «einen Teil der Entscheidungsgrundlagen». Die Firma 4uSource ist inzwischen in Konkurs gegangen.

Peter Z. ist ein umtriebiger Geschäftsmann, der schon in viele Firmen involviert war und sich in diversen Branchen bewegt: Immobilien, IT, Managementberatung, Maschinenbau, Kunsthandel. Leute, die den 71-Jährigen kennen gelernt haben, beschreiben ihn als Strahlemann mit grossspurigem Auftreten – ein Zampano, der alles weiss und alles kann.

Tatsächlich ist Z. aber auch ein verurteilter Finanzkrimineller.

Grosses Finanzloch in dem Firmengeflecht

Wer sich näher mit ihm befasst, stösst auf ein Kunsthandel-Firmengeflecht in Wettingen AG und in der Stadt Zürich, dem Z. ab 2010 als Präsident vorstand – und das die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma 2014 kurzerhand zwangsliquidierte. Grund: «Unerlaubter Handel von Publikumseinlagen». Konkret: Die Hammer Gallery AG, die Loubna Fine Art AG und der Verein The Global Fine Art Club, alle präsidiert von Z., ­betrieben ein Investmentnetz, in das über 300 Kunstfreunde via 150 Vermittler mindestens 14 Millionen Franken steckten. Ziel war es, damit indirekt oder direkt rentable Kunstobjekte zu kaufen. Die Kunden kamen vor allem aus Deutschland und Österreich.

Doch es fehlten die nötigen Finma-Bewilligungen für den Betrieb eines solchen Finanzgeschäfts. Und schlimmer noch: Als die Finma einschritt, offenbarte sich ein massives Finanzloch in dem Firmengeflecht. Die über 300 Anleger «werden voraussichtlich einen Verlust von mindestens 50 Prozent erleiden», heisst es in einer 26-seitigen Strafverfügung des Eidgenössischen Finanzdepartements EFD, die an Z. gerichtet ist und die dem TA vorliegt. Im Klartext: In dem gestoppten Konstrukt versickerte durch Vermittler- und andere Gebühren so viel Geld, dass am Ende mindestens 7 Millionen Franken fehlten.

Was Konsequenzen für Peter Z. hatte. Nach der Liquidierung des «Kunst-Netzwerks» verhängte die Finma ein temporäres Finanzmarkt-Berufsverbot gegen ihn sowie zwei Compagnons – und erhob Strafanzeige. Dann trat das EFD auf den Plan, das für solche speziellen ­Finanzdelikte zuständig ist. Nach aufwendiger vierjähriger Untersuchung verurteilte das Departement von Finanzminister Ueli Maurer Z. im April 2018 wegen unbefugter Entgegennahme von Publikumseinlagen und zwei anderer Finanzdelikte zu einer bedingten Geldstrafe von 48'790 und zu einer Busse von 9000 Franken.

Der Spitalrat liess dieMitarbeitenden abstimmen

Im gleichen Zeitraum, im Frühjahr 2018, fiel im Unispital Zürich der Entscheid, die Büroarbeitsplätze nach Stettbach in die Gebäude der ADT Innova Group auszulagern. Das Spital begründet ihn mit dem Wunsch der Betroffenen. Als Reaktion auf die Einflussnahme von Gregor Zünd entschied nämlich der Spitalrat – das Aufsichtsorgan über die Spitaldirektion –, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Administration zu befragen, welchen Standort sie bevorzugen würden.

Je circa 30 Prozent stimmten für eines der zwei Häuser in Oerlikon, circa 40 Prozent für jenes in Stettbach. Die Sprecherin des Spitals schreibt dazu: «Die Summe der Voten für die beiden Gebäude in Oerlikon war etwas höher. Das lässt allerdings nicht den Schluss zu, dass die Mitarbeitenden für Oerlikon votiert haben, weil das so nicht abgefragt wurde.»

Das Spital hält fest, dass Gregor Zünd nichts von den Ermittlungen der Finma und des Eidgenössischen Finanzdepartementes gewusst habe.

Wie viel das Universitätsspital für den Aussenstandort Stettbach zahlt, ist geheim. «Zu Mietkosten geben wir grundsätzlich keine Auskunft», schreibt es. Und ergänzt: «Die Kosten liegen im Median des Marktüblichen.» Laut Branchenkennern dürfte der Quadratmeterpreis in einem Neubau am fraglichen Standort um die 250 Franken liegen, das ergibt einen jährlichen Zins in der Höhe von rund 2,5 Millionen Franken.

Für Gregor Zünd seien vor allem «die Hochwertigkeit eines Neubaus und die ausgezeichnete Verkehrsanbindung» überzeugende Argumente gewesen, weshalb er sich für Stettbach einsetzte, teilt das Unispital mit. Er sei weder in die Vertragsverhandlungen noch in die Unterzeichnung involviert gewesen. Gregor Zünd sei auch nicht mit Peter Z. befreundet, stellt die Kommunikationsabteilung klar. Die beiden hätten sich «über einen geschäftlichen Kontakt» kennen gelernt. «Der Bezug des CEO zu Peter Z. geht nicht über den Rahmen des gesellschaftlich üblichen Umgangs hinaus und umfasst keine privaten Bereiche.»

Das Spital hält überdies fest, dass Gregor Zünd nichts von den Ermittlungen der Finma und des Eidgenössischen Finanzdepartementes gewusst habe.

Peter Z. selber hat auf mehrere Anfragen des TA nicht reagiert. Die Frage, ob weitere Verfahren gegen ihn laufen, zum Beispiel von geprellten Anlegern, liess er ebenso unbeantwortet wie Fragen nach seinem Verhältnis zu Gregor Zünd. Das Immobilienunternehmen ADT Innova Group wollte sich zu den Vorkommnissen ebenfalls nicht äussern.

Erstellt: 05.12.2019, 22:11 Uhr

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