Untersuchung gegen Promi-Arzt

Eine Frau hat gegen den Schönheitschirurgen Peter Meyer-Fürst Strafanzeige eingereicht. Jetzt prüft die Gesundheitsdirektion aufsichtsrechtliche Schritte.

Ein Arzt soll eine 19-jährige Frau bei einer Brust-OP verunstaltet haben: Verschiedene Brustimplantate liegen in einer Klinik zur Ansicht auf (Symbolbild). Foto: Keystone

Ein Arzt soll eine 19-jährige Frau bei einer Brust-OP verunstaltet haben: Verschiedene Brustimplantate liegen in einer Klinik zur Ansicht auf (Symbolbild). Foto: Keystone

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Die Vorwürfe der 19-jährigen Frau, über die am Dienstagabend die TV-Sendung «Kassensturz» berichtete, sind happig. Der 78-jährige Peter Meyer-Fürst, in den 80er-Jahren ein gefragter Schönheitschirurg und Partylöwe, soll sie bei einer Brust-OP verunstaltet haben. Das Resultat: Schmerzen, hässliche Narben und unterschiedlich grosse Brüste. Die Frau wird vermutlich nie stillen können, ihre Brustwarzen sind abgestorben. Sie hat gegen Meyer-Fürst Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung eingereicht. In der Sendung sagte ein Experte des Universitätsspitals Basel: «Das Ergebnis ist aus Patientensicht inakzeptabel.» Es sei eine eklatante Entstellung, die junge Frau werde ihr Leben lang von diesem Eingriff gezeichnet sein und unter den Folgen leiden.

Dass Meyer-Fürst mit 78 Jahren noch operieren konnte, hängt mit einem Verwaltungsgerichtsentscheid zusammen. Ab dem 70. Lebensjahr bewilligt die Zürcher Gesundheitsdirektion selbstständig arbeitenden Ärzten die Berufsausübung jeweils auf drei Jahre. 2009 wollte die Behörden sie nicht mehr erneuern. Meyer-Fürst gelangte an das Verwaltungsgericht und erhielt recht.

Akteneinsicht verlangt

Nun reagiert die Zürcher Gesundheitsdirektion. Sie verlangt bei den Strafuntersuchungsbehörden Akteneinsicht im Fall der jungen Frau und vom Arzt eine Stellungnahme. «Gestützt auf diese Informationen wird die Gesundheitsdirektion über aufsichtsrechtliche Schritte entscheiden», sagt Mediensprecher Daniel Winter.

Peter Meyer-Fürst ist Belegarzt bei der Tagesklinik am Bellevue. Dort will man sich zur Sendung nicht äussern und verweist auf Martin Rübel, den Anwalt des Schönheitschirurgen. Rübel wirft dem «Kassensturz» vor, falsche Tatsachen veröffentlicht zu haben: «Die Frau hat nicht die Wahrheit gesagt und Aussagen unterschlagen.» Deshalb zeigt Meyer-Fürst die Frau wegen falscher Anschuldigung an. Zu den konkreten Vorwürfen will sich Rübel nicht weiter äussern, sein Mandant unterstehe dem Arztgeheimnis.

Weiter sagt Rübel, der Beitrag über Meyer-Fürst sei ein Rachefeldzug. Denn drei «Kassensturz»-Redaktoren waren im Zusammenhang mit heimlichen Filmaufnahmen verurteilt worden. 2006 war die damalige Miss Argovia in ihrem Auftrag in verschiedenen Praxen – unter anderem auch bei Meyer-Fürst – und informierte sich, zu was Schönheitschirurgen bereit wären. Das Resultat: Die meisten hätten an ihr unnötige Operationen wie Lippen aufspritzen, Fett absaugen oder Brust vergrössern vornehmen wollen.

Erstellt: 22.01.2015, 21:30 Uhr

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