Untersuchungsbericht: Zürcher Krokodil schnappte durch Lücke zu

Im Krokodilgehege des Zürcher Zoos kam es vor drei Wochen zu dramatischen Szenen. Die Hand einer Tierpflegerin konnte nur durch das beherzte Eingreifen eines Pflegers gerettet werden.

Das einzige Philippinen-Krokodil im Zürcher Zoo musste nach einem Vorfall getötet werden.

Das einzige Philippinen-Krokodil im Zürcher Zoo musste nach einem Vorfall getötet werden.

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Am Vortag zu Heiligabend 2019 ist es im Reptilienhaus des Zürcher Zoos zu dramatischen Szenen gekommen. Das Philippinen-Krokodil packte die Hand einer Tierpflegerin und wurde erschossen. Die Hand der Frau konnte gerettet werden (lesen Sie hier mehr dazu).

Nun liegt der Untersuchungsbericht vor, wie der Zoo heute Mittwoch mitgeteilt hat. Demnach hat sich der Vorfall so ereignet: Die zuständige Pflegerin trennte das einzelne Krokodil vorschriftsgemäss im einen Gehegeteil ab, bevor sie für Unterhaltsarbeiten den anderen Gehegeteil betrat. Zwischen den Teilen ist ein Netzwerk künstlicher Mangrovenwurzeln positioniert.

Mit der Schnauzenspitze fasste es die Hand

Als die Pflegerin in die Nähe der Trennwand kam, packte das Krokodil vom Wasserteil des Geheges aus zu. Es fasste die Hand der Frau mit der Schnauzenspitze «durch einen Zwischenraum hindurch» und zog sie auf seine Seite, wie der Zoo schreibt.

Das war eine höchst gefährliche Situation, da sich Krokodile, die eine Beute gefasst haben, gerne um die eigene Achse drehen. Wäre es so weit gekommen, wäre die Hand der Pflegerin verloren gewesen. Daher fixierte einer der zu Hilfe geeilten Tierpfleger das Krokodil an dessen Vorderbeinen.

Doch alle Versuche, das Tier zum Loslassen zu bewegen, scheiterten. Gemäss Bericht hätte eine Narkose «unter den gegebenen Umständen kaum in nützlicher Zeit die gewünschte Wirkung» erzielt. Deshalb wurde der Entscheid gefällt, das Tier zu töten – durch einen Schuss aus einer Pistole der Notfallausrüstung des Zoos.

Die Pflegerin ist nach mehrstündiger OP wieder zu Hause

Die Tierpflegerin kam ins Spital, wo ihre schwer verletzte Hand einer mehrstündigen Operation unterzogen wurde. Die Tierpflegerin ist wieder zu Hause, es gehe ihr den Umständen entsprechend gut, schreibt der Zoo. An die Wiederaufnahme der Arbeit sei aber noch nicht zu denken. Der von Therapien begleitete Heilungsprozess werde längere Zeit in Anspruch nehmen.

Der Zoo stuft den Vorfall als «tragischen Arbeitsunfall» ein. Das Krokodil der höchst gefährdeten Philippinen-Art war das letzte in Zürich. In freier Wildbahn leben noch rund 250 Tiere. Ein künftiger Besatz der Krokodilanlage sei in Diskussion, heisst es vonseiten des Zoos.

Weibchen stieg über Wand

Vor Jahren waren die Krokodile noch zu zweit gewesen. Doch Weibchen und Männchen kamen nicht gut miteinander aus. So trennte man sie durch die Mangrovenwand.

Dem Weibchen gelang es aber wiederholt, über das Hindernis zu steigen, worauf es zu Kämpfen kam. Darauf wurde das Weibchen 2018 an einen anderen Zoo in Dänemark weitergegeben.

Erstellt: 15.01.2020, 11:58 Uhr

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