VBZ ziehen das lang ersehnte Tram Affoltern vor

Das Bevölkerungswachstum in Zürich-Nord bringt die Planung der Verkehrsbetriebe durcheinander.

Das hätten die Affoltener gern: Ein Tram der Linie 4 auf dem neuen Streckenabschnitt zwischen Escher-Wyss-Platz und dem Bahnhof Altstetten. (Dezember 2011)

Das hätten die Affoltener gern: Ein Tram der Linie 4 auf dem neuen Streckenabschnitt zwischen Escher-Wyss-Platz und dem Bahnhof Altstetten. (Dezember 2011) Bild: Keystone

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Affoltern ist das am stärksten wachsende Quartier der Stadt: Letztes Jahr nahm die Bevölkerung um 1465 Köpfe zu; zwischen 2005 und 2010 um 4200. Affoltern ist das Boomquartier Zürichs, nur hat das die Stadt lange nicht bemerkt und alle Aufmerksamkeit Zürich-West geschenkt.

Mit der Folge, dass Zürich-West heute eine Tramlinie hat, Affoltern aber nicht. Auch das nötige Schulhaus in Unteraffoltern fehlt, weshalb der Gemeinderat am Mittwoch 2,5 Millionen Franken für weitere Pavillons bewilligen musste – knurrend und parteiübergreifend die Schulraumplanung kritisierend.

Auf die zweite Stufe befördert

Noch 2006, als der Wohnungsboom bereits da war, beurteilten die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) einen Tramanschluss für Affoltern als fünft- oder sechstrangig. Das Tram Affoltern war im Linienkonzept 2025 nicht enthalten, stattdessen die Trams Zürich-West (2010), Hardbrücke (2015), Rosengarten (2020) und Zürich-Süd zwischen Albisriederplatz und Bahnhof Enge (2025).

Doch dieses Konzept ist schon nicht mehr gültig und wird jetzt von der Stadt überarbeitet. Bis 2016 ist es noch aktuell, dann soll das Tram Hardbrücke in Betrieb gehen – die Linie 8, die vom Hardplatz über die Brücke und den Escher-Wyss-Platz weiter bis Werdhölzli fährt. Doch schon die nächste Etappe ist nicht mehr realistisch, da bis 2020 keine Lösung in Sicht ist, wie auf der Rosengartenstrasse zwei Tramtrassees gebaut werden sollen und gleichzeitig der Autoverkehr bewältigt werden kann. Und ohne Rosengartentram, das Schwamendingen und Seebach mit Zürich-West und dem Albisriederplatz verbindet, lohnt sich das Tram Zürich-Süd nicht.

Tram Affoltern mit Priorität B

Das aktualisierte Linienkonzept wird im Herbst vorliegen. Beschlüsse gebe es noch keine, teilen die VBZ mit, derzeit würden Untersuchungen über die Entwicklung der Einwohner- und Arbeitsplätze durchgeführt. Zudem gibt es Absprachen über die Angebotsentwicklung im ZVV oder die technische Machbarkeit von neuen Linien. Doch wurde der Quartierverein Affoltern vor kurzem informiert, dass die VBZ abklären, wie das Quartier mit Schienen erschlossen werden könnte, ob es neben der City-Verbindung Affoltern–Bucheggplatz auch eine Querverbindung Affoltern–Oerlikon braucht und ob die Wehntaler- und die Binzmühle- oder die Regensberg-strasse ein Tram überhaupt aufnehmen könnten. Zu diesem Zweck wird es weitläufige Verkehrsmessungen geben, sobald die Regensbergbrücke saniert ist.

Affoltern beklagt sich seit vielen Jahren über den ungenügenden öffentlichen Verkehr, die prekären Platzverhältnisse und den Stau auf der Strasse. Bisher wurden die Einwohner mit zusätzlichen Angeboten der S-Bahn und der VBZ-Busse getröstet. Jetzt gibt es aber doch handfeste Hinweise darauf, dass es Stadt und Kanton mit dem Tramanschluss ernst meinen. Denn die «Tramergänzung Affoltern» ist im Regionalen Gesamtverkehrskonzept Stadt Zürich aufgeführt, das Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) und Stadträtin Ruth Genner (Grüne) im letzten Herbst genehmigt haben. Es bildet die Grundlage für das zweite Agglomerationsprogramm, das der Kanton in Bern einreichen wird, um für Investitionen 35 Prozent Bundesgelder zu erhalten. Das Tram Affoltern ist im Programm mit Priorität B aufgeführt, was Realisierung zwischen 2019 und 2022 bedeutet. Die Kosten sind mit 250 Millionen Franken angegeben.

«Man muss jetzt den Finger rausnehmen»

SP-Gemeinderat Hans Jörg Käppeli, wohnhaft in Oerlikon, kritisiert seit langem die «total verschlafene» Verkehrsplanung in Zürich-Nord. Er begrüsst, dass das Tram Affoltern in die Prioritätsstufe B befördert worden ist, warnt aber davor, das Projekt zu unterschätzen. Es sei machbar, jedoch wegen der beschränkten Platzverhältnisse überhaupt nicht einfach. Zwingend sei der frühzeitige Einbezug des Quartiers. Und überhaupt: «Wenn man 2022 mit dem Tram bereit sein will, muss man jetzt den Finger rausnehmen.»

Zu diesem Zweck hat Käppeli zusammen mit Thomas Wyss (Grüne) kurz vor Weihnachten eine Motion eingereicht, damit der Stadtrat einen Konzeptentscheid über die Linienführung herbeiführt, den fürs Tram benötigten Raum sichert und die Finanzierung mit dem Kanton vereinbart. Der Stadtrat will die Motion nur in Form eines Postulats entgegennehmen, was Käppeli so kommentiert: «Das ist mir zu unverbindlich.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.03.2012, 08:16 Uhr

Noch keine Beschlüsse: Die zwei möglichen Tramlinien in Affoltern. (Bild: TA-Grafik str)

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