Vater entführte eigene Tochter

Ein Schweizer Rentner ist wegen Kindsentführung vom Bezirksgericht zu 27 Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Der Vater musste sich hier verantworten: Bezirksgericht Zürich.

Der Vater musste sich hier verantworten: Bezirksgericht Zürich.

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Der 66-jährige Mann holte am 16. April 2011 seine damals viereinhalbjährige Tochter bei der getrennt lebenden Mutter in Zürich für ein Besuchswochenende ab. Doch statt das Kind am nächsten Tag zurückzubringen, flog er auf die Philippinen. Dort lebte er mit dem Kind rund ein Jahr lang – bis die nationalen und internationalen Fahndungsmassnahmen Erfolg zeigten und die Schweizer Behörden den Aufenthaltsort des Mannes erfuhren. Am 2. April 2012 wurde das Mädchen in die Schweiz zurückgebracht.

Bei der gestrigen Verhandlung vor dem Bezirksgericht Zürich sagte der Webdesigner, dass ihm die Tochter von den Gerichten und Behörden im laufenden Eheschutzverfahren immer entzogen worden sei. Die Flucht sei eine Verzweiflungstat gewesen. Der Mann ist überzeugt, dass die Mutter das Mädchen mit Beruhigungsmitteln vergiften wollte. Eine Haaranalyse des Mädchens durch die Gerichtsmedizin ergab aber keine entsprechenden Hinweise. Sein Verteidiger sprach von einem Notwehrexzess: Sein Mandant habe die Tochter nicht entführen, sondern retten wollen.

Entführung nach Plan

Die Staatsanwältin sprach von einem planmässigen und gezielten Vorgehen. Der Beschuldigte hatte sein Haus in Zürich verkauft, extra einen Flug in Frankfurt gebucht und mit den Philippinen ein Land ausgesucht, das nicht dem Haager Rückführungsabkommen untersteht. Dort hatte der ehemalige Stadtzürcher SVP-Schulpfleger ein grosses Haus gekauft und lebte mit einer jungen Philippinerin zusammen. Sie hat im August ein gemeinsames Kind zur Welt gebracht.

Die Rechtsvertreterin der Mutter sagte, dass die Frau durch die Entführung stark gelitten habe. Die aus Kenia stammende Frau, die halb so alt ist wie der Beschuldigte, hatte Depressionen und Suizidgedanken. Sie musste sich psychiatrisch behandeln lassen. Die Unwissenheit über den Aufenthaltsort habe sie vollständig aus dem Leben gerissen. Das Gericht verurteilte den Mann wegen Entführung zu 27 Monaten Gefängnis, sechs Monate werden vollzogen. Diese hatte er schon in der Untersuchungshaft abgesessen. Zudem muss er der Frau 12'000 Franken Genugtuung zahlen.

Erstellt: 18.12.2012, 07:51 Uhr

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