Veganer erhält Spottpreis für «dümmstes Gesetz»

Niemand will ihn haben, Adriano Mannino holte ihn dennoch ab: den Rostigen Paragrafen. Er verlangt ernsthaft ein Obligatorium für vegane Menüs in öffentlichen Kantinen. Unterstützt wird er nicht mal vom Vegi-Papst.

Preisträger Adriano Mannino (Mitte) zwischen Vegi-Papst Rolf Hiltl (l.) und Stadtrat Filippo Leutenegger.

Preisträger Adriano Mannino (Mitte) zwischen Vegi-Papst Rolf Hiltl (l.) und Stadtrat Filippo Leutenegger. Bild: Dieter Seeger

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Die Katze kann das Mausen nicht lassen – und Neo-Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) das Moderieren vor laufenden Kameras. Ein Rückschritt wars für den einstigen «Arena»Dompteur zwar schon: Die Preisverleihung «Rostiger Paragraf» der rechtsbürgerlichen IG Freiheit wurde am Montagabend nicht vom Schweizer Fernsehen übertragen, sondern bloss einen Tag zeitversetzt von Star TV. Trotzdem war Leutenegger, als «Mister Superman» begrüsst, im Festsaal des Kaufleuten in seinem Element. Auch wenn Lästermäuler finden, er würde sich besser in sein arbeitsintensives Tiefbau- und Entsorgungsdepartement hineinknien. Leutenegger selber sagte: «Jeder hat seine Hobbys – andere Stadträte spielen Golf.»

Für Leutenegger liefen der Abend und das vorausgegangene Internetvoting gut. Er musste zu seinem Glück keinen Kollegen aus dem Stadtrat zum Preis verdonnern. In den letzten Jahren war das häufig anders. Vor zwei Jahren war die Seepolizei von Kollege Richard Wolff (AL) an der Reihe für ein Gummipufferverbot an Schiffsstegen. Und der ehemalige Sozialvorsteher Martin Waser (SP) schrammte mit seinem Verbot von nicht EU-konformen Plastikautos in Kinderkrippen haarscharf am Rostigen Paragrafen vorbei.

Tätschmeister bei der IG Freiheit ist SVP-Nationalrat Gregor A. Rutz. Es war auch ein wenig sein Abend im Kampf gegen dumme und unnötige Gesetze. Der Wettbewerb liefert seiner Partei denn auch immer Munition im Kampf gegen überbordende Bürokratie. Den verpönten Paragrafen durfte er gestern an Adriano Mannino verleihen, den Co-Präsidenten der Giordano-Bruno-Stiftung und Projektleiter von «Sentience Politics». Das Projekt fordert weniger Fleisch in öffentlichen Kantinen und will die vegane Lebensweise gesetzlich verankern lassen.

In den Kantonen Basel und Bern soll via Volksinitiative verlangt werden, dass die öffentliche Verwaltung den Absatz von vegetarischen und veganen Menüs fördert. Hat eine Kantine mehr als ein Menü im Angebot, muss eines davon vegan sein. Zusätzlich sollen Anreize geschaffen werden, damit sich Köche in veganer Kochkunst weiterbilden und auch Schüler die fleischfreie Zubereitung von Gerichten in der Hauswirtschaftslehre erlernen. So soll der Fleischkonsum bis 2020 deutlich gesenkt werden, und es sollen mehr pflanzliche Nahrungsmittel auf die Schweizer Teller kommen.

IG-Vizepräsident Gerhard Pfister, Zuger CVP-Nationalrat, warnte davor, «jeden Funken Lebensfreude aus den Leuten zu prügeln – was wir konsumieren, geht die Körnliesser nichts an». Vegi-Papst Rolf Hiltl bekannte sich bloss als «Teilzeit-Vegetarier» und ist gegen die Initiative: «Vegetarisches Essen muss ein Genuss sein und kein staatlicher Zwang.» Mumienforscher Frank Rühli von der Uni Zürich sagte: «Menschen sind wie Schweine Allesfresser.»

Der zweite Preis blieb in Zürich. Er ging an Verena Schüepp-Lanz, Zürcher Schulleiterin und Montessori-Pädagogin, für ihr Kostümverbot an der Kinderfasnacht. In einem Orientierungsschreiben hat sie den Eltern mitgeteilt, welche Kostüme im Hinblick auf die Fasnacht für Kindergärtler opportun sind. Erlaubt sind: Zauberer, Prinzessin und Fee. Auch zulässig sind Verkleidungen als Tier, Blume oder Früchtchen. Verboten aber sind sämtliche Spielzeugwaffen: «Es dürfen keine Waffen, Schwerter, Pistolen oder andere Geschosse mitgebracht werden», heisst es im Schreiben. «Macht eine Fasnacht als pazifistischer Cowboy denn noch Spass?», fragt die IG?

Platz drei ging an den grünen Luzerner Stadtrat Adrian Borgula. Er hat für 150 000 Franken zehn elektronische «Velozählstellen» in Betrieb genommen. Zu sagen wäre allerdings, dass auch in Leuteneggers Verkehrsdepartement Velos gezählt werden – aber vielleicht weiss er das als Vespafahrer und Amtsneuling noch gar nicht.

Auf den weiteren Plätzen landete der Waadtländer Staatsrat Philippe Leuba (FDP) für sein Verkaufsverbot für nicht einheimischen Alkohol und der Zuger Regierungsrat Beat Villiger (CVP) für seinen staatlich geregelten Hundespaziergang. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.05.2014, 20:32 Uhr

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