«Velodiebstahl hat untragbares Ausmass angenommen»

SP-Gemeinderätin Rebekka Wyler verlangt von der Stadt Massnahmen gegen den Velodiebstahl. Sie will mehr Abstellplätze – und vergünstigte Veloschlösser.

Geklaute Velos in Limmat und Zürichsee versenkt: «Es braucht mehr Abstellgelegenheiten», sagt SP-Gemeinderätin Rebekka Wyler.

Geklaute Velos in Limmat und Zürichsee versenkt: «Es braucht mehr Abstellgelegenheiten», sagt SP-Gemeinderätin Rebekka Wyler. Bild: Keystone

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Frau Wyler, Sie haben ein Postulat eingereicht, mit dem Sie von der Stadt und der Polizei mehr Engagement gegen Velodiebstähle verlangen. Ist Ihnen kürzlich das Velo gestohlen worden? Haben Sie es abgeschlossen?
Mir ist noch nie ein Velo geklaut worden. Früher fuhr ich alte Göppel, und mein heutiges Velo interessiert offenbar auch keinen (klopft auf Holz)! Aber ich treffe ständig Leute, denen das Velo gestohlen wurde. Gerade heute hat sich im Bus eine Frau darüber beschwert. Das Thema bewegt offenbar viele.

Sie schreiben in Ihrem Postulat, der Velodiebstahl habe ein «untragbares Ausmass» angenommen. Wieso? Es wurden doch immer schon Velos en masse gestohlen. Die Schätzungen liegen bei 2500 jährlich allein in der Stadt Zürich.
Richtig, Velodiebstahl grassiert nicht erst seit gestern. Aber ist das ein Grund, nicht hier und jetzt etwas dagegen zu unternehmen?

Was soll die Stadt denn tun?
In erster Linie müssen mehr Abstellgelegenheiten zur Verfügung gestellt werden, wo man sein Velo anbinden kann. Und die Aufklärungsrate von Velodieb-stählen muss massiv steigen. Wenn einem heute in Zürich das Velo wegkommt, ist die Chance minimal, dass es je wieder auftaucht.

Sie schlagen auch vor, die Stadt solle gute Veloschlösser verbilligen. Warum sollen das die Velofahrer nicht selber zahlen?
Das ist eine von vielen Ideen zur Verhinderung von Veloklau. Selbstverständlich ginge es dabei um eine punktuelle Aktion. Und: Auch für andere sinnvolle Sachen – zum Beispiel Energiesparmassnahmen – gibt es staatliche Förderbeiträge.

Typisch Sozialdemokratie: Der Staat solls richten, Eigeninitiative brauchts dann nicht.
Wie gesagt: Das ist eine von vielen Ideen. Zentral sind die Abstellplätze. Und die können die Leute ja nicht selber bauen!

Warum haben Sie das Postulat allein eingereicht und nicht mit ihren Genossinnen und Genossen verstärkt? Wollten die anderen in Ihrer Fraktion nicht mitmachen?
Im Gegenteil, die Fraktion steht dahinter, und auch aus anderen Parteien habe ich bereits positive Rückmeldungen erhalten.

Sie verlangen von der Polizei, die «heute niedrige Aufklärungsrate von Velodiebstählen massiv zu steigern». Wie soll sie das tun?
Velodiebstahl muss endlich ernst genommen werden. Viele Leute in Zürich haben kein Auto, hängen aber ebenso an ihrem Velo wie andere Leute an ihrem Ferrari. Der Ärger über den Veloklau ist gross, entsprechend muss die Polizei aktiv werden.

Das bedeutet noch mehr Arbeit für die Polizisten. Glauben Sie denen nicht, wenn sie klagen, sie seien längst am Anschlag?
Kein Zweifel, dass die Polizei viel zu tun hat. Aber es geht hier um eine Dienstleistung an der Stadtbevölkerung, die in die übliche Polizeiarbeit integriert werden kann. Es geht ja vor allem darum, die Augen offen zu halten.

Sind Sie für die Aufstockung des Polizeibestandes?
Ja.

Um wie viel?
Um die 15 Stellen, die die SP bereits für das Jahr 2011 bejaht hat und die die Bürgerlichen dann aus dem städtischen Budget gestrichen haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.11.2011, 07:49 Uhr

Studierte Historikerin und Archivarin: Rebekka Wyler vertritt die SP seit 2006 im Gemeinderat. (Bild: PD)

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Ein zweites Leben in Burkina Faso

Das Hilfswerk «Velos für Afrika» hat am Samstag erstmals in Zürich alte Fahrräder eingesammelt. 130 Stück kamen von 11 bis 16 Uhr zusammen und wurden in den Container beim RathausCafé geladen. Darauf gross angeschrieben das Ziel der Schiffsreise, die über Basel, Antwerpen, Lomé (Togo) führt: Ouagadougou, Hauptstadt von Burkina Faso. «Wo ist der Hafenkran?», stand auch auf einem Transparent – eine Anspielung auf das umstrittene Kunstwerk, das genau dort aufgestellt werden soll. Unterstützt wurde die Sammlung von Pro Velo Zürich und dem Fair-TradeUnternehmen Gebana.

Taten statt Occupy Die drei Organisationen hatten die Sammlung mit einem aktuellen Bezug angekündigt: «Während sich die einen auf dem Lindenhof oder dem Stauffacher verlustieren, sich dabei den Hintern abfrieren oder mehr oder weniger diffuse Forderungen zur Welt im Allgemeinen und den Banken im Besonderen verlautbaren, machen andere Nägel mit Köpfen.» 130 abgegebene Velos seien ein gutes Resultat, sagt Matthias Maurer von der Aktion «Velos für Zürich». Fünf oder sechs solcher Sammlungen würden seit 1993 jährlich durchgeführt, 30 bis 500 Velos seien jeweils die Ausbeute. An den Afro-Pfingsten 2010 in Winterthur kamen 368 Velos zusammen. Ein Nachteil in Zürich waren die fehlenden Parkplätze am Limmatquai, doch hat der prominente Standort laut Maurer eine grosse Öffentlichkeit ermöglicht.

Konkurrenz für China

Ein solcher Schiffscontainer fasst etwa 500 Velos, denen zum besseren Stapeln die Pedalen abgeschraubt werden. Bevor er in Basel aufs Schiff verladen wird, kommen aus der Basisbeschäftigung des Sozialamtes an der Aemtlerstrasse weitere Occasionsvelos hinzu. Der Transport in Afrika wird von den lokalen Gebana-Mitarbeitern begleitet; diese organisieren auch die Verteilung in Burkina Faso. Die Velos aus der Schweiz ermöglichen Arbeitsplätze für die Velomontage, Reparatur und den Vertrieb. Sie konkurrenzieren die neuen Velos aus China, die doppelt so teuer sind. Besonders beliebt in Afrika sind gebrauchte Mountainbikes. Damenvelos mit geradem Steg werden auch gekauft, nur Damenvelos mit einem Knick im Steg sind durchwegs unbeliebt. Warum, das haben die Leute von der Gebana immer noch nicht herausgefunden. Ob die Sammlung in Zürich wiederholt wird, ist noch nicht entschieden.

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