Vergewaltiger zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Ein 60-Jähriger wurde der Vergewaltigung, sexuellen Nötigung und Pornografie schuldig gesprochen.

Minderjährige sexuell missbraucht: Das Zürcher Obergericht hat einen 60-Jährigen schuldig gesprochen. (Archivbild) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Der heute 60-jährige Schweizer hat von April 2013 bis September 2015 die damals acht- bis zehnjährige Tochter seiner Lebenspartnerin sexuell missbraucht. Der fast 46 Jahre ältere Mann habe bei den schwerwiegenden Übergriffen «ungeniert über ihren Körper verfügt», sagte Gerichtspräsident Daniel Bussmann am Dienstag.

Neben diversen sexuellen Handlungen war es vor allem zu Oralverkehr gekommen. Teilweise nahm der Mann die Übergriffe auf Video auf. Den Oralverkehr habe die Neunjährige «erschreckend routiniert» ausgeführt, sagte Bussmann.

Bei der Vergewaltigung kam es nicht zum völligen Eindringen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts wird aber bereits das oberflächliche Eindringen in den Scheidenvorhof als Vergewaltigung beurteilt.

Zusätzlich fertigte der Mann von den Übergriffen 51 Fotos an. 45 dieser «Sexfoto-Shootings» mailte er einer Chat-Bekanntschaft in den USA, von der er selber 955 kinderpornografische Bilder erhielt. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung, die nach Hinweisen des FBI erfolgte, besass der Mann fast 5000 Bilder und über zwei Dutzend Videos.

Druck und Zwang bestritten

Bei dieser Beweislage war es für den 60-Jährigen aussichtslos, die sexuellen Handlungen in Abrede zu stellen. Er bestritt aber vehement, sogenannt «tatsituativen Zwang» angewendet zu haben. «Ich habe nie gedroht, physische Gewalt angewendet oder Zwang ausgeübt», sagte er vor Obergericht.

Genau dies war der Streitpunkt. Hatte der Mann in irgendeiner Weise Druck auf das Mädchen ausgeübt? Wenn nicht, wären die diversen sexuellen Nötigungen und die drei Vergewaltigungen wegen fehlender Nötigungshandlungen weggefallen. Der Strafrahmen wäre von zehn Jahren auf fünf Jahre zusammengeschmolzen.

Das «sehr verschlossene» Mädchen hatte zu den Delikten nur «sehr widerwillig ausgesagt». Das Obergericht ging trotz der spärlichen Aussagen davon aus, dass sich das Mädchen gezwungen fühlte, bei den Handlungen mitzumachen.

Schwerwiegender als Vergewaltigungen

Der Mann, der gemäss eigenen Aussagen als Kind während langer Jahre vom Grossvater sexuell missbraucht wurde, habe zwar keine körperliche Gewalt ausgeübt. Mit den Hinweisen ans Mädchen, dass das, was sie täten, verboten sei und dass es zwischen ihnen beiden bleiben soll, habe er dem Mädchen aber ein Schweigegebot auferlegt und psychischen Druck im Sinne des Gesetzes ausgeübt.

Wegen mehrfacher Vergewaltigung, sexueller Nötigung, sexueller Handlungen mit einem Kind, Pornografie und Gewaltdarstellung wurde der Mann zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt.

Gerichtspräsident Bussmann plädierte für eine Erhöhung der gegenwärtig bei fünf Jahren liegenden Höchststrafe für sexuelle Handlungen mit Kindern. Solche Handlungen könnten, wie im vorliegenden Fall, viel schwerer wiegen als eine Vergewaltigung. Um zu einem Strafrahmen von zehn Jahren und damit zu einer angemessenen Strafe zu kommen, seien die Gerichte gezwungen, die Begriffe Zwang und Druck «extensiv auszulegen».

Erstellt: 02.07.2019, 21:51 Uhr

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