Vermummte stören umstrittene politische Veranstaltung

Linke Aktivisten bewarfen im Zürcher Kulturzentrum «Karl der Grosse» den Referenten und die Zuhörer mit Eiern und Flüssigkeiten.

Das Zentrum Karl der Grosse in der Zürcher Innenstadt. Foto: Keystone/Gaëtan Bally

Das Zentrum Karl der Grosse in der Zürcher Innenstadt. Foto: Keystone/Gaëtan Bally

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Rund ein Dutzend Vermummte drangen gestern Abend ins Zentrum «Karl der Grosse» an der Kirchgasse 14 ein und störten einen politischen Vortrag über die Situation in Chile. Das schreibt die Stadtpolizei Zürich in einer Mitteilung. Die Störenden warfen Eier und Flüssigkeiten gegen den umstrittenen Referenten Axel Kaiser und die anwesenden Zuhörenden. Zudem wurden Parolen skandiert und ein Transparent ausgebreitet.

Das Referat wurde von der Unabhängigkeitspartei UP (aus deren Kreis damals die No-Billag-Initiative stammte - lesen Sie hier dazu mehr) gemeinsam mit anderen Veranstaltern organisiert. Die Veranstaltung sei von einer aggressiv auftretenden, vermummten Gruppe von ungefähr 12 Personen gestört worden, schreibt die Partei in einer Stellungnahme. Der Referent und einzelne Zuschauer seien tätlich angegriffen, bedroht und eingeschüchtert worden. Ausserdem seien Sprengkörper eingesetzt worden.

Wenig später verliessen die Vermummten das Zentrum und rannten in verschiedene Richtungen davon, schreibt die Stapo weiter. Angaben zu Verletzten liegen zurzeit nicht vor. In diesem Zusammenhang sind bei der Stadtpolizei Zürich aber diverse Anzeigen wegen Sachbeschädigungen und Tätlichkeiten eingegangen. Laut den Betreibern des Zentrums «Karl der Grosse» ist bei der Aktion nur ein geringer Sachschaden entstanden.

Libertäre Veranstalter

Die Veranstaltung rund um den chilenischen Redner Axel Kaiser wurde unter anderem vom Hayek Club Zürich organisiert, einer libertären Zürcher Vereinigung. Der Vortrag fand privat im Erkerzimmer des städtischen Betriebes statt, er war also nicht auf dem Veranstaltungskalender vom Zentrum Karl der Grosse aufgeführt.

«Wir haben nichts von der Brisanz der Veranstaltung gewusst.»Fabienne Schellenberg, «Karl der Grosse»

Laut der Vereinigung «Uni von unten» haben die Veranstalter des Vortrages den Event aus Angst vor Protesten öffentlich abgesagt und von der Uni privat in einen Raum im Zentrum Karl der Grosse verlegt. Christian Zulliger vom Hayek Club spricht von einigen Drohungen, die zum Umzug geführt hätten. Die Leiterin des Zentrums «Karl der Grosse», Fabienne Schellenberg, sagt: «Wir haben nichts von der Brisanz der Veranstaltung gewusst.» Wäre sie informiert gewesen, hätte sie die Veranstaltung nicht durchgeführt.

Trotzdem verurteilt sie die Aktion der Störefriede. «Wir lehnen jegliche Form von Gewalt gegenüber Menschen und Sachgegenständen ab. Das Zentrum Karl der Grosse ist ein Ort, der kontroverse Diskussionen ermöglicht und begrüsst – Gewaltaktionen gehören aber nicht dazu», sagt sie. Dem Redner Axel Kaiser werfen Kritiker Geschichtsrevisionismus und die Verharmlosung des Militärregimes Pinochet vor. (dsa)

Erstellt: 07.11.2019, 11:32 Uhr

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