Verurteilter Fussballchaot ist auf freiem Fuss

Ein 28-jähriger Mann, der bei den Scharmützeln nach dem Derby vom Sonntag verhaftet wurde, kassierte eine unbedingte Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der vom «Blick» enttarnte Petardenwerfer (2.v.r.) am vergangenen Sonntag im Letzigrund. Foto: Kurt Schorrer (Foto-Net)

Der vom «Blick» enttarnte Petardenwerfer (2.v.r.) am vergangenen Sonntag im Letzigrund. Foto: Kurt Schorrer (Foto-Net)

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Die Frage, wer in Sachen Fussball die Nummer 1 der Stadt ist, konnte am Sonntag nicht restlos geklärt werden – das Derby zwischen GC und dem FCZ musste in der 77. Minute beim Stand von 2:1 für die Hoppers wegen Randalen abgebrochen werden. Um doch noch eine Antwort zu bekommen, setzte man die Ausmarchung nach dem Match mit Fäusten fort. Im Verlauf dieser Scharmützel verhaftete die Polizei vier Hitzköpfe, liess drei bald darauf wieder frei und überstellte einen an die Staatsanwaltschaft.

Diese verurteilte den 28-Jährigen gestern zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe – unbedingt. Dabei handelt es sich offenbar nicht um ein Schnellverfahren aus aktuellem Anlass. Laut Staatsanwaltschaft ist der Täter wegen Hinderung einer Amtshandlung und anderen Delikten mehrfach vorbestraft. Mittlerweile ist der Mann wieder auf freiem Fuss. Gegen den noch nicht rechtskräftigen Strafbefehl kann er in den nächsten Tagen Einsprache erheben.

Ermittlungen dauern Wochen

Derweil hat die Stadtpolizei damit begonnen, das vorhandene Bildmaterial auszuwerten. Es geht darum, Straftaten zuzuordnen und die Urheber zu identifizieren. «Das kann Tage oder Wochen dauern», sagt Sprecherin Judith Hödl. Ob man den Namen der Person bereits kenne, deren Gesicht der «Blick» gestern präsentierte, wollte Hödl nicht sagen: «Zu laufenden Ermittlungen nehmen wir keine Stellung.»

Eine Quelle, die der Polizei nahesteht, will allerdings erfahren haben, dass den Beamten die Identität der betroffenen Person «Sekunden nach Veröffentlichung des Bildes» bekannt war. Den Zeitungspranger mochte Hödl nicht kommentieren: «Das ist Sache des ‹Blicks›.»

«Auch der Boulevard darf das nicht»

Klar Stellung gegen diese Praxis nimmt dafür Medienrechtler Peter Studer: «Auch der Boulevard darf das nicht. Schliesslich leben wir in einem Rechtsstaat.» Nach jahrelanger Ungewissheit regelt seit 2011 Artikel 74 der Strafprozessordnung, wann die Polizei – auf Anordnung der Staatsanwaltschaft – Bilder als Fahndungsmassnahme ins Internet stellen darf. Die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten hat empfohlen, das Mittel nur dann einzusetzen, wenn dringender Tatverdacht besteht, die Fahndung bislang erfolglos war und die Person bei der Tat abgebildet ist.

Wie Studer denkt auch Dominik von Burg, der Präsident des Presserats: «Die Medien sind prinzipiell keine Helfer der Polizei.» Zeitungen sollten deshalb keine Bilder veröffentlichen, auf denen Gesichter von Hooligans klar erkennbar seien. Dies sei nur dann zu rechtfertigen, wenn eine akute Gefahr bestünde, etwa im Fall eines Terroranschlags.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.10.2011, 07:16 Uhr

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