Verwalterin verprasste 1,2 Millionen

Eine Officemanagerin hat einem Kunden innerhalb von dreieinhalb Jahren über eine Million Franken abgeknöpft. Der Fall ist aufgeflogen, das Geld ist weg.

Durchschnittlich 30'000 Franken gab die Frau monatlich für ihren luxuriösen Lebensstil aus.

Durchschnittlich 30'000 Franken gab die Frau monatlich für ihren luxuriösen Lebensstil aus. Bild: Keystone

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Zürich – Die 42-jährige Vermögensverwalterin muss zwischen Februar 2010 und August 2013 in Saus und Braus gelebt haben. Nur so ist zu erklären, wie die Deutsche – neben ihrem regulären Lohn – in diesem Zeitraum 1,233 Mil­lionen Franken ausgeben konnte – pro Monat im Durchschnitt 30'000 Franken. Denn das Geld soll die Frau für teure Kleider und Schmuck, für ein neues Auto und für wertvolle Möbel ausgegeben und sich einen luxuriösen Lebensstil finanziert haben, wie in der Anklageschrift steht.

Ob die Frau das Geld in dieser relativ kurzen Zeit wirklich alles verprasst hat, ist ungewiss. Der Staatsanwalt macht ein Fragezeichen dahinter. Tatsache aber ist: Es wurde kein Geld mehr gefunden. Inzwischen lebt die Frau weniger luxuriös: in einem Einzimmer-Appartement in der Stadt Zürich.

Kunde hatte keinen Zugriff

Die Frau war schon einige Jahre in der Vermögensverwaltungsfirma tätig und hatte einen guten Job gemacht. Sie verwaltete dort als Officemanagerin die Bankkonti eines wohlhabenden Kunden und wickelte den Zahlungsverkehr ab. Dazu hatte die Deutsche die Verfügungsmacht über dessen Bankkonti und war auch im Besitz des Logins für das Internetbanking. Pikantes Detail: Der Kunde selbst hatte kein Internet-Login und hatte damit praktisch keinen Zugriff auf sein Geld.

Zwischen Februar 2010 und August 2013 überwies die Beschuldigte von den Konti ihres vermögenden Kunden praktisch jeden Monat mehrmals Geldsummen auf vier verschiedene Kreditkarten-Konti, die ihr gehörten. Die Beträge variierten zwischen 2000 und 25'000 Franken. Total: 1' 233'848.30 Franken.

Die Firma muss zahlen

Die Staatsanwaltschaft konnte bei der Frau rund hunderttausend Franken beschlagnahmen; Bargeld und Gelder aus einer Lebensversicherung. Dieses Geld wird dem Geschädigten ausgehändigt. Für den Rest der veruntreuten Summe, also rund 1,1 Millionen Franken, haftet die Vermögensverwaltungsfirma. Sie wird ihrem Kunden diesen Betrag bezahlen müssen. Die Firma wollte sich auf Anfrage nicht äussern.

Die bis anhin unbescholtene Frau ist geständig. Sie hat sich mit dem Staatsanwalt auf einen Urteilsvorschlag geeinigt: schuldig wegen mehrfacher Veruntreuung. Sie soll mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren bestraft werden. Davon werden zwei Jahre aufgeschoben. Ein Jahr muss sie absitzen, vermutlich in Halbgefangenschaft, wenn sie wieder eine Arbeitsstelle hat. Der Prozess findet am Dienstag im abgekürzten Verfahren vor dem Bezirksgericht Zürich statt. Dann wird sich zeigen, ob das Gericht den Urteilsvorschlag akzeptiert.

Erstellt: 15.09.2014, 07:26 Uhr

Frage an die Leser

Was würden Sie sich kaufen?

Regelmässig pro Monat 30'000 Franken auszugeben, braucht Überlegung, Disziplin und Fantasie. Wie würden Sie sich entscheiden?

Zürich – Laut Anklageschrift zweigte eine Vermögensverwalterin einem Kunden in drei Jahren 1,2 Millionen Franken ab (siehe oben). Bei ihrer Verhaftung war nichts übrig. Sie hatte alles ausge­geben, für Kleider, Schmuck, Möbel, ein Auto, Kleinigkeiten. Die exakte Summe, die die Beschuldigte neben ihrem regulären Einkommen pro Monat ausgab, betrug 29'357 Franken. So viel Geld auszugeben, braucht Fleiss. Besonders, da die Beschuldigte als angestellte Finanzspezialistin tagsüber dazu keine Zeit hatte.

Wie also gibt man 30'000 Franken im Monat aus? Natürlich wäre die effizienteste Lösung, am Monatsersten immer dasselbe zu kaufen. Etwa eine der Handtaschen, die einem Krokodil einst als Unterhose gedient haben. Zum Beispiel die Handtasche, die Oprah Winfrey einmal bei Trudi Götz zu kaufen versuchte. Diese Tasche kostete 35'000 Franken und würde alle Probleme auf einen Schlag lösen.

Drei Brustverschönerungen

Je nach Wunsch gäbe es weitere Lösungen: Für 30'000 Franken bekommt man laut Internet auch 600 Kilogramm Gummibärchen, 300 Gramm Kokain guter Qualität, 1500 Meerschweinchen, 33 Kalaschnikows, drei Brustverschönerungen (in Zürich), vier gelaserte Augen (in Istanbul), je nach Ort einen bis drei gesunde Elefantenbullen (Transport und die 200 Kilogramm Futter pro Tag nicht gerechnet), vier Badewannen (140 Liter) mit angenehm perlendem Pommery-brut-Rosé-Champagner, 2800 Stück 40-mm-Rauchgranaten oder einen 4-Kilo-Familienkübel mit Beluga-Kaviar.

Denkbar sind auch Pakete. Etwa wie folgendes für Männer in den mittleren Jahren: ein Roadster-Motorrad BMW S 1000 R: – 14'000 Franken. Eine Ellbogenfraktur mit Schleimbeutelent­fernung – ca. 15'000 Franken.

Reizvoller als nur Gegenstände wären soziale Verbesserungen. So könnte man sein Leben mit vier Stunden Gesprächstherapie täglich verbessern. Und könnte noch eine Stunde täglich drauflegen, die der Therapeut danach bei seinem Therapeuten verbringt.

Andere Preise sind schwieriger kalkulierbar. «Wer gibt dem Lord, einem meist nachlässig gekleideten Menschen in einem Sessel, die Würde? Der Butler!», meint der Ökonom Leopold Kohr. Leider sind die Preise für Butler und Würde im Netz nur auf Anfrage zu haben. Und ein Angebot für Leute, die einem dreimal täglich den Rücken kraulen, gibt es leider nicht.

Die wahrscheinlich reizvollste Ausgabemöglichkeit wäre: Jemand übernimmt für 10'000 Franken im Monat Ihren Job. Jemand anderer übernimmt für 12 000 Franken Ihr Privatleben. Und jemand Dritter übernimmt für 8000 Franken Ihre Faulheit und Ihre Hobbys. Das würde Sie auf eine ganz neue Stufe bringen, dorthin, wo noch kein Mensch je war. Constantin Seibt

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