Video zeigt, wie Ratten im Coop Stadelhofen ihr Unwesen treiben

Im Supermarkt im Bahnhof Stadelhofen sind nachts Nagetiere unterwegs. Das Lebensmittelinspektorat wurde eingeschaltet.

«Mammi, Mammi, Mammi!»: Die Reaktion auf die ungebetenen Gäste im Coop in der Ladenpassage unter dem Bahnhof Stadelhofen. Video: Tamedia/Leservideo

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Es ist ein unappetitliches Video, das ein TA-Leser kürzlich spätabends in der Ladenpassage des Bahnhofs Stadelhofen aufgenommen hat. Es zeigt, wie mehrere Ratten über den Boden des Coop-Supermarkts huschen. Aufgenommen hat es der Leser durch die Glasscheibe des Ladens hindurch. Auf ihren nächtlichen Beutezügen machen die gefrässigen Nagetiere offenbar vor nichts halt: Davon zeugen heruntergerissene Eierkartons und sogar eine aufgebissene und leer gefressene Mayonnaise-Tube.

Coop-Sprecher Markus Eugster: «Vor einigen Wochen hat uns ein Mitarbeiter der Verkaufsstelle die Sichtung einer Maus gemeldet.» Coop habe darauf sofort reagiert und eine spezialisierte Firma zur Schädlingsbekämpfung aufgeboten. Die Kammerjäger durchkämmten darauf den ganzen Laden und dichteten mögliche Eintrittsorte für die Nagetiere ab. Zudem stellten sie Fallen auf und legten Giftköder aus.

Die Massnahmen scheinen zu wirken: «Nach mehreren Eingriffen haben wir keine neuen Tiere mehr gesichtet», sagt Eugster. Allerdings: TA-Leser wollen letzte Woche nachts erneut Ratten in der Coop-Filiale am Stadelhofen gesichtet haben. Eugster: «Sollten wiederum Mäuse oder Ratten entdeckt werden, ergreifen wir umgehend weitere Massnahmen. Wir nehmen dieses Thema sehr ernst.»

«Gesundheitliche Gefährdung ausgeschlossen»

So führt die Coop-interne Qualitätssicherung laufend Kontrollen durch, wie Eugster weiter sagt. «Diese wurden in der aktuellen Situation erheblich verstärkt, die Hygiene war und ist zu jedem Zeitpunkt einwandfrei gewährleistet.» Eine gesundheitliche Gefährdung der Kunden könne ausgeschlossen werden, so der Coop-Sprecher. Eine Ladenschliessung sei nie zur Diskussion gestanden. Zur Höhe des durch die Nagetiere verursachten Schadens macht der Grossverteiler keine Angaben.

Über die Gründe für den Befall wird beim Grossverteiler gerätselt. Laut Eugster sind Nagetiere in Zürich nicht unüblich, der Befall sei deshalb «kein Coop-spezifisches Thema». Eugster: «Entscheidend ist, dass man sofort reagiert und Massnahmen ergreift, und das haben wir getan.»

Lebensmittelinspektorat kontrolliert

Die ungebetenen Gäste im Coop Stadelhofen beschäftigen mittlerweile auch das kantonale Lebensmittelinspektorat und die Schädlingsprävention der Stadt Zürich. «Coop hat uns zu diesem Fall beigezogen», bestätigt die stellvertretende Kantonschemikerin Nadine Gerber. Das Lebensmittelinspektorat habe darauf Kontrollen durchgeführt. Zu weiteren Massnahmen oder Auflagen macht Gerber keine Angaben, konkrete Fälle der amtlichen Lebensmittelkontrolle unterstünden der Schweigepflicht. Eine Statistik darüber, wie oft Lebensmittelgeschäfte im Kanton Zürich mit Mäuse- oder Rattenbefall zu kämpfen haben, wird laut Gerber nicht geführt.

Für Gabi Müller, Leiterin der Schädlingspräventionsstelle im städtischen Gesundheits- und Umweltdepartement, ist der Rattenbefall im Coop Stadelhofen ein «eher aussergewöhnlicher Fall». Ihre Stelle berate Coop aktuell und schaue, dass alles gut läuft. Die Bekämpfung der Ratten sei schwierig. «Wie lange es dauert, weiss man oft nicht, weil man nicht weiss, wie stark der Befall ist.»

Die Nagetiere können laut Müller beinahe überall eindringen. Ratten benötigen einen Durchschlupf von lediglich 12 Millimeter Grösse, Mäuse einen solchen von nur 6 Millimetern. Wichtig sei, dass sofort etwas unternommen wird, weil Ratten und Mäuse auch Krankheiten übertragen können. Professionelle Schädlingsbekämpfungsfirmen rücken den Tieren mit Fallen und Köderboxen mit Gift zu Leibe. Als eher wenig nützlich haben sich laut Müller Ultraschallgeräte erwiesen: «Es gibt Videos, die zeigen, wie Mäuse auf solchen Geräten herumtanzen.»

Üppiges Nahrungsangebot am Bahnhof

Wie häufig Zürcher Läden unter einer Rattenplage leiden, weiss die Schädlingspräventionsstelle nicht. «Wir erfahren längst nicht alles, viele Läden haben direkt ein Abonnement mit einer Schädlingsbekämpfungsfirma abgeschlossen.»

Dass die Nagetiere ausgerechnet den Stadelhofen-Coop heimgesucht haben, könne mit dem üppigen Nahrungsangebot in der Nähe zu tun haben, sagt Müller. Der Bahnhof ist stark frequentiert, es gibt Nahrungsreste in Hülle und Fülle, was Mäuse und Ratten anlockt. Ein weiterer Grund könnte auch das Füttern von Vögeln auf dem Stadelhoferplatz sein. «Je grösser das Nahrungsangebot, desto stärker vermehren sie sich.»

Kleiner Trost für den Supermarkt am Stadelhofen: Er befindet sich in prominenter Gesellschaft. Im letzten Sommer wurde bekannt, dass auch Queen Elizabeth mit einer Rattenplage im Buckingham Palace zu kämpfen hatte. Auch dort musste der Kammerjäger anrücken.

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Erstellt: 11.02.2020, 07:06 Uhr

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