Viel von allem beim ältesten Mexikaner der Stadt

Das Don Weber behauptet sich seit 30 Jahren im Kreis 5. Das verdankt das Lokal nicht zuletzt seinem sympathischen Service.

Darko Radovanovic ist so etwas wie der Don im ältesten Mexikaner der Stadt. Das feiert er am Freitag mit einer grossen Party.

Darko Radovanovic ist so etwas wie der Don im ältesten Mexikaner der Stadt. Das feiert er am Freitag mit einer grossen Party. Bild: Andrea Zahler

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Für mexikanisches Auswärtsessen sind Kinder einfach zu begeistern, gehören Burritos doch zu ihren Leibspeisen. Neugierig werden sie, wenn man vom Lokal Anekdoten aus den Jugendjahren auf Lager hat. Wie man sich früher für das etwas andere kulinarische Angebot in den Kreis 5 wagte, raus aus der innerstädtischen Komfortzone von Bier, Pommes und Wurst. Damals, als das Mulitplexkino Cinemax, der Vorläufer des Abatons, noch nicht gebaut war.

Das Don Weber zog uns damals ins Quartier. Es kann sich seit 30 Jahren an der Hardbrücke behaupten. Das ist bemerkenswert, mussten doch Lokale wie das Tres Kilos oder jüngst die Desperado-Kette, beide mit ähnlichem Angebot, den Betrieb aufgeben. Don Weber wirbt deshalb mit dem Slogan, dass er der älteste Mexikaner sei, und feiert sein Jubiläum heute mit einem grossen Fest.

Der Burrito del Patron füllt mehr, als man erwarten würde. Bild: Andrea Zahler

Das Lokal ist an diesem frühen Samstagabend bereits gut besetzt. Wir sind froh, ohne Reservation für eine Stunde einen Tisch zu bekommen. Auf der Holzbank sitzend, fällt uns auf, wie sich die Zahl der Gäste – bunt gemischt – in der Lautstärke niederschlägt. Die Tochter hält sich zuweilen gar die Ohren zu. Statt zu reden, lassen wir die Blicke über die rot getünchten Wände und die Bilder mit mexikanischen Sujets schweifen, an die gelbe Decke mit Discokugeln und Ventilatoren.

Der Kellner scheint sich den Lärm gewohnt zu sein. Er spricht entsprechend laut in breitem Züri-Dialekt, beugt sich vor, um zu verstehen und bringt prompt San Miguel (7 Fr.) sowie Corona (7.50 Fr.) und Süssgetränke (4 Fr./2,5 dl). Je nach Gästegruppe sei es schon etwas lauter, sagt er. Der Ort aber sei besser als der erste, näher an der Hardbrücke, wo der Kellner bereits zur Crew gehörte. Zudem hätten sie einen Garten – auf dem Betonvorplatz.

So viel aufrichtige Gastfreundschaft haben wir in der Zürcher Gastronomie selten erlebt.

Kinder gehören nicht zum Zielpublikum vom Don Weber. Auf der Karte fehlen Menüs für sie. Man reiche gerne halbe Portionen, sagt der Kellner. Und als wir werweissen, ob wir uns noch Nachos zur Vorspeise genehmigen sollen, sagte er: «Die Portionen sind riesig. Eine Vorspeise wäre zu viel.» So viel aufrichtige Gastfreundschaft haben wir in Zürichs Gastronomie selten erlebt.

Tatsächlich. Vom Burrito del Patron (32.50 Fr.) mit pikantem Rindfleisch und vom James Burger (28.50 Fr.), der auf Wunsch des Sohnes ohne Grünzeug serviert wird, werden die Herren mehr als satt. Sie loben die Würze der Saucen. Auch die Alas de Pollo mit Pommes (27.50 Fr.) sind schnell weg. Die Enchiladas (27.50 Fr.) sind etwas pampig, aber angenehm scharf. Einzig die Tochter mag ihren halben Pollo Burrito (22 Fr.) nicht ganz und darf den Rest säuberlich eingepackt zu Hause fertig essen.

Der «Kleine Mexikaner», der 1942 ein Plakat der Zigarrenfabrik Weber Söhne AG zierte, dient dem Don Weber heute als Werbesujet. Bild: Andrea Zahler

Bleibt die Frage nach Don Weber. «Den hat es nie gegeben», sagt der Mann mit der Kochschürze, der Stammgäste begrüsst und einen Schnitt an der Kinderhand versorgt. «Aber ich bin hier der Don», sagt Darko Radovanovic. Seit 25 Jahren führt er das Lokal.

Den Namen verdankt das Lokal einer Werbung der Aargauer Zigarrenfabrik Weber Söhne AG. Das Plakat von 1942 zeigt einen dunkelhäutigen Mann mit Hut, Ohrring und Zigarre. Heute dient der «Kleine Mexikaner» dem Don Weber als Werbesujet.

Don Weber

— Preis-Leistungs-Verhältnis
Die Portionen sind so gross, dass das Personal gar von einer Vorspeise abrät.

— Ambiance
Hier muss man lärm- und gaudiresistent sein. Dafür fällt auch Kindergeschrei nicht auf.

— Service
Das Gewusel kann noch so gross sein, sowohl das nachbestellte Wasser wie auch die eingepackten Resten werden prompt und mit einem Lachen an den Tisch gebracht. Und selbst fürs Verarzten eines Schnitts an der Kinderhand nimmt man sich Zeit.

— So kommt man mit dem ÖV hin
Tram Nr. 4, 6 oder 13 bis Dammweg. Dann zu Fuss (5 Minuten) über die Roggenstrasse zum Lokal.

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In dieser wöchentlichen Rubrik lesen Sie unsere Urteile über die Gerichte in Zürcher Restaurants.

Erstellt: 28.11.2019, 14:26 Uhr

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