«Vier Wochen Vaterschaftsurlaub müssen sein»

Der grüne Zürcher Nationalrat und Neo-Papa Bastien Girod fordert die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs. Eine entsprechende Initiative ist bereits in Planung.

«Der Familieneinstieg der Männer ist genauso wichtig wie der Wiedereinstieg der Mütter ins Berufsleben»: Bastien Girod, Nationalrat Grüne.

«Der Familieneinstieg der Männer ist genauso wichtig wie der Wiedereinstieg der Mütter ins Berufsleben»: Bastien Girod, Nationalrat Grüne.

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Herr Girod, Sie sind vor zwei Wochen Vater einer Tochter geworden und haben von Ihrem Arbeitgeber 10 Tage Vaterschaftsurlaub erhalten, obwohl dies in der Schweiz gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Das hat Ihnen offenbar nicht ausgereicht?
Nein, ich habe zusätzlich noch unbezahlten Urlaub genommen, damit ich insgesamt vier Wochen Vaterschaftsurlaub habe. Aber vielen Vätern steht gar kein Urlaub zu, denn die geltenden Gesetze verlangen, dass sie bei der Geburt eines Kindes gerade mal einen Tag freibekommen. Die Arbeitgeber sind noch nicht einmal dazu verpflichtet, den Männern Ferien zu geben, wenn das Kind zur Welt kommt. Dabei wollen Männer heute ihre Rolle als Vater besser wahrnehmen und für ihre Kinder da sein. Bei Genderdiskussionen ging es bisher immer um den Wiedereinstieg der Mütter ins Berufsleben. Der Familieneinstieg der Männer ist aber genauso wichtig. Ich habe bereits mit vielen Vätern über Vaterschaftsurlaube gesprochen und gemerkt, dass der Ärger über die momentane Situation in der Schweiz gross ist.

Wie lange sollte ein Vaterschaftsurlaub dauern?
Vier Wochen müssten es schon sein. Vor allem am Anfang ist es wichtig, dass der Vater da ist und bei der Kinderbetreuung mithilft. Je nach Entwicklung des Kindes kann es Sinn machen, später die Freitage flexibler über eine längere Zeit zu beziehen und beispielsweise ab Woche vier zwei Tage pro Woche zu Hause zu helfen.

Die vier bürgerlichen Nationalräte Martin Candinas (CVP), Hughues Hiltpold (FPD), Thomas Maier (GLP) und Bernhard Guhl (BDP) fordern im Parlament ebenfalls einen Vaterschaftsurlaub. Allerdings nur während zwei Wochen. Sie erachten vier Wochen als nicht realisierbar. Was sagen Sie dazu?
Zwei Wochen wären sicher ein Anfang. Aber vier Wochen braucht es schon, das sehe ich aktuell bei mir. Wichtig ist, dass ein bezahlter Urlaub gefordert wird. Einen unbezahlten Urlaub zu beziehen, um zu Hause bei der Familie sein zu können, ist nicht sozialverträglich. Das können sich einfach nicht alle leisten.

Die Finanzierung ist bei dieser Thematik auch für die Arbeitgeber ein Thema. Der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse hat vor rund einem Jahr die Idee eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs lanciert. Die Kosten dafür liegen gemäss Berechnungen des Verbandes bei 384 Millionen Franken.
Man muss nicht nur von den Kosten ausgehen, die ein Vaterschaftsurlaub verursacht, sondern auch vom Nutzen. Dieser ist schwieriger messbar, aber Mutter und Kind profitieren enorm und langfristig. Auch wirtschaftlich ist es tragbar, schliesslich gibt es andere Länder mit wettbewerbsfähigen Volkswirtschaften, die den Vaterschaftsurlaub längst eingeführt haben – beispielsweise Frankreich, Dänemark und Schweden. Es fragt sich auch, wie viel Leistung ein frischgebackener Vater erbringen kann, der mit seinen Gedanken zu Hause ist und vermutlich nicht besonders viel schläft.

Was wollen Sie nun tun, um diese Situation zu ändern?
Der Vaterschaftsurlaub ist das ideale Thema für eine Volksinitiative – als ein parteiübergreifendes Anliegen von Vätern. Am besten würden nicht politische Parteien eine solche Initiative lancieren, sondern eine Vereinigung von Vätern. Damit hätte das Anliegen wohl noch mehr Chancen.

Werden Sie selbst für den Vaterschaftsurlaub auf die Strasse gehen?
Ich habe zwar aktuell wenig freie Kapazität, um eine Initiative auf die Beine zu stellen – das ist ja die Krux: Als Vater hat man plötzlich viel mehr Aufgaben zu bewältigen als vorher. Das geht wohl nicht nur mir so, und daran scheiterte das Anliegen bisher. Deshalb bräuchte es einen neuen Ansatz. Eine Art «Crowd-Signing» ähnlich dem Crowdfunding, wo sich Väter dank Internet und sozialen Medien einfach beteiligen können. Gespräche für eine solche Initiative laufen, aber ich kann aktuell noch nicht mehr dazu verraten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.01.2015, 13:22 Uhr

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