Vom Fixerstübli zum Drogenfumoir

Vor 25 Jahren hat Zürich Ja zu den Fixerräumen gesagt. Inzwischen werden die Drogen mehr geraucht als gespritzt. Und das Durchschnittsalter der Konsumenten steigt.

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Am 2. Dezember 1990 befürwortete die Zürcher Stimmbevölkerung den Gemeindebeschluss mit dem Titel «Sozialhilfe an Suchtmittelabhängige, psychisch Behinderte und sozial Auffällige in Not». Es war eine Wende in der städtischen Drogenpolitik. Sie gründet auf den drei Säulen «Repression», «Prävention» und «Therapie», später kam noch eine vierte dazu: «Schadensminderung». Kern der Vorlage war die definitive Weiterführung der Kontakt- und Anlaufstellen (K&A). In diesen «Fixerstüblis» konnten die Süchtigen ihren selbst mitgebrachten Stoff konsumieren.

Base und Crack rauchen

Eines der vier städtischen «Fixerstübli» befindet sich in der Kaserne. Wobei der Name Fixerstübli inzwischen veraltet ist, man müsste heute korrekterweise von einem Fumoir sprechen. Etwa drei Viertel der Drogenkonsumenten in den K&A rauchen die Drogen Heroin oder Kokain (Base, Crack) oder ein Gemisch davon. Der Stoff wird auf einer Folie, in Pfeifen oder in Glasröhren geraucht. Die Kristalle werden solange erhitzt, bis sie verdunsten, und der Rauch wird inhaliert.

Die Drogenkonsumenten, die den Stoff fixen, erhalten eine Schale mit Spritze, Tupfer, sterilem Wasser und Löffel zum Auflösen des Heroins, sowie einem Pflaster. Die beiden Drogenkonsumräume sind getrennt. Im Raucherraum ist eine starke Lüftung installiert, damit die giftigen Dämpfe nicht in den Rest der K&A gelangt.

Durchschnittsalter wird immer höher

Die Kontakt- und Anlaufstellen werden von 800 Süchtigen aus der Stadt Zürich genutzt, die dort ihren mitgebrachten Stoff konsumieren. Das Durchschnittsalter liegt bei 43 Jahren, Tendenz nach oben, wie Regine Hoffmann, Abteilungsleiterin Kontakt- und Anlaufstellen, am Medienrundgang, sagte.

Auf die Frage, warum immer mehr geraucht als gespritzt wird, sagte Hoffmann, dass Spritzen den Nimbus von Coolsein verloren habe und nicht mehr im Trend der Gesellschaft liege. Zudem war mit Kokain eine Droge aufgetaucht, die vor allem geraucht oder geschnupft wird.

Laut Raphael Golta (SP), Vorsteher des Sozialdepartements, und Claudia Nielsen (SP), Vorsteherin des Gesundheits- und Umweltdepartements, hat der Zürcher Volksentscheid die Weichen für die heutige Drogenpolitik in der ganzen Schweiz gestellt. «Das Volk hat mit seinem Ja einem neuen, vernünftigen Umgang mit Suchtfragen sein Siegel aufgedrückt.»

Erstellt: 02.11.2015, 15:37 Uhr

Stadt lädt zur Diskussion und zum Augenschein

Anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums hat die Stadt ein Sonderheft zum Thema herausgegeben. Es ist als PDF online einsehbar (www.stadt-zuerich.ch/drogenhilfe). Zudem finden im Zentrum Karl der Grosse drei Veranstaltungen dazu statt. Am kommenden Mittwoch, 4. November, ein Podium mit Zeitzeugen, die damals für die Wende in der Drogenpolitik mitverantwortlich waren. Am Donnerstag, 5. November, treffen sich dreimal zwei Persönlichkeiten zu öffentlichen Zwiegesprächen. Und am Freitag, 6. November, findet die Kultveranstaltung «Tätschquiz» zum Thema Drogen statt.
Am Samstag, 7. November, öffnen sich vier städtische Einrichtungen dem interessierten Publikum: die K&A Kaserne, das Ambulatorium Kanonengasse, der Treffpunkt T-alk sowie die Notschlafstelle.

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