Wann ist ein Mann ein Landmann?

Die Biografie über Valentin Landmann ist zu einem Altherrenbuch geworden. Es sagt fast mehr über Autor Manfred Schlapp aus als über den Zürcher Staranwalt.

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Valentin Landmann hat eine Begabung, um die ihn sein Biograf beneidet. «Freund Valentin versteht sich auf die Kunst, Frauen so zu streicheln, dass sie nicht - wie man meinen könnte - zu stöhnen beginnen, sondern dass sie aufhören zu schnattern», schreibt Manfred Schlapp. Eine wahrhaft magische Kunst sei es, das betont Schlapp mit einem Ausrufezeichen. Es handelt sich um jene Art von sexistischen Schenkelklopfern, die unter älteren Herren bis heute für Schmunzeln sorgen. Glücklicherweise sterben sie aus. Die Schenkelklopfer.

Der 73-jährige Publizist und Philosoph Manfred Schlapp versuchte seinem Freund in «Valentin Landmann und die Panzerknacker» ein Denkmal zu bauen. Leider wirkt die Biografie selbst frisch gedruckt wie von vorgestern. In ihrer Sprache liegt ein Duktus aus längst vergangener Zeit, der 66-jährige Valentin Landmann wirkt auf den 280 Seiten weder nah- noch erlebbar, emotional ist das Buch ausgetrocknet.

Die Beiträge - oder «Wortspenden», die sich der «Biograph» von einigen Weggefährten Landmanns für dessen Biografie erbeten hat - stammen ebenfalls fast ausschliesslich von älteren Herren: Christoph Blocher, Alex Baur («Weltwoche»), Konrad Hummler (ehemaliger Privatbankier), die Landmann auf die Schulter klopfen.

Voller Ausrufezeichen

Ein Altherrenbuch ist es geworden, abgefasst in Altherrensprache, fernab vom Puls der Zeit. Ironischerweise widmet Schlapp es seiner Tochter.

In der Schweiz ist Manfred Schlapp bisher nur einmal aufgefallen: Als sich der Kabarettist Andreas Thiel in seinem legendären Auftritt bei Roger Schawinski auf dessen islamkritische Thesen bezog. Diesen Eklat thematisiert Schlapp in der Biografie. Anschliessend beschreibt er stolz, wie er auch Landmanns «Blick auf dieses Feld» habe lenken können, als Mensch mit Zivilcourage biete «Valentin» nun dem Islamismus die Stirn. Es folgt eine mahnende Abhandlung über die grosse Gefahr der islamistischen Bedrohung in der Schweiz. Sie endet mit «Quo vadis, Helvetia?!».

In vielen Sätzen liegt jene Ängstlichkeit, die ältere Herren mit patriarchaler Prägung überfällt, wenn sie spüren, dass ihre körperliche Kraft nachlässt.

Ausrufezeichen dieser Art streut Schlapp über das ganze Buch. Ganz so, als wüsste er selber, dass seine Worte ohne sie zu wenig Kraft haben. In vielen seiner Sätze liegt jene Ängstlichkeit, die ältere Herren mit patriarchaler Prägung überfällt, wenn sie spüren, dass ihre körperliche Kraft nachlässt.

In beinahe lexikalischer Detailfreude beschreibt Schlapp Landmanns Kindheit, berufliche und politische Entwicklung und die beeindruckende Geschichte seiner jüdischen Vorfahren. Viel Neues erfährt man dabei nicht. Und obwohl Schlapp sogar aus einem psychologischen Gutachten über Landmann zitieren kann, bleibt die Biografie psychologisch uninterpretiert. Diagnose Landmanns für jene, die es interessiert: «narzisstische Wesensart mit kontraphobischen, fetischistischen und schweren psychosomatischen Symptombildungen».

Der «bürgerliche Robin Hood»

Schlapp setzt Schwerpunkte bei der Beschreibung von Landmanns strenger Mutter und dessen drei «Erweckungserlebnissen». Diese hätten «den Valentin» vom staatsgläubigen Studenten zum «bürgerlichen Robin Hood» gemacht: sein Zusammentreffen als junger Doktorand mit den Hells Angels in Hamburg; sein erster Fall, als er einen Freispruch für einen vermeintlichen Mörder erwirkte; der Geldwäscherei-Prozess, in dem Landmann eine bedingte Gefängnisstrafe aufgebrummt erhielt, weil sein Geschäftspartner Reinhard Lutz in der gemeinsamen Firma Geld aus dem Drogenhandel wusch.

Zwischen seine Ausführungen streut Schlapp bereits publizierte Interviews mit Landmann und geschwätzige eigene Erinnerungen und Kommentare. Es sind jene Sorte von Gedanken, von denen Männer wie Schlapp überzeugt sind, dass sie jeden interessieren, weil es ihre und somit sehr wichtige sind.

Gerade die Erinnerung an die «schöne Zeit des Autors in Polynesien» sei hier nicht vorenthalten. Schlapp hielt offenbar an einer kleinen Privatuniversität kulturphilosophische Vorlesungen: «Unvergessen sind die ausgelassen kichernden Polynesierinnen, die ihn mit der Aufforderung lach mit mir! zu lustvollen Aktivitäten einluden.» Dann fährt Schlapp weiter mit Landmanns Engagement im Rotlichtmilieu. Ein tieferer Sinn dieser Anekdote erschliesst sich nicht.

Legende schreibt sich selber

Nichts ist schwieriger, als über einen Mann zu schreiben, über den schon so viele packende Porträts und Reportagen geschrieben wurden. Wer mehr über den spleenigen Anwalt aus strengem Hause wissen will, aufgewachsen als gemobbtes, zu Höchstleistungen getriebenes Kind, das später zum Schirmherren der Hells Angels und Kämpfer für das Rotlichtmilieu wurde, der liest besser diese.

Schlapps Buch hätte Valentin Landmann nicht gebraucht. Er ist auch ohne längst Legende. Dass diese Legende sich fortschreibt, dafür sorgt er selber: Wird in Deutschland wie letzte Woche ein Schweizer Spion verhaftet, ist fast schon klar, dass Valentin Landmann zwei Tage später als dessen Anwalt auftritt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.05.2017, 08:13 Uhr

Buch

Manfred Schlapp: Valentin Landmann und die Panzerknacker. Offizin-Verlag, Zürich 2017. 280 Seiten, 29 Franken.

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Valentin Landmann hat jetzt auch eine Biografie: Ein Porträt des Anwalts am Rande der Buchpräsentation. (Bild: Sabina Bobst)

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