Warm durch den Winter

Auch in Zürich kommt man gut durch den Winter. In einem der vielen Wellnessoasen, Hammams und Spas. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat sie getestet

Draussen schreitet die Zeit voran, im Thermalbad Zürich auf dem Hürlimann-Areal vergisst man sie. Foto: Dominique Meienberg

Draussen schreitet die Zeit voran, im Thermalbad Zürich auf dem Hürlimann-Areal vergisst man sie. Foto: Dominique Meienberg

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Thermalbad & Spa Hürlimann
Das Dach ist der Himmel über Zürich

Kaum anderswo lässt es sich so spektakulär abhängen wie auf dem Dach des Sudhauses der ehemaligen Brauerei Hürlimann: Im warmen (Aqui-)Wasser auf der Sprudelliege mit Blick auf die Stadt. Per aspera ad astra – der altrömische Spruch möge angesichts der 2000 Jahre alten Badekultur, die hier geboten wird, durchgehen. Also übers Raue gings zu den Sternen: Schlotternd, den Bademantel über das nasse Badekleid gezogen und in Schlarpen stehen wir im Lift, der zur Dachterrasse führt. Ein etwas bescheuerter Anblick. Ansonsten ist das Bad in den 100-jährigen Tonnengewölben richtig schön. Die als Badebecken konzipierten riesigen Holzfässer sind originell, das Smaragdbad stimmungsvoll, wenn auch bei uns die versprochene Unterwassermusik fehlte. Wegen des Dampfbads muss man nicht ins Hürlimann. Das ist höchst gewöhnlich. Der Eintritt von 34 Franken ist angemessen. Alles ist blitzsauber, Säfte und Sandwichs sind lecker und nicht allzu teuer. Trotzdem raten wir zu einem Upgrade: Für 58 Franken begibt man sich auf einen irisch-römischen Rundgang über acht Stationen (Badetuch/Bademantel inbegriffen). Zwar wähnen wir uns bei den Instruktionen erst in einem Leseverständnistest, doch einmal zurechtgefunden, vermissen wir nichts mehr – ausser einer Uhr. Denn draussen schreitet die Zeit voran, die man hier drinnen vergisst. (4/5 Punkten)
Hélène Arnet


Sauna am See
Zürichs grösstes Abkühlbecken

In der Sauna am See im Seebad Enge ist vor allem eines spektakulär: der See. Wer schweisstriefend aus den heissen Kabinen kommt, läuft über die Holzflosse und springt ins kalte Wasser. Dieses ist momentan noch um die 13 Grad warm, im Winter rutscht die Temperatur schnell mal auf 5 Grad ab. Dann ist der Sprung eine kleine Mutprobe – und zwar eine auf eigenes Risiko, wie Tafeln warnen. Wer sich nicht ins offene Wasser getraut, kühlt seinen Körper im Nichtschwimmerbecken. Ganz Mutlose können sich unromantisch unter eine Dusche neben den drei Saunakabinen (eine ist für Frauen reserviert) stellen. Ist die kurze Schocktherapie vorüber, nimmt man Bademantel und Woll­decken und legt sich auf einen Liegestuhl auf den Holzflossen, hört dem Plätschern des Wassers zu und blickt in den grauen Züri-Nebel. Wer Glück hat, kann den blauen See und die weit entfernten Berge bewundern. Ansonsten ist die Sauna vor allem auf Funktion bedacht: Die Umkleidekabinen sind charmelos, aber sehr sauber, das kleine Café bietet neben Getränken auch kleine Imbisse wie eine Tagessuppe. Die Schwitzkabinen sind nicht sehr gross, das Publikum nimmt aber alleweil Rücksicht aufeinander. Die Preise sind angemessen: Eintritt 29 Franken, Badetuch 3 Franken und Bademantel 6 Franken. (3/5 Punkten)
Thomas Zemp


Asia-Spa und Fitness bei der Sihlcity
Es fehlt an der Liebe zum Detail

Der Eingang des Asia-Spa hat den kühlen Charme eines Bürohauses. Von der Kasse aus sieht man zuerst die neusten Kraftgeräte, um den Körper fit zu trimmen. In diesem Spa gibt es Dutzende Angebote von Yogakursen über Maniküre bis zum Luxus-Wellness für zwei für 1200 Franken. Das Basisangebot für den Fitness- und Wellnessbereich kostet 35 Franken für zwei Stunden, wobei man sich bei dieser kurzen Zeit am besten zwischen Fitness oder Wellness entscheidet. Für Frauen gibt es einen separaten Saunabereich mit einer «Jasmin-Sauna» (65 Grad) und «Chai-Sauna» (80 Grad). Darin duftet es zart nach den beiden Tees. Die Schwitzräume sind hübsch mit Holz verkleidet. Im Ruheraum gibt es viele beruhigende Brauntöne. Dennoch fehlt es an der Liebe zum Detail: Die Kerzen bei der Buddhastatue sind erloschen, das Räucherstäbchen hat sich längst in kalte Asche aufgelöst. Etwas netter ist das Onsen-Becken hergerichtet, das geschickt hinter einem Vorhang versteckt ist. Das Onsen ist eine Art japanisches Salzwasser-Thermalbad, in dem man höchstens 20 Minuten sitzt. Fazit des Spa-Besuchs: Für Wellnessen allein gibt das Basisan­gebot zu wenig her. Da lohnt sich wohl die teurere Version: vier Stunden Zeit für 40 Franken. (2/5 Punkten)
(Marisa Eggli)


Hammam Basar im Seefeld
Schwitzen wie in 1001 Nacht

Er ist klein, aber edel und befindet sich im Seefeld im nördlichen Teil des Patumbah-Parks: der stimmungsvollste Hammam in Zürich. Der Neubau mit seinem orientalischen Bezug ist dezent angeschrieben. Das passt zur exklusiven Adresse. Bezahlt wird erst am Schluss. Im Preis von 48 Franken ist alles inbegriffen. Und wir hatten Glück: Zwei Stunden stand uns der ganze in erdfarbenen Tönen gehaltene Hammam allein zur Verfügung. In der Garderobe liegt alles bereit, was man für gepflegtes Schwitzen benötigt: ein Tuch aus Baumwolle, Wassereimer, eine Schale, Savon noir und ein Gommage-Handschuh. Dieser, so wird sich zeigen, ist eindeutig zu wenig rau. Das Bemerkenswerte an diesem Hammam ist jedoch der Warmraum mit einem grossen, runden Stein in der Mitte. Wer sich nach einer ersten Schwitz- und Abkühlrunde drauflegt, um auszuruhen, fühlt sich wie in 1001 Nacht. In den halbdunklen Raum dringt durch die klitzeklein ausgeschnittenen Rhomben an der sakral hohen Decke natürliches Licht ins Innere, das ergänzt wird durch Lampen, die wie Wassertropfen herabhängen. Zum Ritual gehört auch die Tonerde, die man später auf den ganzen Körper verteilt und wieder wegduscht. Alles ist blitzblank sauber, die Bedienung zuvorkommend und freundlich. Auch das passt: Wer einen kleinen Hunger verspürt, dem werden im Salon maghrebinische Imbisse zu moderaten Preisen angeboten. (4/5 Punkten)
Denise Marquard


Hamam im Niederdorf
Sauber, aber nicht besonders türkisch

Feuchtwarme Höhlen erwarten einen im Hamam im Niederdorf. Und bald fühlt man sich in einen Urzustand zurückversetzt. Aber erst mal von vorne. 43 Franken kostet das Grundangebot. Am Eingang gibts ein Lendentuch (Pestemal), das man in den nächsten eineinhalb Stunden nur sporadisch abnehmen sollte. Dazu noch eine Aluminiumschale und einen rauen Handschuh. Der Rundgang führt einen in zehn unterschiedliche Räume mit exotischen Namen – die Programmpunkte sind alle auf einem wasserfesten Plan vermerkt. Die Frauen haben die Möglichkeit zu einem eigenen Bad. Schon im Angewöhnungsraum (Sogukluk) wirds feucht und warm. Weshalb niemand Hemmungen hegt, sich samt Lendentuch zu benetzen. Überall Messing-Schützsteine – fast so rot wie die Wangen der Gäste. An einer Art Putzstation zieht man das Pestemal zum ersten Mal aus, um sich am ganzen Körper mit dem Peelinghandschuh zu schrubben. Man denkt dabei an aufgeraute Teigwaren, an denen der Sugo wunderbar haften bliebe. Später kombiniert man das Ritual mit Seife. Dazwischen gehts ins Bad, auf den Nabelstein oder nochmals in den Angewöhnungsraum. Erst im Erholungsraum (Camekan) ists kühler. Es gibt hier heissen Minzetee und genügend Gelegenheit für einen kurzen Mittagsschlaf. Beim Aufwachen fühlt man sich zwar nicht wie neu geboren, aber immerhin sauber. Der Hamam ist ein angenehmer Ort, der zwar vom Ambiente her nicht an die Vorstellung von gekachelten türkischen Dampfbädern heranreicht, der aber ein sorgfältig zusammengestelltes Angebot bietet. (4/5 Punkten)
David Sarasin


Hammam und Sauna im Volkshaus
Gegen den Winterblues

Nach einer reinigenden Regenfalldusche wärmt sich der ganze Körper, bekleidet mit einem Pestemal (Lendentuch), auf dem Nabelstein auf. Ein rot-oranges Licht verleiht auch dem Raum eine angenehme Wärme. Dekorative Elemente aus Beton teilen ihn in verschiedene Zonen. Angenehm ist auch das Dampfbad, das wir vor dem Olivenölseifen-Peeling besuchen. Danach empfiehlt es sich, sich im Ruheraum abzukühlen. Uns zieht es aber wieder auf den Stein. Dann ab in die Sauna: eine russische Banja aus hellem Holz und wohlriechender Birkenaufguss. Dieses Mal kühlen wir uns mit einem Sprung ins 5 Grad kalte Becken ab. Auch eine prickelnde Nebeldusche hilft, den Körper zu erfrischen. Die Füsse kommen nicht auf ihre Kosten: Das Fussbad besteht lediglich aus einem Heiss-und-Kalt-Wasser-Plastikbecken. Zum Abschluss verwöhnen wir unseren Körper mit einer Heilkreiden-Körperpackung und einer Pflegecreme. Drei Stunden sind im Nu vorbei. Der Eintritt, 46 Franken inklusive Badetuch, Pestemal, Heilkreide und Pflegecreme, ist seinen Preis wert. Aufgepasst bei der Empfangsdame: Wir konnten dem Angebot eines Käsepeelings nur knapp widerstehen. (4/5 Punkten)
(dfr)


Dolder Grand Spa
Sophias magische Hände und die Rüpel

In den Spa Bereich des Dolder Grand kommt nur rein, wer Behandlungen im Wert von 250 Franken bucht. Und so entscheide ich mich für eine Organic Aroma Massage by Amala, vermutlich so ein Massageguru. Mein Massageguru heisst dann Sophia. Ich darf ein Öl auswählen. Anfangs vermute ich, dass Sophia meine rechte Körperseite bevorzugt, bis ich feststelle, dass ich immer einnicke, bevor sie die Seite wechselt. Es waren 90 Minuten Komazustand. Am Schluss zieht mir Sophia die Badelatschen über die öligen Füsse und verabschiedet sich. Ich wickle mich in den riesigen Dolder-Bademantel und tapse in den Spabereich. Da gibt es Dinge, die ich noch nie gesehen habe: einen Tiefkühlraum (–15 Grad) mit Pulverschnee drin, das sogenannte Snow-Paradise. Und dann diese Wannen gefüllt mit kleinen schwarzen Steinen. Ich war skeptisch. Aber dann bin ich reingestiegen und fühlte mich wie am Strand irgendwo in den Cinque Terre. Im Gegensatz zum Damen-Spa-Bereich hat der gemischte Teil Fenster. Doch ich sehe nur Nebel, was ich im Sprudelbecken auf der Terrasse ein wenig bedaure. Dafür kann das Dolder aber nichts, so wie für die Gäste, die die Saunatür offen und ihre angebissenen Äpfel liegen lassen. Wie man es von einem Fünfsternhaus erwartet, hat es in der Umkleidekabine edle Cremen, um sich einzureiben. Das gewisse Verwöhnextra eben. (4/5 Punkten)
Erika Burri

Erstellt: 14.11.2014, 22:28 Uhr

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