«Warum gibts an der Bahnhofstrasse nichts gegen Hundehäufchen?»

Die Zürcher Edelmeile gilt als Aushängeschild der Stadt. Für Sauberkeit wird einiges getan. Warum es aber ausgerechnet dort nirgends Robidog-Tüten hat im 3. Teil der Serie «Das nervt».

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Sie ist bei Touristen genauso bekannt und beliebt wie das Fraumünster, das Niederdorf oder die Quaianlagen. Die Zürcher Bahnhofstrasse steht für edle Marken und teure Waren. Sie ist eine weltbekannte Shopping-Meile und somit ein Aushängeschild für die ganze Stadt.

Kein Wunder also, wird dort Sauberkeit grossgeschrieben. Alle paar Meter ist ein sogenannter Abfallhai angebracht – mal mit, mal ohne integriertem Aschenbecher. Regelmässig werden die Kübel geleert und die Strasse gefegt. Doch der Nutzungsdruck auf die Zürcher Edelmeile ist enorm. Unzählige Menschen sind täglich auf der 1,4 Kilometer langen Bahnhofstrasse unterwegs. Und nicht nur sie sorgen dafür, dass es immer was zu putzen gibt, sondern auch die vielen Vierbeiner, die ihnen hinterherzotteln.

Wer Häufchen liegen lässt, muss 60 Franken zahlen

Schwierig wird es dann, wenn der Hund ein Häufchen macht und keine Tüte zur Hand ist, um die Exkremente wieder einzusammeln. Denn obwohl an der Bahnhofstrasse Dutzende Abfalleimer aufgestellt sind: Ein Robidog-Kübel oder wenigstens ein Abfallhai mit integrierten Hundesäckchen ist nirgends zu sehen. Auch in den nahen Seitengassen ist nichts auszumachen, worin man das Häufchen entsorgen könnte.

Wenn Hundeexkremente liegen bleiben, dann ist das nicht nur ein optisches und olfaktorisches Ärgernis. Es kommt Hundehalter auch teuer zu stehen. Laut kantonalem Hundegesetz ist man dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Kot in Siedlungs- und Landwirtschaftsgebieten sowie auf Strassen und Wegen «korrekt beseitigt» wird. Tut man das nicht, droht eine Ordnungsbusse von 60 Franken.

Bahnhofstrasse ist kein Hundeversäuberungsplatz

Warum also hat man ausgerechnet an der elegantesten Strasse der Stadt vergessen, an die Bedürfnisse shoppingfreudiger Frauchen, Herrchen und deren Vierbeiner zu denken? «Die kombinierten Abfallbehälter werden prioritär bei Hundeversäuberungsplätzen hingestellt – und die Bahnhofstrasse gehört nicht dazu», erklärt Leta Filli, Mediensprecherin von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ).

Man überprüfe und optimiere die Standorte der Abfallbehälter in regelmässigen Abständen, so Filli weiter, denn «die Voraussetzungen können sich ja ändern». Im Rahmen dieser Optimierungen sollen nun auch an der Bahnhofstrasse Abfallbehälter mit integrierten Robidog-Säckchen erstellt oder bereits bestehende durch die Kombi-Kübel ersetzt werden. «Wir gehen davon aus, dass wir Anfang 2013 die Abfallhaie mit Säckleinspender platziert haben werden», ergänzt Filli.

Wo die Vierbeiner offiziell dürfen

Ist der Kot mal eingetütet, braucht man sich dafür nicht mehr nach einem gesonderten Behälter oder einem Robidog-Kübel umzusehen. «Ein voller Hundekotbeutel kann in jeden Abfallkübel der Stadt geworfen werden», sagt Filli. «Von dort wird er mit dem anderen Abfall von ERZ eingesammelt, ins Kehrichtheizkraftwerk gebracht und dort verbrannt und in Wärme und Strom verwandelt.»

Und wer sicher sein will, dass es im Bedarfsfall genügend Robidog-Säckchen in Griffnähe hat, der kann mit seinem Vierbeiner die offiziellen Hundeversäuberungsplätze der Stadt ansteuern: den Platzspitz, den Sechseläutenplatz, den Lindenhof, das Sihlufer auf der Höhe der Gessnerallee und den Basteiplatz (siehe Karte).

Erstellt: 30.07.2012, 11:02 Uhr

Das nervtTeil 3
Fehlende Robidogs an der Bahnhofstrasse
«Als Hundehalterin steh ich unter Generalverdacht, den Kot meines Vierbeiners auf dem Trottoir liegen zu lassen. Aufnehmen ist eine Frage des Anstands, darum hängen an meiner Leine in der Regel gleich mehrere Robidog-Säckchen – man weiss ja nie. Ich hatte drei an der Zahl dabei, als es mich und meinen treuen Begleiter an die Bahnhofstrasse in Zürich verschlug. Während ich die Schaufenster bestaunte, kämpfte mein Hund gegen Durchfall. Die Säckchen-Reserve war bald aufgebraucht, der Durchfall hingegen hielt an. Vergebens suchte ich beide Trottoirs der Bahnhofstrasse und ihre Seitengassen nach einem Robidog-Kasten ab. Die entrüsteten Blicke hatte ich auf sicher, als mein Vierbeiner mit einem schuldvollen Blick abermals in die Hocke ging. In der Stadt besteht eine Hundekotaufnahmepflicht, komme ich ihr nicht nach, werde ich nicht nur mit bösen Blicken angeschaut, sondern auch mit einer Busse bestraft. Wie bitte, soll ich mich an diese durchaus sinnvolle Regelung halten, wenn keine Säckchen erhältlich sind?», fragt sich eine 37-jährige Hundehalterin aus Winterthur.

Die Hundeversäuberungsplätze der City

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Die Serie

In unserer Sommerserie «Das nervt» gehen wir Dingen auf den Grund, die unsere Leserinnen und Leser an Zürich nerven. Wir geben Ihnen die Möglichkeit, Ihrem Ärger über Zustände, Regeln oder Situationen in der Stadt Luft zu machen, testen die Situation selbst vor Ort und geben den Zuständigen die Möglichkeit, auf die Vorwürfe zu reagieren und allfällige Verbesserungsmassnahmen bekannt zu geben. In der Serie bereits erschienen sind die Artikel «Warum gilt auf Spielplätzen kein Rauchverbot?» und «Warum gibts beim Bellevue keine durchgehenden Velowege?»

Gibt es etwas, das auch Sie ärgert und das Sie loswerden möchten? Dann schreiben Sie uns und schicken Sie Ihre Bilder an: zuerich@newsnet.ch.

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