«Warum gibts beim Bellevue keine durchgehenden Velowege?»

Das Bellevue ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte von Zürich. Doch ausgerechnet dort gibts für Fahrräder kein Durchkommen. Was die Stadt zur Verbesserung der Situation plant, in Teil 2 von «Das nervt».

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Das Zürcher Bellevue hat viele Vorzüge. Die Lage direkt am See, die zahlreichen Traditionscafés und -restaurants, das Opernhaus und die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr, um nur einige zu nennen. Etwas aber hat der Platz im Herzen der Stadt nicht: Durchgehende Velowege.

Ein Augenschein vor Ort bringt das Problem rasch zutage. Ganz egal, von welcher Seite man sich mit dem Fahrrad dem Verkehrsknotenpunkt nähert, es ist geradezu ein Wagnis, diesen Platz zu passieren: Sei es, weil man auf der engen Fahrbahn an den Autos vorbeizirkeln oder weil man sich einen Weg durch die Fussgänger bahnen muss. Im besten Fall ist wenigstens über eine kurze Strecke ein Veloweg eingezeichnet. Meist aber muss man sich ohne klare Bodenmarkierungen oder Ampelführung durchkämpfen.

Top Ten der Nadelöhre für Velofahrer

Beim Zürcher Tiefbauamt kennt man das Problem nur zu gut. «Die Verkehrssituation, die sich heute am Bellevue präsentiert, ist mindestens 20 Jahre alt», erklärt Urs Walter, Projektleiter Mobilität und Verkehr beim Tiefbauamt der Stadt Zürich, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Uns ist bewusst, dass die Situation für Velofahrer nicht optimal ist. Sie wird sich aber in den kommenden drei bis fünf Jahren massiv verbessern», verspricht er.

Auf dem Platz gibt es gemäss Walter gegenwärtig vor allem zwei heikle Ecken, die er «am liebsten wegzaubern» würde. Einerseits kann man vom Limmatquai herkommend geradeaus in die Quaianlage fahren, in die Gegenrichtung ist dies aber nicht möglich. Andererseits ist der Übergangsbereich zwischen Quaibrücke und Utoquai ein Knackpunkt für die Planer. «Diese Ecke, an der die denkmalgeschützte Baumallee beginnt, ist extrem unübersichtlich und sie wird zudem sowohl von Fussgängern als auch von Velofahrern genutzt. Das führt regelmässig zu heiklen Situationen», so Walter. «Wir führen zwar keine Hitparade der städtischen Nadelöhre für Velofahrer, aber diese Stelle wäre sicher in den Top Ten.»

Die Rämistrasse sei ein zweiter Kandidat für diese Hitliste. «Wir prüfen dort zwar derzeit verschiedene Optimierungen im Strassenquerschnitt, um die Situation für Velofahrende zu verbessern. Im unteren Bereich der Strasse sehe ich aber effektiv wenig Möglichkeiten für Verbesserungen», muss Walter einräumen. Auch eine Zusammenlegung von Autofahrbahn und Tramtrassee wäre keine Lösung, «denn dann würde auch das Tram im Stau stecken bleiben».

Quaibrücke: Bessere Trennung von Rad- und Fussweg

Während man für diese beiden Bereiche des Platzes noch keine Lösungen präsentieren kann, stehen Verbesserungsmassnahmen an anderen Stellen kurz bevor. So werde es auf dem Strassenzug vor dem Café Felix bald einen Radstreifen für Velofahrer in Richtung Quaibrücke geben. Um genügend Platz für einen Radweg von der Rämistrasse direkt auf die Brücke zu schaffen, würden gemäss Walter der Fahrstreifen und die Traminsel minimal angepasst.

Auch auf der Quaibrücke selbst soll mit der geplanten Sanierung ab 2015 die Situation für Radfahrer verbessert werden. «Die Kandelaber sollen versetzt werden, um so eine klarere Trennung des Velo- und Fussgängerbereichs zu erreichen», erklärt Walter. «Wenn es bautechnisch möglich ist, soll der Radweg künftig baulich vom Fussgängerbereich abgetrennt werden, damit insbesondere auch Sehbehinderte die Trennung wahrnehmen können.»

Projekte vom Ausgang der Abstimmung abhängig

Viele Projekte zur Verbesserung des Veloroutennetzes auf dem Bellevueplatz hängen jedoch vom Ausgang der Abstimmungen über die Neugestaltung des Sechseläutenplatzes vom 23. September ab. «Die Projekte müssen miteinander koordiniert werden. Deshalb können wir mit der Umsetzung frühestens 2015 beginnen», erklärt der Velobeauftragte.

Sollte das Stimmvolk die Neugestaltungspläne gutheissen, werde rund um den Sechseläutenplatz ein klar von der Fussgängerfläche getrennter Radweg entstehen. «Dieser würde auf der Höhe des Gottfried-Keller-Strasse entlang des Platzes in Richtung stadteinwärts führen, in die Schoeckstrasse einbiegen und dann nach rechts in die Theaterstrasse münden», so Walter.

Künftig soll zudem auch eine Querung aus den Quaianlagen in Richtung Limmatquai möglich werden. «Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Lücke in den nächsten Jahren schliessen können», betont Walter. «Sicher ist heute schon, dass wir keinen Mischverkehr mehr einplanen werden – ausser es geht absolut nicht anders.»

Erstellt: 23.07.2012, 11:16 Uhr

Das nervtTeil 2
Fehlende Velowege beim Bellevue
«Es wird ja in Zürich einiges getan, damit die Velofahrer besser durch den Stadtverkehr kommen. Aber beim Bellevue hat die Planung wirklich völlig versagt. Ich muss regelmässig über den Platz fahren und ärgere mich immer wieder darüber, dass man dort als Fahrradfahrer immer an letzter Stelle steht. Radwege fehlen entweder ganz oder sie führen mitten durch stark frequentierte Fussgängerzonen oder sogar schlicht ins Leere. Das ist nicht nur mühsam, sondern auch gefährlich. Insbesondere dann, wenn man sich den Weg von der Quaibrücke in Richtung Stadelhofen durch die Autoschlangen suchen muss. Warum hat man es ausgerechnet an diesem wichtigen Verkehrsknotenpunkt noch immer nicht geschafft, ein durchgehendes Veloroutennetz zu schaffen?», fragt sich ein 34-jähriger Velofahrer aus Zürich.

Die geplanten Velowegachsen

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