Hintergrund

Was im UBS-Vertrag steht und was seine Verfasser dazu sagen

Die Uni Zürich und die Grossbank legen ihren Deal offen. Professor Ernst Fehr, Ex-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger und Uni-Rektor Otfried Jarren erklären ihre Motive.

Hat auf das «öffentliche Interesse nach Transparenz» reagiert: Die Universität Zürich.

Hat auf das «öffentliche Interesse nach Transparenz» reagiert: Die Universität Zürich. Bild: Keystone

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Die Universität Zürich und die Grossbank UBS legen ihren Sponsoringvertrag jetzt von sich aus vollständig offen. Damit reagieren die beiden Vertragspartner auf das «öffentliche Interesse nach Transparenz», wie die Universität in einer Pressemitteilung schreibt.

Der Vertrag regelt, wie die UBS eine Stiftung mit 100 Millionen Franken sponsert, die einerseits das neu gegründete UBS International Center of Economics in Society und andererseits Lehrstühle in Volkswirtschaftslehre sponsert. Das Sponsoring ist auf Widerstand in der Professorenschaft, aber auch bei Studierenden und in der Öffentlichkeit gestossen.

Die Universität wollte die Geheimhaltung

Der Umstand, dass der Vertrag anfänglich ganz unter Verschluss gehalten wurde, hat das Misstrauen gegenüber der Vereinbarung noch verstärkt. Zwei Journalisten haben dann gerichtlich eine Veröffentlichung des Vertrags erwirkt, in dem Teile aber weiter eingeschwärzt geblieben sind.

Die Journalisten wollten per Verwaltungsgericht die volle Offenlegung erzwingen. Nach dem heutigen Entscheid der Universität entfällt diese Auseinandersetzung. Bleibt die Frage, wieso der Vertrag nicht gleich von Beginn weg offengelegt wurde.

Das war vor allem das Anliegen der Universität Zürich, wie der neue Rektor ad interim Otfried Jarren bestätigt. Sie wollte sich durch die Veröffentlichung von Details zur Ausstattung von Professorenstellen gegenüber anderen Hochschulen keine Nachteile einhandeln: «Kein Unternehmen und keine Organisation veröffentlicht solche Daten», sagt er. Jarren bestätigt auch die Vermutung, der Sinneswandel könnte mit der Veränderung an der Universitätsspitze zu tun haben: «Einige Dinge müssen anders bewertet und angegangen werden, es ist ein Kulturwandel nötig.»

Die UBS hätte laut Kaspar Villiger von Beginn weg die Offenlegung bevorzugt, wie er gegenüber dem Tages-Anzeiger erklärt hat: «Aber wir haben die Meinung der Universität respektiert.» Der Alt-Bundesrat war Verwaltungsratspräsident der Schweizer Grossbank, als das Sponsoring ausgehandelt wurde. Er war neben dem Wirtschaftsprofessor und aktuellen Präsidenten des UBS-Centers Ernst Fehr auch Vater der Idee.

Kein grundsätzlich neues Bild

Die neu aufgedeckten Stellen im Vertrag ergeben kein grundlegend neues Bild. Die umstrittenen Punkte waren bereits in der teilweise eingeschwärzten Version enthalten: der bevorzugte Zugang von UBS-Leuten zu Kursen und Veranstaltungen des UBS-Centers und die Beschriftung eines Hörsaals mit dem Namen der Grossbank. Wie Ernst Fehr erklärt, bezieht sich der bevorzugte Zugang einzig auf reservierte Plätze für die UBS anlässlich der öffentlichen Veranstaltungen des Centers. Die Beschriftung eines Hörsaals mit dem UBS-Logo will die Universität «derzeit» nicht einführen. Rektor Jarren will erst grundsätzlich klären, wie die Universität mit solchen Fällen umgehen soll.

Die nun aufgedeckten eingeschwärzten Stellen betreffen zum Beispiel die Person von Ernst Fehr. So war zuvor nicht zu ersehen, dass er Direktor des UBS-Centers werden und für mindestens zwei Fünfjahresperioden auch bleiben soll. Doch das ist weder überraschend noch ein Geheimnis. Der Professor, der auch als Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Universität Zürich wirkt, erklärt die Einschwärzung mit einem Entscheid der Rekurskommission, die die Veröffentlichung des Vertrags verlangt hat und die Schwärzungen vornahm.

Die Bedeutung von Ernst Fehr

Fehr hat für das Zustandekommen des Sponsoringvertrags die entscheidende Rolle gespielt: Wie Kaspar Villiger bestätigt, hätte die UBS diesen nicht ohne diesen Ökonomen abgeschlossen. Das Ziel des UBS-Centers hat von Anfang an darin bestanden, der Universität Zürich in der Volkswirtschaftslehre einen Platz in der internationalen Topliga zu sichern. Der Österreicher Fehr bot dafür angesichts seines grossen internationalen Renommees und seiner Beziehungen in der Ökonomenzunft die besten Voraussetzungen.

Die abgedeckten Stellen enthüllen weiter konkrete Zahlungen, die die UBS zu leisten hat. So soll die von der Grossbank alimentierte Stiftung das Management und Personal des UBS-Centers finanzieren, die Honorare des Beratungsgremiums und Infrastrukturkosten, die nicht von der Universität zur Verfügung gestellt werden. Diese Kosten sollen 500'000 Franken jährlich nicht übersteigen. Mehr als 300'000 Franken jährlich sollen Veranstaltungen des Centers nicht kosten dürfen und mehr als 100'000 keine Vorlesungsreihen. Weiter soll ein umfassend ausgestatteter lebenslanger Lehrstuhl einen Betrag von 10 Millionen Franken nicht übersteigen und für einen höher bewerteten permanenten Lehrstuhl müssen maximal 13 Millionen Franken ausreichen. Angesprochen auf diese Beträge erklärt Ernst Fehr, die Beträge würden der UBS keinerlei Mitspracherecht bei der Bestimmung der Professorenstellen und ihres Personals einräumen. Das entspricht auch dem Vertragstext.

Die Diskussion um das Sponsoring ist nicht vom Tisch

Der anfänglich unter dem Deckel gehaltene Vertrag hat Spekulationen genährt, die UBS habe sich an der Universität einen ungebührlichen Einfluss erkauft. Wie der nun gänzlich offengelegte Vertrag zeigt, ist dies nicht der Fall.

Nicht vom Tisch ist aber die von einigen Kritikern der Vereinbarung aufgeworfene Frage, wie die Universitäten auch in der Schweiz grundsätzlich mit dem Sponsoring von privaten grossen Unternehmen umgehen sollen. Der UBS-Vertrag mit den Zürcher Ökonomen ist schliesslich nicht die einzige und auch nicht die erste Sponsoringvereinbarung.

Erstellt: 19.12.2013, 16:58 Uhr

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