Was machte Andrea Stauffacher in Bern?

Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause sagt, der in Zürich starke Revolutionäre Aufbau sei an den Krawallen beteiligt.

Andrea Stauffacher bei einer unbewilligten Demo in Zürich im Jahr 2015. Foto: Urs Jaudas

Andrea Stauffacher bei einer unbewilligten Demo in Zürich im Jahr 2015. Foto: Urs Jaudas

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Spricht Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) über die Ausschreitungen nach der Räumung des besetzten Hauses an der Effingerstrasse, über die Krawalle rund um die Reitschule, wird er nicht müde, eines zu betonen: «Solche ­Krawalle sind nicht nur ein Berner ­Problem.» Nun präzisierte er diese Aussage und rückte eine Gruppierung in den Fokus, die in Zürich ihre Basis hat: den Revolutionären Aufbau. Laut Nause spielt dieser eine «wichtige Rolle» bei den Krawallen.

Mehrere Augenzeugen bestätigen, dass die prominenteste Exponentin des Revolutionären Aufbaus am Abend der Ausschreitungen in Bern war: Die Zürcherin Andrea Stauffacher wurde in einem Lokal der Reitschule gesehen. Diese Quellen bestätigen damit Berichte der «SonntagsZeitung». In welcher Sache Stauffacher die Reitschule besuchte, bleibt unklar. Ein möglicher Zusammenhang ist die für den 18. März in Bern angekündigte Demonstration «Missachtung des Volkswillens». Diese soll mit einer Gegendemonstration gestört werden: Der Revolutionäre Aufbau ruft auf Flyern dazu auf, den «SVP-Aufmarsch» zu verhindern.

Experte ist gegen ein Verbot

Extremismusexperte Samuel Althof geht mit Reto Nause einig: «Klar ist der Revolutionäre Aufbau auch in Bern aktiv.» Die Organisation sei in der ganzen Schweiz und im Ausland gut vernetzt. Man tue aber gut daran, den Einfluss der Organisation nicht zu überschätzen. Auch der Anwesenheit Andrea Stauffachers misst Althof nicht allzu viel Bedeutung zu: «Ihr Einfluss auf unsere Gesellschaft wird überschätzt.»

Aus diesem Grund spricht sich Althof auch gegen das von Reto Nause geforderte Verbot des Revolutionären Aufbaus aus; das käme einer «deutlichen Überbewertung» gleich, er würde auf die gleiche Stufe wie al-Qaida oder die Mafia gestellt. Die Forderung sei in seinen Augen «ein Zeichen der politischen Hilflosigkeit», dadurch würde kein einziges Problem gelöst. Althaus glaubt zudem nicht, dass zusätzliche rechtliche Mittel helfen, um gegen den Aufbau vorzugehen; er würde einfach seine Strukturen ändern.

Der Revolutionäre Aufbau Schweiz (RAS) wurde 1992 gegründet. Sein Ziel liegt in einer kommunistischen Gesellschaft, die durch eine «proletarische Revolution» herbeigeführt werden soll. Der RAS rutscht immer wieder in den Fokus der Behörden. Der Nachrichtendienst des Bundes hat ihn in seinem letztjährigen Sicherheitsbericht erwähnt: «Er bleibt der Taktgeber der gewalttätigen linksextremen Szene, namentlich die Zürcher Sektion.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2017, 23:23 Uhr

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