Wende im Fall Mettmenstetten: Die Familie darf wieder hoffen

Die Stadt Zürich will «ihren» Hof verkaufen. Jetzt will eine ungewohnte Allianz das verhindern – doch sie brauchen jede Stimme.

Elvira Weber und ihre Familie müssten ihren Hof Mettmenstetten aufgeben – nun gibt es wieder Hoffnung. Foto: Doris Fanconi

Elvira Weber und ihre Familie müssten ihren Hof Mettmenstetten aufgeben – nun gibt es wieder Hoffnung. Foto: Doris Fanconi Bild: Doris Fanconi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Empörung über den geplanten Verkauf der städtischen Liegenschaft in Mettmenstetten war gross. Niemand verstand, weshalb die Stadt Zürich den Hof im Weiler Rossau nicht den jetzigen Mietern zugesprochen hat, sondern der Familie mit dem höchsten Bietangebot.

In der Stadt hagelte es nach der Beurkundung im März Protestbriefe aus dem Säuliamt. Ende August ging im Parlament der Stadt Zürich eine Petition mit 858 Unterschriften von Mettmenstettern ein. Damit setzten sie sich für den Verbleib von Elvira Weber und ihrer Familie auf dem Hof ein. Den langjährigen Kaufwunsch der Familie nicht berücksichtigt zu haben, sei «Grund zur Scham», heisst es in der Petition. Die klaren Worte zeigen Wirkung.

Eine Mehrheit der vorberatenden Kommission des Zürcher Finanzparlaments spricht sich gegen die Pläne von Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) aus. Sie stellt einen Rückweisungsantrag der vorliegenden Weisung des Stadtrats zum Verkauf der Liegenschaft und verlangt eine neue Weisung. Diese soll der eingemieteten Familie den Kauf der Liegenschaft zum gebotenen Preis ermöglichen. Pikant ist, mit welcher Allianz diese Mehrheit zustande gekommen ist. FDP und Sozialdemokraten spannen zusammen.

SP spannt mit FDP zusammen

Die FDP hat ihren Missmut über den geplanten Immobiliendeal bereits im Frühling in einer Fraktionserklärung kundgetan. Aus ihrer Feder stammt der Rückweisungsantrag. Nun stellt sich die SP, die grösste Fraktion im Gemeinderat, gegen den grünen Finanzvorsteher Leupi und unterstützt den Rückweisungsantrag. Doch der Entscheid fiel den Sozialdemokraten schwer. «Es war ein schwieriges und emotionales Geschäft», sagt SP-Gemeinderätin Vera Ziswiler, die in der Kommission sitzt. Eigentlich entspricht schon der Verkauf der Liegenschaft nicht den Grundsätzen der Partei. Sie prüfte deshalb eine Abgabe im Baurecht, fand aber in den anderen Parteien keine Unterstützung. Also musste die Partei den «unglücklichen» Entscheid fällen, an wen verkauft werden soll. Ziswiler sagt: «Es sollte nicht Sache des Parlaments sein, über das Schicksal zweier Familien entscheiden zu müssen.»

Schliesslich überwogen bei der SP die Argumente, der eingemieteten Familie ein Eigenheim zu ermöglichen. Und zwar längerfristig. Sie überzeugte die FDP, den Rückweisungsantrag um zwei Punkte zu ergänzen. So darf in den nächsten 20 Jahren bei einem Verkauf kein höherer Preis als der jetzige Kaufpreis verlangt werden. Und die Stadt Zürich hat ein Vorkaufsrecht. AL, Grüne, GLP und SVP lehnen den Rückweisungsantrag ab.

Mögliche vier Stimmen der EVP

Eigentlich steht der Zustimmung des Rückweisungsantrags am 26. September unter diesen Voraussetzungen nichts mehr im Weg. Die 21 FDP-Vertreter und 43 SP-Politiker können eine Mehrheit erreichen. Aber nur, wenn alle anwesend sind und fraktionstreu stimmen.

Die Mehrheit wäre klarer, würden sich auch die vier EVP-Vertreter der Rückweisung anschliessen. Sie werden das Geschäft in der Partei am kommenden Mittwoch beraten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2018, 13:53 Uhr

Artikel zum Thema

Fall Mettmenstetten: Es geht um Geld, Kinder und Lamas

Endlich ist klar, warum der Zürcher Stadtrat einen Hof im Säuliamt an die Meistbietenden statt an die bisherigen Bewohner verkaufen will. Mehr...

Landbevölkerung liest Städtern die Leviten

Weil die Stadt Zürich einen Hof im Säuliamt verkauft, steht das Leben einer Familie kopf. Jetzt hagelt es geharnischte Briefe. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Und die Haare fliegen hoch: Besucher des Münchner Oktoberfests vergnügen sich auf einem der Fahrgeschäfte. (22. September 2018)
(Bild: Michael Dalder ) Mehr...