Weniger bezahlter Sex in Zürich

Die Stadt zieht eine positive Zwischenbilanz zur Umsetzung der neuen Prostitutionspolitik. Die Sexarbeiterinnen fühlen sich am neuen Strichplatz sicherer, nehmen aber weniger Geld ein.

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Seit gut einem Jahr gelten für Prostituierte in der Stadt Zürich neue Regeln. Das Sozialdepartement zieht in einer Medienkonferenz eine positive Zwischenbilanz der bisherigen Umsetzung dieser neuen Prostitutionspolitik.

Die Neuregelung der Strassenprostitution habe die Ziele bezüglich Schutz der Bevölkerung und der Sexarbeiterinnen erreicht. Insbesondere die obligatorischen Beratungsgespräche bei der Frauenberatung Flora Dora hätten dazu geführt, dass ein Vertrauensverhältnis zu den Sexworkerinnen aufgebaut werden konnte. In rund einem Drittel der Verfahren wegen Menschenhandels konnten die Opfer dank der Informationen von Flora Dora erkannt werden. 31 solcher Verfahren führte die Stadtpolizei 2013 durch – im Vorjahr waren es noch 14.

Keine Verlagerung des Sexgewerbes

Auch die Schliessung des Strassenstrichs am Sihlquai im vergangenen August und die gleichzeitige Eröffnung des Strichplatzes in Altstetten wertet der Sozialvorsteher als Erfolg. Verlagerungstendenzen in andere legale Strassenstrichzonen, in Gebiete ausserhalb des Strichplans und auf den Strassenstrich in anderen Regionen der Schweiz seien nicht feststellbar und der Strichplatz am Depotweg wirke sich nicht negativ auf die Umgebung aus.

Gemäss einer Umfrage schätzen die Prostituierten die Sicherheit und die Infrastrukturen am neuen Strichplatz. Allerdings werde auch weniger eingenommen als am Sihlquai. Dieser Umstand macht sich auch bei der Anzahl der verkauften Tagesbewilligungen bemerkbar: Pro Abend arbeiten durchschnittlich 15 Prostituierte in den Sexboxen – also nur noch halb so viele Frauen, wie früher am Sihlquai angeschafft haben. Im Zürcher Niederdorf, wo sich ein weiterer Strassenstrich befindet, werden seit der Schliessung des Sihlquais pro Nacht durchschnittlich 18 Frauen gezählt. Insgesamt haben im vergangenen Jahr 495 Strassenprostituierte ein Gesuch gestellt. 461 wurden bewilligt.

67 Gesuche für Sexsalons

Für Sexsalons ist Ende 2013 die Frist zur Einreichung eines Bewilligungsgesuchs gemäss Prostitutionsgewerbeverordnung abgelaufen. Aktuell liegen der Stadt 67 Gesuche vor. 13 davon wurden inzwischen bewilligt, die übrigen werden derzeit noch geprüft. Kleinstsalons – also jene mit bis zu zwei Mitarbeitenden – sind von der Bewilligungspflicht ausgenommen.

Gemäss Bestimmungen der aktuellen Bau- und Zonenordnung sind Sexsalons in Zonen mit einem Wohnanteil von über 50 Prozent allerdings nicht erlaubt. Die Anzahl der Kleinstsalons hat nicht zuletzt deshalb seit 2006 abgenommen. Im vergangenen Dezember haben NGOs im Rahmen der öffentlichen Auflage der teilrevidierten Bau- und Zonenordnung die Streichung dieses Verbots gefordert. Der Stadtrat hat noch nicht entschieden, ob er dem Gemeinderat eine entsprechende Änderung beantragen wird.

Erstellt: 01.04.2014, 10:26 Uhr

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