Wenn Kunst im öffentlichen Raum zur Stolperfalle wird

Die Stadt zäunt die Bodeninschriften des Künstlers Lawrence Weiner am Limmatplatz wegen Rutschgefahr ein.

Liegt viel Schnee, droht hier Rutschgefahr: Lawrence Weiners Bodeninschriften am Limmatplatz im Kreis 5.

Liegt viel Schnee, droht hier Rutschgefahr: Lawrence Weiners Bodeninschriften am Limmatplatz im Kreis 5. Bild: Doris Fanconi

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«Ich will mit meiner Arbeit niemandem auf dem Weg zur Arbeit den Tag verderben.» Das sagte der New Yorker Künstler Lawrence Weiner im September 2007 dem «Tages-Anzeiger». Dass ihm das bis heute gelungen ist, hat mit einer Intervention der Stadt zu tun. Diese zäunte Weiners Kunstwerk bei der Tramhaltestelle Limmatplatz mit rot-weissen Abschrankungen ein und versah die Installation mit orangen Baustellenleuchten. Grund: Rutschgefahr.

«Als Anfang Dezember viel Schnee gefallen war, hat das Tiefbauamt die Vorsichtsmassnahme veranlasst», bestätigt Sprecher Stefan Hackh. Zu Unfällen sei es in den letzten fünf Jahren aber nie gekommen. Auch der Kioskverkäufer am Limmatplatz hat noch nie einen Zwischenfall beobachtet. Fahre die Ambulanz vor, dann meistens wegen «Alkoholgeschichten».

Die in den Boden eingelassenen Edelstahlplatten gehören zu einem dreiteiligen Ensemble. Alle Werke formulieren die Sätze: «Kugellager oder runde Steine. Zum Rollen gebraucht. Ausserhalb was ist.» Auf Englisch steht das am Bellevue und auf Italienisch auf dem Helvetiaplatz. Gesichert ist jedoch einzig die deutsche Version auf dem Tramperron beim Limmatplatz. Die anderen beiden sind gemäss Stefan Hackh entweder weniger stark der Witterung ausgesetzt oder dann so platziert, dass ein gefahrloses Umgehen möglich ist.

Neue Lösung gesucht

Gestern Montag hat das Tiefbauamt den Auftrag zur Entfernung der Abschrankung erteilt – bis zum nächsten heftigen Schneefall. Wie die Stadt in künftigen Wintern riskante Rutschpartien verhindern will, ist noch offen. «Die Lösung dürfte aber bestimmt weniger provisorisch ausfallen als die jüngst gesehene», sagt Hackh. Eine Versetzung des Kunstwerks vom Limmatplatz in einen weniger öffentlichen Raum komme nicht infrage. Ebenfalls als untauglich hat sich 2011 das Aufstellen eines gelben Gefahrenschilds erwiesen. Dieses wurde geklaut und danach nicht mehr ersetzt.

Bei den Bodeninschriften handelt es sich um eine Dauerleihgabe eines privaten Besitzers, der nicht genannt sein möchte. Die Stadt musste nur für das Material und die Installation aufkommen, was 30'000 Franken kostete. Über die Bedeutung der rätselhaften Sätze stand 2007 im TA: «Mit dem Werk sagt der Künstler bildhaft, dass Dinge ausserhalb dessen, was man bereits weiss, in Bewegung gesetzt werden können.»

Der 61-jährige Lawrence Weiner machte sich in den 60er-Jahren als Pionier der Konzeptkunst einen Namen. Sein wichtigstes Thema ist stets die Sprache. Von März bis Ende Juni zeigt das Museum für zeitgenössische Kunst in Barcelona (Macba) über 300 Zeichnungen und Skizzen des Künstlers.

Erstellt: 08.01.2013, 07:48 Uhr

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