Wenn das Hochzeitskleid baden geht

Paare wollen sich zwar das Jawort geben, nur nicht in der Kirche und nicht vor einem Pfarrer. Vom Polterabend bis zur Vernichtung des Brautkleids: Alles muss exklusiv sein.

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Der Heiratsmarkt ist ein lukratives Geschäft. Zwar kann man nicht gerade von einem Heiratsboom reden – im Kanton blieb die Zahl der Eheschliessungen in den letzten drei Jahren konstant, in Zürich nimmt sie sogar eher ab, wer sich aber zu diesem Schritt entscheidet, lässt sich das Ganze gerne was kosten. «Allein für ein Brautkleid wird im Minimum 2000 Franken bezahlt – die Preisskala ist nach oben offen», sagt Maja Frick, Leiterin der Fest- und Hochzeitsmesse, die an diesem Wochenende bereits zum 7. Mal in Zürich stattfindet.

Ein Blick auf die Exponate der Messe bestätigt die Aussage. Kleider aus feinstem Zwirn, opulente Blumen- und Tortenarrangements und Luxuslimousinen. Alles nicht fürs kleine Budget. «Es gibt ein paar Klassiker, die sich die meisten Paare für ihre Hochzeit wünschen», so Frick. Eheringe gehören nach wie vor dazu, und auch auf ein traditionelles Brautkleid – vorzugsweise in Weiss – wolle frau nicht verzichten. «Auch der Wunsch nach der Segnung einer Ehe bleibt unverändert. Die Paare wollen noch immer vor all ihren Freunden, Bekannten und Verwandten Ja sagen zueinander. Die wenigsten aber möchten das in der Kirche tun.»

Den Prinzessinnentraum ausleben

Der Trend gehe ganz klar hin zur Wahl exklusiver Event-Locations für den Akt der Eheschliessung und zu einer ganz individuellen Trauungszeremonie fernab von kirchlichen Vorgaben oder amtlichen Zwängen. Das macht sich auch bei den diesjährigen Ausstellern bemerkbar: Die Zahl der Anbieter massgeschneiderter Trauungen für Heiratswillige ist gemäss Frick von eins auf fünf gestiegen.

Eine von ihnen ist Ines Wälti. Seit 2009 amtet sie als Zeremoniengestalterin. «Zu mir kommen Paare, die nichts mehr mit der Kirche am Hut haben, sich aber nicht nur standesamtlich trauen lassen wollen.» Es gehe vor allem darum, die Liebe zu zelebrieren und «den Prinzessinnentraum auszuleben», so Wälti. Dafür nehmen die Paare und auch die Zeremoniengestalterin einiges in Kauf: «Ich habe für eine solche Trauung schon eine dreistündige Bergwanderung absolviert – die Braut kam im weissen Kleid mit allem Drum und Dran.»

In Wältis rund dreiviertelstündigen Zeremonien wird die Geschichte des Paares erzählt, es werden Anekdoten eingeflochten und Musik eingespielt. «Am Ende geben sich die Brautleute das Jawort. Es ist also sehr ähnlich wie in der Kirche – aber ohne Verweise auf die Bibel», erklärt die Zeremoniengestalterin, die selbst keine Theologin ist. Es gehe im Prinzip auch nicht darum, etwas neu zu erfinden, «das Ganze soll aber nichts mit Religionen zu tun haben».

Wälti liegt mit diesem Konzept genau richtig. Die Nachfrage sei gigantisch. «Früher haben nur gerade zwei weitere Personen solche Trauungen angeboten. Inzwischen sind sehr viele Leute auf diesen Zug aufgesprungen. Es ist ein absoluter Trend.»

Auch Polterabende dürfen was kosten

Doch nicht nur die Trauung selbst soll exklusiv sein. Auch dem Abend vor der Hochzeit wird immer mehr Beachtung geschenkt. «Wer etwas auf sich hält, feiert auch den Polterabend gebührend. Dafür wird immer mehr Geld ausgegeben», so Maja Frick. Das gilt nicht nur für Männer. Auch sogenannte «Hen Nights» oder «Bachelorette Partys», an denen die angehende Braut am Abend vor der Hochzeit gefeiert wird, haben sich längst in der Schweiz etabliert. Kein Wunder also, ist in diesem Jahr an der Hochzeitsmesse erstmals auch ein Anbieter präsent, der Polterabende organisiert.

Die Planung des Hochzeitsfests selbst geben die Schweizerinnen und Schweizer aber ungern aus der Hand. «Noch vor fünf Jahren hätte ich gedacht, dass sich Wedding Planners, die in Amerika bereits gang und gäbe sind, sich auch hier etablieren könnten. Doch dem ist nicht so», sagt Frick. Sie glaubt, dass Paare in der Hochzeit ein Langzeitprojekt sehen, das sie selbst angehen wollen. «Mit der Planung wird im Minimum neun Monate vor der Trauung gestartet. Wer jetzt eine schöne und exklusive Location für den Sommer sucht, ist schon zu spät dran.»

Nächster Trend: Trash the dress

Etwas entspannter können es die Paare angehen, die den Bund fürs Leben schon geschlossen haben. Doch selbst für sie gibt es einen neuen Trend in der Branche. «Trash the dress» heisst das Ganze. Dabei geht es darum, das Hochzeitskleid nochmals auf eine ganz spezielle Art in Szene zu setzen. «Die Braut kann beispielsweise mit dem Kleid in die Limmat springen, sich damit in einen Misthaufen setzen oder bei einem Paintpall-Spiel mitmachen», erklärt Frick. Das Ganze wird dann im Bild für die Nachwelt festgehalten. Wer sich auf diesem Weg final vom edlen Hochzeitsfummel trennen will, findet auch für diesen Trend einen Anbieter an der diesjährigen Hochzeitsmesse. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2014, 15:44 Uhr

Die Fest- und Hochzeitsmesse

Die 7. Fest- und Hochzeitsmesse Zürich findet vom 11. bis zum 12. Januar 2014 in den Hallen 3, 4 und 5 der Messe Zürich in Oerlikon statt. 255 Aussteller zeigen auf rund 11’400 Quadratmetern ihr Angebot. Die Hallen sind jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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