Prognosefähigkeit

Wenn der Zunftmeister den Böögg in den Senkel stellt

Felix Blumer ist Meteo-Wetterfrosch bei SRF und Zunftmeister von Wiedikon. Er findet, er sei bei weitem der bessere Wetterprognostiker als der Böögg.

Böögg oder Blumer – jeder hat seine Art, das Wetter zu prognostizieren: Der Schneemann bei der Aufrichte 2013.

Böögg oder Blumer – jeder hat seine Art, das Wetter zu prognostizieren: Der Schneemann bei der Aufrichte 2013. Bild: Boris Müller

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«Am Morgen strahlend blau, am Nachmittag zwei, drei Quellwölklein, trocken bis in die Nacht hinein, bei Temperaturen bis zu 23 Grad Celsius.» Überzeugend gibt der Zunftmeister zu Wiedikon seine Wetterprognose für den heutigen Sechseläuten-Tag ab. Zunftmeister und seriöse Wettervorhersagen – diese Kombination mutet auf den ersten Blick seltsam an. Doch besagter Mann heisst Felix Blumer und stellt täglich beim Schweizer Radio und Fernsehen Wetterprognosen auf.

Dieses Jahr amtet der 52-Jährige zum ersten Mal als Zunftmeister, dem Zürcher Frühlingsfest ist er aber schon seit Jahren verbunden. Seit 1990 ist der Meteorologe bei der Zunft zu Wiedikon als Mitglied dabei, trotzdem nimmt er dieses Jahr bereits zum 34. Mal am Sechseläuten teil – die Familie Blumer ist in der vierten Generation «zäuftig».

Der Böögg taugt nichts

Ist denn nun der Böögg der bessere Wetterprognostiker als Blumer? «Bei weitem nicht» gibt der vierfache Familienvater mit einem herzhaften Lachen zur Antwort. «Damit will ich aber nicht mich hervorheben, sondern vielmehr die schlechte Prognosequalität des Böögg.» Vor einigen Jahren haben Blumers Kollegen bei Meteo Schweiz in einem mehr als 40 Seiten umfassenden Bericht die Prognosen des Böögg mit denen eines dynamischen Klimamodells verglichen.

Daraus geht hervor, dass zwischen der Zeitspanne, bis der Kopf des Böögg explodiert und der Qualität des Sommers nur ein geringer Zusammenhang existiert. In Statistik-Sprache ausgedrückt, besteht eine minimale positive Korrelation, dass der Sommer umso besser wird, je rascher die Explosion erfolgt.

«Nimmt man aber das Jahr 2003 aus der Untersuchung raus» – 2003 explodierte der Böögg bereits nach 5 Minuten, der Sommer war besonders heiss –, «dann ist dieser Zusammenhang gleich null», sagt Blumer. Fazit also: Der Böögg ist meteorologisch gesehen eine Pfeife. Besser sind die wissenschaftlichen Klimamodelle, wenngleich die Meteorologen im erwähnten Bericht ihre Aussagekraft einschränken: «Das Resultat ist bescheiden und nicht sensationell.»

Für den kommenden Sommer guter Dinge

Was passiert, wenn man die Kausalität umdreht – explodiert der Böögg schneller, wenn es am Sechseläuten-Montag sonnig und heiss ist? Das Holz sei hier der wesentliche Faktor, sagt Blumer. Die Tatsache, dass das Gartenbauamt mit Brandbeschleuniger aushilft – manchmal mehr, manchmal ein bisschen weniger – erschwere eine klare Aussage. «Es ist nicht ganz falsch, wenn man sagt, die Scheiterhaufenbauern helfen dem Petrus ein bisschen auf die Sprünge», so Blumer.

Für den kommenden Sommer ist Blumer guter Dinge: Obschon Langzeitprognosen heikel sind, sagt ihm ein Blick auf die Statistik einen angenehmen Sommer voraus. «Auf einen kalten und nassen Frühling folgt häufig ein warmer und sonniger Sommer» sagt der Zunftmeister, der sich eine gewisse Schlagfertigkeit attestiert – eine Grundvoraussetzung für sein Amt.

Der Kassier freut sich

Die Zünfter stellen sich kleidungstechnisch auf das Wetter am Sechseläuten ein, ihre historischen Kostüme machen die Aufgabe aber nicht einfach. Die Wiediker tragen beispielsweise lange Röcke, die das Leben auf dem Reichshof aus dem 13. Jahrhundert verkörpern. Gewöhnlich wird ein Regenschutz mitgenommen, heute Montag aber nicht. Und das «Darunter» reduziert sich auf ein T-Shirt, um nicht zu stark zu schwitzen.

Gemäss Blumer dürften sich übrigens auch die Kassiers der Zünfte über das warme Wetter freuen – dann wird erfahrungsgemäss mehr Wein getrunken.

Erstellt: 15.04.2013, 10:26 Uhr

Felix Blumer: Der Meteorologe arbeitet beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) und ist Zunftmeister der Zunft zu Wiedikon.

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