Wenn die Abschaffung der Vignette den Velodieben hilft

Tausende Velos werden jährlich in Zürich geklaut, und nur wenige finden den Weg zurück zu ihren Besitzern. Veloverbände fürchten nun, dass die Situation mit der Abschaffung der Velovignette noch schlimmer wird.

«Die Konsequenz ist, dass alle nur noch mit Schrott herumfahren»: Gesichertes Velo beim Kanzleiareal in Zürich.

«Die Konsequenz ist, dass alle nur noch mit Schrott herumfahren»: Gesichertes Velo beim Kanzleiareal in Zürich.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

2200 Velos wurden in der Stadt Zürich im Jahr 2011 geklaut. Gerade mal zwei Prozent davon konnte die Stadtpolizei ihren rechtmässigen Besitzern zurückgeben. Der Verein Provelo befürchtet nun, dass die Ermittlungsarbeit zusätzlich erschwert werden könnte, da die Velovignette seit vergangenem Freitag abgeschafft ist.

«Die Rückführungsquote ist schon jetzt bedauerlich klein», meint Dave Durner, Geschäftsführer von Provelo Zürich. «Mit dem Wegfallen der Vignette wird die Arbeit der Polizei bestimmt nicht leichter.» Er fordert deshalb, dass sämtliche vom «grassierenden Veloklau» Betroffenen – wie Versicherungen, Fahrradhandel oder Polizei – zusammensitzen, um Lösungen für das Problem zu erarbeiten.

Holland als Vorreiter

«In Holland gab es verschiedene neue Präventionsmodelle, welche zum Teil mit grossem Erfolg ausprobiert wurden», erklärt Durner. Darunter waren Versuche mit Lockvogel-Velos, die mit einem GPS-Sender ausgestattet wurden. Auch fuhr man breite Aufklärungskampagnen, welche Schlösser man verwenden solle, damit man Diebe nicht «geradezu zum Klauen anstiftet». In Holland sei der Fachhandel gar dazu übergegangen, die unsichersten Schlösser, wie beispielsweise die dünnen Zahlenschlösser, gänzlich aus dem Angebot zu streichen.

Ähnliches könnte sich Durner auch für die Schweiz vorstellen. Viel wichtiger wäre ihm aber ein zentrales schweizweites Fahrradregister. «Ähnlich wie bei den Autonummern könnte so jedes Velo seinem Besitzer konkret zugeordnet werden.»

Velovignette nur eines von vielen Merkmalen

Bei der Stadtpolizei Zürich bestätigt Mediensprecher René Ruf, dass nur zwei Prozent aller als gestohlen gemeldeten Fahrräder ihrem rechtmässigen Besitzer zurückgegeben werden können. «Die Aufklärungsquote lag in den letzten Jahren stets etwa auf diesem Niveau.» Bei den zwei Prozent handle es sich aber um jene Fälle, bei denen die Diebe ebenfalls ermittelt werden können. Velos allgemein würden mehr gefunden. Ob sich die Situation durch die Abschaffung der Velovignette verschlechtere, könne erst gesagt werden, wenn konkrete Zahlen und Erfahrungen vorlägen.

«Die Vignette ist eines von mehreren Merkmalen, welches wir bei einer Anzeige aufnehmen», erklärt Ruf. Hinzu kämen der Velotyp, die Farbe, besondere Merkmale und die Rahmennummer. Grundsätzlich positiv äussert sich Ruf zu einem nationalen Veloregister: «Wir begrüssen alle Systeme, welche unsere Arbeit erleichtern.»

Zürich fährt Schrottvelos

Trotz der Unterstützung seitens der Polizei ortet Durner von Provelo wenig Interesse bei Politik, Polizei und Versicherungen, das Thema wirklich in die Hand zu nehmen. Vorstösse vonseiten von Provelo Schweiz seien nie auf viel Gegenliebe gestossen. Der Zürcher Ableger des Vereins wolle deshalb künftig mehr Aufklärungsarbeit leisten, welche Veloschlösser man auf keinen Fall verwenden soll.

Auch Durner ist klar, dass man grundsätzlich jede Sicherheitsvorkehrung überlisten kann: «Sie können noch so viele Schlösser an Ihrer Haustür haben. Wenn jemand mit dem Panzer ins Haus fährt, nützt dies auch nichts.» Trotzdem solle man es Dieben so schwer wie möglich machen. «In Zürich ist ja die Konsequenz der hohen Diebstahlzahlen, dass alle nur noch mit Schrott herumfahren, aus Angst, ein gutes Velo könnte geklaut werden.»

Erstellt: 04.06.2012, 11:33 Uhr

Umfrage

Soll bei Velos – analog zu Autonummern – ein nationales Register eingeführt werden?

Ja, das nützt bei der Polizeiarbeit.

 
53.1%

Nein, das ist unnötige Bürokratie.

 
46.9%

695 Stimmen


Bildstrecke

Der grösste Velokeller der Stadt

Der grösste Velokeller der Stadt 2800 Velos sammelt die Stadt pro Jahr ein, die meisten davon will niemand mehr.

Artikel zum Thema

Wie viel Elektronik braucht das Velo?

Blog Outdoor Dank elektronischen Gadgets wird das Velo internetkompatibel. Auf Websites wie Strava und SportyPal können Velo-Freaks gefahrene Wattzahlen miteinander vergleichen. Braucht es das wirklich? Zum Blog

Kleider machen Leute – auch auf dem Velo

Blog Outdoor Eigentlich sollte man erwarten, dass es bei Sportbekleidung primär um Funktionalität geht. Für viele Velofahrer ist aber «Style» fast ebenso wichtig. Zum Blog

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Blogs

Geldblog Eine Million Cash abheben? Geht nicht!

Die Welt in Bildern

Hochwasseralarm: Touristen im Gänsemarsch auf einem Laufweg auf dem Markusplatz in Venedig. (13. November 2019)
(Bild: Stefano Mazzola/Getty Images) Mehr...