Wenn die Fehr mit dem Fehr

Die SP musste sich vorwerfen lassen, dass sie mit zwei Namensvettern in den Wahlkampf zieht, die sich spinnefeind seien. Jetzt kontert sie mit einem Wahlplakat nach dem Gusto ihrer Kritiker.

Ein glückliches, aber eher kitschiges Hochzeitspaar. Fotomontage: Flavia d’Incau

Ein glückliches, aber eher kitschiges Hochzeitspaar. Fotomontage: Flavia d’Incau

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Die NZZ umschrieb die Befindlichkeit der beiden Fehrs etwas martialisch so: Sollte die SP neben dem amtierenden Regierungsrat Mario Fehr auch noch Nationalrätin Jacqueline Fehr nominieren, müsse «die Armee auf- statt abgerüstet werden». Jetzt, wo tatsächlich die beiden – miteinander nicht verwandten – Fehrs gemeinsam in die Regierungsratswahlen ziehen, doppelte die NZZ nach. Sie schloss aus den Plakaten der SP, welche die beiden Kandidaten auf Einzelbildern zeigt, die zwei seien derart verfeindet, dass sich Mario geweigert habe, gemeinsam mit Jacqueline zu posieren. Diese Behauptung wurde in der NZZ untermauert mit besorgten, allerdings anonymen Stimmen von Genossinnen und Genossen. Parteipräsident Daniel Frei sagt, die Partei wende dasselbe Bildkonzept an wie bei den Stadtratswahlen und setze ganz bewusst auf Einzelbilder. Ganz abgesehen davon, dass das Heile-Welt-Glamour-Wahlplakat von den «Top 5» Markus Kägi (SVP), Ernst Stocker (SVP), Thomas Heiniger (FDP), Carmen Walker Späh (FDP) und Silvia Steiner (CVP) auf dem Computer zusammengemixt wurde.


Des Computers hat sich nun auch die SP-Parteizentrale bedient und mithilfe eines alten Hochzeitskatalogs und zwei gegen 20 Jahre alten Porträtföteli ein Wahlkampfbild nach dem Gusto der alten Tante von der Falkenstrasse gebastelt. Das von beiden – gemeinsam! – signierte Originalbild hat Fraktionspräsident Markus Späth am Samstag im Zeughaushof an einer Benefizveranstaltung für 550 Franken ersteigert. Dies, nachdem die beiden Fehrs sogar gemeinsam getanzt hatten.


Weniger glücklich als Jacqueline Fehr auf dem SP-Scherzbild schaute gestern ihre allfällige Vorgängerin im Regierungsrat – Regierungspräsidentin Regine Aeppli (SP) – drein. Ihr war widerfahren, was bisher auf der Regierungsbank noch niemandem geschah. Aeppli wurde per Knopfdruck das letzte Wort – quasi der letzte Vorhang im Theater – genommen. Und zwar von der «Frau mit dem schnellen Finger», der grünen Fraktionspräsidentin Esther Guyer . Diese erdreistete sich entgegen dem Protokoll, der Regierungsrätin nach ihrer Rede zum Beschaffungswesen zu widersprechen, weil sie der Ansicht war, Aeppli wiegle ab. «Die Verwaltung verbratet Steuergelder, und die Regierung tut nichts», rief Guyer wütend in den Saal. Als nun auch noch SVP-Kantonsrat Hans-Peter Amrein, der Mann mit dem mindestens so nervösen Finger, die Sprechtaste drückte, roch es nach Eskalation. «Ich bin mit Frau Guyer fast nie einverstanden», sagte dieser. Nach einer Kunstpause kam dann die Überraschung: «Aber heute hat Frau Guyer voll und ganz recht.» Weil nun direkt die Pause begann, bildete sich vor Guyers Sitzplatz eine eigentliche Prozession. Aus allen Ratsecken kamen Gratulanten. Peter Preisig (SVP) schüttelte ihr die Hand und sagte: «Esther, du hast zwar fast nie recht – aber wenn du recht hast, dann hast du recht.» Leise tadelte sie bloss Amtskollege Jürg Trachsel, der Fraktionschef der SVP: «Nach dem Regierungsrat zu reden, geziemt sich nicht.» Doch auch ihn konterte Guyer: «Ich rede, wenn ich das Gefühl habe, die Regierung kritisieren zu müssen.» Guyers Ungehörigkeit übrigens wird Folgen haben: Trachsel und CVP-Fraktionschef Philipp Kutter überlegen sich nach Rücksprache mit Moritz von Wyss, dem Leiter der Parlamentsdienste, dieses ungeschriebene Gesetz des letzten Wortes durch ein Regierungsmitglied zu ändern. In Bundesbern beispielsweise gehört dieses dem Kommissionspräsidenten.


Zum Thema Wahlen noch dies: An der FDP-Delegiertenversammlung sagte Kandidatin Carmen Walker Späh, im Tagesanzeiger.ch/Newsnet als «die Stehauffrau mit der Stehauffrisur» beschrieben: «Ich bin überzeugt, mit der FDP gehts jetzt obsi – das sieht man schon an meiner viel diskutierten Obsi-Frisur!»

Erstellt: 26.01.2015, 21:35 Uhr

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