Interview

«Wenn die UBS 2017 wieder zahlt, wird noch etwas übrig sein»

Finanzvorsteher Martin Vollenwyder sagt, Zürich hatte 2011 noch 714 Millionen Franken Eigenkapital. Weil die Grossbanken aber kaum noch Gewinnsteuern abliefern, schmilzt es dahin.

«Dieser Jahresabschluss ändert überhaupt nichts an meiner Einschätzung»: FDP-Stadtrat und Finanzvorsteher Martin Vollenwyder. (2. Oktober 2012)

«Dieser Jahresabschluss ändert überhaupt nichts an meiner Einschätzung»: FDP-Stadtrat und Finanzvorsteher Martin Vollenwyder. (2. Oktober 2012) Bild: Keystone

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Herr Vollenwyder, vor zwei Wochen sagten Sie, von der UBS könne die Stadt Zürich bis 2017 keine Gewinnsteuern mehr erwarten. Was sagen Sie heute?
Das sage ich immer noch. Dieser Jahresabschluss ändert überhaupt nichts an meiner Einschätzung. Ich war heute sogar positiv überrascht und hatte eigentlich einen noch höheren Verlust erwartet, etwa 3,5 Milliarden Franken.

Kann die UBS die Libor-Busse also quasi von der Steuer absetzen?
Das Steuergesetz sieht vor, dass juristische Personen bei der Gewinnsteuer Gewinn mit den Verlusten aus den sieben vorhergehenden Steuerperioden verrechnen können.

Können die Steuerausfälle vonseiten der Grossbanken kompensiert werden, oder droht der Stadtkasse ein grosses Loch?
Wir haben seit 2008 Steuerausfälle von 400 Millionen Franken. Einen Teil kompensierten wir über die Quellensteuer von Zugewanderten, einen anderen über das Wachstum und höhere Grundstückgewinnsteuern. Von 2003 bis 2011 stiegen die Grundstückgewinnsteuern von 76 auf 138 Millionen Franken. Auch dank der Banken: Sie haben in den letzten Jahren einige Liegenschaften veräussert und ansehnliche Grundstückgewinne gemacht. Die Horrorszenarien von Bilanzfehlbeträgen, die uns prophezeit wurden, sind nicht eingetreten. Wir hatten Ende 2011 nach wie vor ein Eigenkapital von 714 Millionen Franken. In den nächsten Jahren werden wir es zwar weiter abbauen müssen; doch 2017, wenn die UBS wieder zahlt, wird noch etwas übrig sein.

Die UBS schreibt einen Verlust von 2,5 Milliarden Franken und schüttet Boni in gleicher Höhe aus. Was sagen Sie dazu – als Ex-Banker?
Die Boni sind neu an die Kapitalquote der Bank gebunden. Wenn diese in den nächsten fünf Jahren schlecht ist, verfallen auch diese Zahlungen. Diese Boni zielen auf eine längerfristig erfolgreiche Tätigkeit der Bank.

Morgen wird die Credit Suisse ihr Ergebnis bekannt geben. Wird sie ab 2014 wieder Steuern zahlen, wie Sie es angekündigt haben?
Wahrscheinlich. Aber nur in homöopathischen Dosen. Wenn wir Glück haben, einen zweistelligen Millionenbetrag.

Sind Sie eigentlich noch stolz darauf, dass Zürich in der Welt als Bankenplatz gilt?
Natürlich. Ich bin auch überzeugt, dass diese Branche in neuem Glanz erstrahlt, sobald sie restrukturiert ist. Das hat sich in der Romandie mit der Uhrenindustrie gezeigt. Die Banken werden uns in Zukunft wieder viel Freude machen.

Im Unterschied zur Uhrenindustrie ist bei den Banken auch das Image angeschlagen.
Das Image unserer Banken wird im Ausland systematisch schlechtgemacht, um von den eigenen Verfehlungen abzulenken. Wenn Sie einen Hund haben, können Sie in Delaware oder Maryland auf dessen Namen ein Schwarzgeldkonto eröffnen. Aber in den USA spricht man lieber von den Schweizer Banken.

Erstellt: 06.02.2013, 06:54 Uhr

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