Wer die Leihvelos in Zürich zerstört

O-Bike oder Lime-Bike haben in Zürich mit Vandalen zu kämpfen, welche die Fahrräder mutwillig beschädigen. Hinweise liefert eine anarchistische Strassenzeitung.

Die Firma Lime-Bike ist der fünfte Player auf dem Markt mit den Leihvelos.

Die Firma Lime-Bike ist der fünfte Player auf dem Markt mit den Leihvelos. Bild: zac

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit vergangenem Donnerstag stehen über 200 neue, giftgrüne Fahrräder an den Strassenrändern Zürichs. Mit der Firma Lime-Bike ist bereits der fünfte Player in den Markt der Leihvelos eingetreten. In den kommenden zehn Tagen sollen in Zürich insgesamt 350 bis 400 Lime-Bikes verfügbar sein, wie Roman Balzan, Pressesprecher des Schweizer Ablegers der amerikanischen Firma, auf Anfrage sagt. Ab Frühling kommen mit dem städtischen Projekt «Züri Velo» noch 2250 weitere Velos dazu. Sie sollen an rund 150 festen Stationen platziert werden.

Nicht alle Zürcherinnen und Zürcher freuen sich offenbar über die günstigen Leihvelos. Ende September sagte ein Sprecher der Singapurer Firma O-Bike der Zeitung «20 Minuten», im internationalen Vergleich würden nirgendwo so viele Fahrräder zerstört wie in Zürich und Winterthur.

Die Vandalen würden Speichen und Bremskabel zerschneiden, Reifen zerstören oder die Fahrräder in der Sihl versenken. Zudem werden auch immer wieder die Codes der O-Bikes übersprayt, mit denen die Velos ausgeliehen werden können. Vereinzelt wurden diese Vandalenakte zur Anzeige gebracht, wie die Stadtpolizei bestätigt.

Mit ähnlichen Problemen hat offenbar die Firma Lime-Bike zu kämpfen. Am Freitag berichtete TeleZüri über den Start der Firma. Dabei fiel dem Lokalsender auf, dass bei einigen Velos bereits der QR-Code übermalt worden war und die Fahrräder nicht ausgeliehen werden können. Ein Augenschein im Kreis 4 zeigt: Zahlreiche Fahrräder wurden in den vergangenen Tagen ebenso manipuliert.

Kampf gegen Überwachung

Ein Hinweis darauf, wer hinter der Zerstörung stehen könnte, lieferte die anarchistische Strassenzeitung «Dissonanz» im vergangenen September. In einem Artikel wurden die Leihvelos als «eine kleine weitere Stufe im grossen technologischen Überwachungs- und Kontrollangriff» bezeichnet. Weiter wird beschrieben, wie man die Fahrräder unbrauchbar machen kann, indem man die Velo-Identifikationsnummer «mit einer Spraydose crosst».

Offenbar stört man sich daran, dass die Anbieter der Leihvelos entsprechende Daten sammeln. Nachdem alle Menschen beim Staat schon in Nummern erfasst seien, würde bald «jeder Gegenstand seine Nummer haben, inklusive GPS», schreibt die Zeitung. Und weiter heisst es in dem Artikel: «Wie also die Nummern ver- und gefälscht, unbrauchbar, -sichtbar und -lokalisierbar gemacht werden können, wird in Zukunft eine Frage sein, die man im besten Fall schon früher gestellt haben wird.» Die Antwort auf diese Frage soll «möglichst radikal ausfallen», heisst es in der «Dissonanz» weiter.

Bei Lime-Bike nimmt man die Zerstörung und die Kritik gelassen. Es seien bloss einige wenige Fälle, in denen die Velos besprayt worden sind, sagt Sprecher Balzan. Die Bevölkerung müsse langsam an das neue Angebot herangeführt werden. «Bei einigen geht es offenbar etwas länger, bis sie die Vorteile erkennen», sagt Balzan. Da müsse man wohl noch Überzeugungsarbeit leisten. Das bisherige Feedback sei aber «überwiegend positiv», sagt Balzan. Ausserdem würde Lime-Bike keine Userdaten speichern oder gar weitergeben. Es würden lediglich die Bewegungsprofile der Fahrräder erfasst und die GPS-Daten den Behörden weitergegeben, damit diese die Infrastruktur der Stadt verbessern könnten.

O-Bike schliesst Datenleck

Dass keine Daten verkauft würden, sagte auch die Firma O-Bike im vergangenen Sommer nach ihrem Start in Zürich. Ende September ergaben Recherchen des «Tages-Anzeigers» dann aber: O-Bike schickt in regelmässigen Abständen Informationen an mehrere Drittanbieter. Darunter auch an die chinesische Datenplattform Umeng mit Sitz in Peking. Unklar ist, welche Daten weitergegeben werden. Umeng ist aber bekannt dafür, dass sie Geodaten von Handyhaltern ausliest und diese mit Angaben über den Gerätetyp oder andere Apps auf dem Handy kombiniert und die Daten verkauft. Die Schnittstelle im Internet, über die der TA herausfand, dass O-Bike Daten herausgibt, ist in der Zwischenzeit geschlossen worden. Welche Daten weitergegeben oder gespeichert werden, bleibt unklar.

Die Vandalenakte und die breite Kritik in der Bevölkerung an den Leihvelos zeigen: Die Firmen haben in Zürich einen schweren Stand. Insbesondere auch, weil die Konkurrenz gross ist. In den chinesischen Städten, in denen sich das Veloverleihsystem mittlerweile etabliert hat, waren es auch zahlreiche Firmen, die auf den Markt drängten. Durchgesetzt haben sich letztlich einige wenige. In den Strassen Zürichs ist der Kampf noch in vollem Gang. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2018, 17:26 Uhr

Artikel zum Thema

Noch mehr Leihvelos für Zürich

Noch vor Weihnachten sollen 480 Velos der US-Firma Limebike die Stadt fluten. Mehr...

O-Bike setzt zum Grossangriff an

Zuerst Zürich, jetzt das Limmattal und bald Winterthur: O-Bike, die Firma mit den knallgelben Mietvelos, treibt ihre Expansion in der Region aggressiv voran. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Ein guter Morgenkaffee ist das Geheimnis eines erfolgreichen Tages

Ob schwarz, gezuckert oder mit Milch – in der Schweiz ist der Morgenkaffee Ritual und fester Bestandteil des Tagesablaufs. Egal wie, egal wo – Kaffeegenuss vereint.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Auf der anderen Seite: Seit nun schon vier Wochen stehen sich Israelis und Palästinenser gewaltsam am Grenzzaun gegenüber. Hier zielt ein junger Mann mit einer Steinschleuder auf israelische Soldaten. (20. April 2018)
(Bild: Mohammed Saber/Epa) Mehr...