Wer soll denn diese Suiten bewohnen?

Am Sonntag eröffnet in Opfikon das Grandhotel Kameha. Wie die Konkurrenz reagiert und was für den Erfolg wichtig ist.

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Im Glattpark in Opfikon öffnet am Sonntag das neue Grandhotel Kameha Grand seine Türen. Das Hotel am Stadtrand bietet 245 Zimmer und exklusive Suiten an. Das Angebot richtet sich einerseits an Geschäftsreisende, andererseits an internationale Gäste, die bislang im Baur au Lac, Dolder, Widder oder Hyatt abgestiegen sind.

Der neue Mitspieler auf dem Markt sorgt in der Zürcher Hotelszene für Gesprächsstoff. Jörg Arnold vom Verein Zürcher Hoteliers sowie Direktor des Hotel Storchen: «Das Kameha ist ein spannendes Projekt. Die Region Zürich bekommt ein Hotel, das nicht zur 08/15-Kategorie zählt.» Wenn allerdings auf einen Schlag über 200 neue Hotelzimmer zur Verfügung stehen, sei klar, dass der Konkurrenzdruck auf einzelne, vor allem kleinere Hotels zunehmen werde. Arnold: «Bis jetzt konnten die meisten Zürcher Hotels pro Jahr zwei Prozent an Wachstum zulegen. Aber es werden weitere Neueröffnungen folgen.»

Er erwähnt das Fünfsternhotel Atlantis Sheraton am Fusse des Uetlibergs, das eine Investorengruppe aus Katar gekauft hat und derzeit für über 60 Millionen Franken saniert wird. Dort sollen 98 Zimmer und Suiten entstehen. Ebenfalls in den Startlöchern steht das Motel One, das in einer Büroliegenschaft an der Brandschenkestrasse 25/Dianastrasse 6 zu einem Hotel mit 380 Zimmern umgebaut wird. Swiss Prime Site investiert in die Umnutzung 50 Millionen Franken. Die Konkurrenzsituation rund um den Flughafen wird sich mit dem Megaprojekt The Circle in Kloten verschärfen. Dort wird 2018 die Hyatt-Gruppe mit zwei Hotels und einem Kongresszentrum einziehen.

Zu wenig neue Gäste

Häufig seien es internationale Ketten, die ihre Hotels in der Region Zürich eröffneten. «Wenn sie aber ihre Hotelzimmer nicht füllen können, senken sie einfach ihre Preise.» Das seien Bedingungen, bei denen private Hoteliers nicht mithalten könnten. Arnold: «In dieser Hinsicht kommt ein grosser Druck auf die Zürcher Hotelbranche zu. Aber damit müssen wir leben.» Und die Frage bleibt: Ob bei diesen vielen neuen Zimmern das Angebot noch gleich gross sei wie die Nachfrage, müsse sich erst noch zeigen.

Auch Werner Knechtli, General Manager des Hotels Radisson Blu am Flughafen, ist der Meinung, dass der Konkurrenzdruck viel härter wird. «Wir haben in und um Zürich zu viele neue Hotelzimmer und zu wenig neue Hotelgäste, das heisst vor allem Firmen.» Da stellt er eine Stagnation fest. Und noch etwas anderes macht ihm Sorgen: die Währungssituation mit dem Euro. «Wir wissen noch nicht, wie sich diese neue Situation auf den Tourismus und das Hotelgeschäft in Zürich auswirken wird.»

Klares Konzept nötig

Wie reagieren die beiden traditionellen Luxushotels The Dolder Resort und Baur au Lac auf die Neueröffnung des Kameha? Im Veranstaltungsbereich werde das Angebot durch das Kameha durchaus erweitert, sagt Marc Jacob, Managing Direktor im Dolder Resort, aber auch hier werde der Kunde entscheiden, welche Faktoren für ihn als Gesamtes für die Location wichtig seien. Jacob: «Man hat in Zürich schon in der Vergangenheit beobachten können, dass ein zusätzliches Angebot auch eine zusätzliche Nachfrage nach sich zieht.» Zudem, so Jacob, verfüge das Kameha Grand mit dem Anschluss ans Marriott über ein bereits bestehendes Gästenetzwerk, das zusätzliche Besucher für Zürich bedeuten könnte.

Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt Wilhelm Luxem. Der General Manager des Hotels Baur au Lac betont, dass Hotels in Randgebieten wie das neue Kameha eine andere Funktion hätten als solche an zentraler Lage. «Wichtig ist, dass neue Hotels mit einem klaren Konzept eröffnet werden.» Oder anders gesagt: Wer im Hotelgeschäft Erfolg haben will, muss für eine breite Klientel massgeschneiderte Produkte anbieten können.

Bei Zürich Tourismus freut man sich auf das neue Hotel. «Wir begrüssen jede Neueröffnung, die das touristische Angebot der Region Zürich vielfältiger macht», sagt Sprecherin Milena Brasi. «Nicht zuletzt gibt es wieder neue Seminar- und Eventmöglichkeiten.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.02.2015, 12:13 Uhr

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