Parlamentswahlen in Zürich

Wer zittern muss, wer hoffen darf

Die Parteien haben ihre Hochburgen und ihre Problem-Wahlkreise. Der TA zeigt neun Tage vor den Gemeinderatswahlen auf, wer in welchen Kreisen zittern muss oder hoffen darf.

Endspurt im Wahlkampf: Zürcher Parteien und Politiker werben intensiv um Wählerstimmen.

Endspurt im Wahlkampf: Zürcher Parteien und Politiker werben intensiv um Wählerstimmen. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Wahlkreis 1+2 (12 Sitze)
FDP will Sitz zurückgewinnen
Im Wahlkreis 1+2 (Altstadt und Wollishofen, Enge, Leimbach) ist die FDP zweitstärkste Partei, dennoch hat sie nur zwei Sitze – einen weniger als die Grünen mit deutlich kleinerem Wähleranteil. Das hat mit Simon Kälin zu tun, der 2010 für die Freisinnigen gewählt wurde, dann aber zu den Grünen wechselte, für die er diesmal im Kreis 7+8 antritt. Jetzt versucht die FDP mit der Physikerin Lisa Magdalena Willenegger ihren dritten Sitz zurückzuholen. Wahlsieger 2010 waren die Grünliberalen mit Samuel Dubno, der auch diesmal die Liste anführt und sich gleichzeitig für den Stadtrat bewirbt. Der Sitzgewinn der GLP ging auf Kosten der SP, die ihren vierten Sitz verlor, der allerdings schon 2006 gewackelt hatte. Die SVP hat zwei Sitze. Ihre Spitzenkandidatin ist Hedy Schlatter, die in den letzten Wochen für Schlagzeilen gesorgt hat, weil sie trotz Millionenvermögen eine günstige städtische Wohnung belegt. Den einen Sitz der CVP versucht Christian Traber zu halten. Alle bisherigen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte treten wieder an. (jr)


Wahlkreis 3 (15 Sitze)
Fest in rot-grüner Hand
Die stärkste Partei ist die SP mit sechs Sitzen, und das, obwohl sie 2010 zwei Sitze abgeben musste. Sie setzt alles daran, mindestens einen Sitz zurückzuerobern. Spitzenkandidaten sind Rebekka Wyler und Mark Richli. Zu einem Rücktritt kommt es bei der SVP: Die ehemalige Gemeinderatspräsidentin Marina Garzotto verabschiedet sich aus der Politik. Den SVP-Spitzenplatz nimmt Parteipräsident Roger Liebi ein, gefolgt von Roland Scheck, der zudem gern Stadtrat werden möchte. Bei den Grünen steht Gemeinderatspräsident Martin Abele auf dem Spitzenplatz, gefolgt von Markus Kunz. Ein eher hartes Pflaster ist der Kreis 3 für die FDP, die ihren Sitz mit Cäcilia Hänni-Etter verteidigen will. Ein zweiter Sitz dürfte Wunschdenken bleiben, zumal die FDP die Konkurrenz der Grünliberalen spürt, die bei den letzten Wahlen zwei Sitze gewonnen haben. Der Spitzenkandidat der CVP heisst Markus Hungerbühler, bei der EVP will Richard Rabelbauer neu einen Sitz ergattern. Für die AL verteidigt Walter Angst seinen bisherigen Sitz.(wsc)


Wahlkreis 4+5 (13 Sitze)
Prominente Zugpferde
In dem traditionell linken Wahlkreis verfügen die Sozialdemokraten über vier Sitze, Grüne, GLP und AL über je zwei, SVP, FDP und CVP über je einen Sitz. Auffallend: Hier stellen sich gleich drei Fraktionschefs zur Wiederwahl: Min Li Marti (SP), Gian von Planta (GLP) und Karin Rykart (Grüne). Bis vor kurzem war die Elefantenrunde noch grösser: SVP-Fraktionschef Mauro Tuena trat ebenfalls hier an, hat jetzt aber in den Kreis 10 gewechselt. Sogar ein fünfter Fraktionschef stammt aus dem Wahlkreis 4+5: Alecs Recher (AL). Doch er tritt nicht mehr an. Dafür will es AL-Urgestein Niklaus Scherr nochmals wissen. Hinter ihm auf der Liste folgt Ezgi Akyol. Die SP hofft, den 2010 verlorenen Sitz zurückzuholen. Hinter den Bisherigen Marti, Katrin Wüthrich, Peter Küng und Patrick Huber folgt Christof Nestel. Bei den Grünen belegen hinter Rykart Stadtratskandidat Markus Knauss und Nils Epprecht die Spitzenpositionen. Die GLP, die vor vier Jahren stark zulegte, setzt neben von Planta auf den Bisherigen Guido Hüni. Bei der SVP ruhen die Hoffnungen auf Stefan Urech, bei der FDP kandidiert der Bisherige Joachim Hagger nicht mehr. Den Sitz soll Elisabeth Schoch retten. Für die CVP versucht Marcel Schönbächler den Sitz zu verteidigen. (mth)


Wahlkreis 6 (10 Sitze)
Alle treten wieder an
In Unterstrass und Oberstrass ist die Sitzverteilung austariert: 4 SP, 1 Grüne, 2 SVP, 2 FDP und 1 GLP. Vor vier Jahren verloren CVP und EVP ihre Mandate zugunsten der Volkspartei und der Grünliberalen. Womit die SVP gut bedient war, sank ihr Wähleranteil doch von 14,4 auf 13,4 Prozent. Auch die SP (–2,2 Prozent), die FDP (–1,6 Prozent) und die Grünen (–0,7 Prozent) verloren Wähler, jedoch keine Sitze. Zulegen beim Wähleranteil konnten damals einzig die Grünliberalen, die von 3,9 auf 12,1 Prozent wuchsen, sowie die Alternativen (von 3,4 auf 4,1 Prozent). In den Kantonsratswahlen 2011 setzte sich der Schwund der Bürgerlichen fort. Hält dieser Trend an, stehen die Sessel der SVP und der FDP auf unsicherem Terrain. Leicht zulegen konnten vor drei Jahren wieder SP und Grüne, stark legten die Grünliberalen zu. Sie können sich berechtigte Hoffnungen auf einen Sitzgewinn machen, ein bisschen auch die Grünen. Alle Parteien im Kreis 6 hoffen auf den Vorteil, dass sie mit ihren Bisherigen antreten können. (jr)


Wahlkreis 7+8 (16 Sitze, –1)
Zweikampf SP gegen FDP am Zürichberg
Stärkste Partei in der ehemaligen FDP-Hochburg ist die SP mit fünf Sitzen. Sie verteidigt diese mit den fünf bisherigen Ratsmitgliedern, angeführt von Joe Manser, der seit 1989 im Gemeinderat ist. Die FDP schaffte 2006 zwar ebenfalls fünf Sitze, verlor jedoch einen, weil Peter Püntener zuerst zu den Grünliberalen wechselte und später nach einem Rauschmittelverfahren das Parlament verlassen musste. Wie bereits 2010 will die FDP den fünften Sitz zurückgewinnen, diesmal mit dem Ökonomen Marc Schlieper. Spitzenkandidat ist Urs Egger, auf ihn folgen die Bisherigen Severin Pflüger, Marc Bourgeois und Tamara Lauber. Gewinnerin der letzten Wahlen war die GLP, die ihren Wähleranteil von 3,7 auf 11,3 Prozent erhöhte und so zwei Sitze gewann. Ihr Spitzenkandidat ist Co-Präsident Martin Luchsinger. Bei den Grünen kämpfen drei Bisherige, angeführt von Christina Hug, um wahrscheinlich zwei Sitze. Auch die SVP hat bisher zwei Sitze eingenommen. Hinter Urs Fehr kandidieren Nina Fehr Düsel, die auch in den Stadtrat will, und ihr Mann, Thomas Düsel. Monika Erfigen tritt nicht mehr an. CVP und EVP haben je einen Sitz und versuchen ihn mit den Bisherigen Karin Weyermann und Martin Mächler zu halten. Die AL will ihren 2010 verlorenen Sitz mit Corinne Schäfli zurückgewinnen. (mom)


Wahlkreis 9 (16 Sitze)
Kann die EVP ihren einzigen Sitz behalten?
Der Wahlkreis 9 mit Altstetten, Albisrieden und der Grünau ist eine Hochburg der SVP. Sie kommt hier auf vier Sitze. An der Listenspitze steht Margrit Haller, vor Rolf Müller und Roger Bartholdi. Ruth Anhorn tritt nicht mehr an. Auch bei der FDP gibt es einen Rücktritt: Urs Schmid hört auf. Auf dem ersten Platz steht erneut der im Quartier gut bekannte Albert Leiser, Direktor des städtischen Hauseigentümerverbands, gefolgt von Marcel Müller, dem Präsidenten der Kreispartei. Die stärkste Partei ist mit fünf Sitzen die SP, die mit dem Spitzenkandidaten Davy Graf Füchslin und den Bisherigen Christine Seidler, Alan David Sangines, Nicolas Esseiva und Pascal Lamprecht ihre Stärke behalten will. Die Grünen mit dem Spitzenkandidaten Matthias Probst könnten einen zweiten Sitz gewinnen. Denn der zweite Listenplatz ist mit Katharina Prelicz-Huber, der ehemaligen Gemeinde-, Kantons- und Nationalrätin, prominent besetzt. Bei der CVP ist Mario Mariani ein sicherer Wert. Die EVP hofft, in diesem Wahlkreis wieder die 5-Prozent-Hürde zu überspringen, was ihr 2010 gelang. Ihren einzigen Sitz will sie mit Gerhard Bosshard verteidigen. Spannend bleibt auch, ob die Schweizer Demokraten mit Christoph Spiess ihren Sitz halten können. (wsc)


Wahlkreis 10 (12 Sitze)
Spitzenkandidat Tuena gegen EVP-Hoffnung Rabelbauer
In Wipkingen und Höngg machten die links-grünen Wähler bisher knapp die Hälfte aller Wähler aus, und diesmal könnte ihr Anteil noch steigen. Die SP erzielte 2010 einen Wähleranteil von 31,4 Prozent und konnte trotz Einbussen von 3,8 Prozent ihre vier Sitze halten. Alle Bisherigen, mit der 35-jährigen Simone Brander an der Spitze, treten wieder an. Bei der SVP führt Fraktionschef Mauro Tuena, der den Wahlkreis gewechselt hat, die Liste an. Der zweite Sitz ist der SVP wohl sicher. Den dritten Sitz, den sie vor vier Jahren verloren hat, dürfte sie kaum zurückerobern. Die FDP versucht, ihre beiden Sitze mit Alexander Jäger und Claudia Simon zu halten. Ihr im Nacken sitzen die Grünen und die GLP, die beide einen zweiten Sitz dazugewinnen möchten. Die AL dürfte ihren Sitz dank der Popularität von Stadtrat Richard Wolff verteidigen. Die EVP versucht, die 5-Prozent-Hürde erneut zu knacken. Ihre Hoffnungen ruhen auf Claudia Rabelbauer-Pfiffner. Schwierig dürfte es die CVP haben, den vor vier Jahren verlorenen Sitz zurückzugewinnen. (ema)


Wahlkreis 11 (22 Sitze, +1)
Wie wirkt sich das starke Bevölkerungswachstum aus?
Als bevölkerungsstärkster Wahlkreis entschied der Kreis 11 bereits vor vier Jahren über 21 der 125 Parlamentssitze. Aufgrund der starken Bevölkerungszunahme kommt bei der anstehenden Gemeinderatswahl ein weiterer Sitz hinzu. Der Ausländeranteil ist mit 35 Prozent einer der höchsten in Zürich. Die SVP errang bei den letzten Stadt- und Gemeinderatswahlen fünf Sitze – einen weniger als die SP. Die FDP als drittstärkste Kraft errang zwei Sitze, die Grünen ebenfalls. Auch die Grünliberalen haben zwei Sitze, CVP, EVP, AL und SD je einen. Einer der bekannteren SP-Gemeinderäte aus dem Kreis 11 ist der Sozialdemokrat Kyriakos Papageorgiou. Von der SVP muss der griechischstämmige Papageorgiou regelmässig Seitenhiebe parieren, wenn der Gemeinderat über die Budgetpolitik diskutiert. Der evangelikale SVP-Gemeinderat Daniel Regli macht vor allem mit seinen konservativen familienpolitischen Vorstellungen auf sich aufmerksam. (ame)


Wahlkreis 12 (9 Sitze)
Die Kleinparteien such ihr Glück in Schwammendingen
Es ist kein Zufall, dass bürgerliche Kleinstparteien mit grossen Listen im Kreis 12 ihr Glück suchen: Hier halten die Bürgerlichen mit fünf der neun Gemeinderatssitze die Mehrheit, die SVP legte beim Wähleranteil vor vier Jahren zu, die SP verlor. Und die Schweizer Demokraten übersprangen hier die 5-Prozent-Hürde. Dies sicherte ihnen die Sitze im Gemeinderat – auch wenn sie in Schwamendingen selbst kein Mandat holten. Diesmal treten sie mit einer Siebnerliste an. Die BDP und die EDU versuchen es mit einer Fünfer- beziehungsweise Siebnerliste. Doch die Konkurrenz für die drei Kleinen ist gross: Die SVP tritt mit ihren drei bisherigen Gemeinderäten an: Bernhard Imoberdorf, Kurt Hüssy und Heinz Schatt. Die FDP steigt mit Fraktionspräsident Roger Tognella ins Rennen, die CVP mit ihrem Fraktionschef Jean Claude Virchaux. Den einzigen Rücktritt hat im Kreis 12 mit Elisabeth Makwana-Boss die SP zu verzeichnen; Dorothea Frei und Marcel Savarioud (beide SP) treten dagegen nochmals an. Frei wird bei einer Wiederwahl die nächste Gemeinderatspräsidentin. Die Grünen kommen mit dem Bisherigen Felix Moser. Ob ein allfälliger Sitzgewinn der Grünliberalen in Schwamendingen auf Kosten der Bürgerlichen oder der Linken geht, ist schwer zu sagen. (zet)

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Erstellt: 31.01.2014, 09:52 Uhr

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