Widerstand gegen Kinderbetreuung im Bundesasylzentrum

Im geplanten Bundesasylzentrum im Zürcher Kreis 5 soll es eine Kindertagesstätte geben. In der FDP regt sich dagegen Widerstand.

Platz für 500 Asylsuchende in einem Bundeszentrum: Duttweiler-Areal im Zürcher Kreis 5.

Platz für 500 Asylsuchende in einem Bundeszentrum: Duttweiler-Areal im Zürcher Kreis 5. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Der Zürcher Stadtrat hat erstmals einen Einblick gegeben, wie das im Kreis 5 geplante Bundesasylzentrum ausgestaltet werden soll. In einer Antwort auf eine Anfrage von AL-Gemeinderat Walter Angst gibt der Stadtrat an, dass unter anderem auch Räumlichkeiten für die Kinderbetreuung vorgesehen seien. Dieser Plan stösst nun bei FDP-Gemeinderat Marc Bourgeois auf Kritik.

«Asylbewerbern, die genug Zeit für die Kinderbetreuung haben, soll dies nun gratis und franko zur Verfügung gestellt werden, während einheimische Familien, die dringend einen Krippenplatz brauchen, sich diesen oft kaum leisten können», erklärt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Aus eigener Erfahrung wisse Bourgeois, wie schwierig es in der Stadt Zürich sei, sich als Familie eine Kinderbetreuung zu leisten. «Oft lohnt es sich kaum, dass der zweite Elternteil arbeitet, weil die Angebote schnell ins Geld gehen.»

Luxus oder Notwendigkeit?

Die Stadt Zürich gehe mit ihren Plänen schlicht zu weit. «Die Vorgaben des Bundes dazu sind sehr allgemein gehalten.» Deshalb habe man durchaus Spielraum bei der Ausgestaltung. Zwar könne eine Kinderbetreuung in Einzelfällen Sinn machen – zum Beispiel bei schwer traumatisierten Familien. «Die meisten Asylbewerber sind aber Wirtschaftsflüchtlinge, die staatliche Betreuungsangebote aus ihren Herkunftsländern nicht kennen.» Deshalb mache es in der Anfangsphase des Asylprozesses keinen Sinn, «sie an einen Luxus zu gewöhnen, den sie bei einer Rückkehr in ihr Heimatland nicht mehr vorfinden».

Tatsächlich gibt es keine Vorgaben, die eine Kindertagesstätte in einem Bundesasylzentrum vorschreiben, wie Gaby Szöllösy vom Bundesamt für Migration erklärt: «Doch bemüht sich der Bund stets, die Kinder während gewisser Stunden am Tag zu betreuen. Dies aufgrund der Erfahrung, dass dies zu einem guten Klima im Bundeszentrum beiträgt.»

Beschäftigungsprogramme als Grund

Laut Thomas Meier, Leiter Kommunikation beim städtischen Sozialdepartement, sind Kinderbetreuungsangebote auch aus anderen Gründen notwendig: «Die Asylbewerberinnen und -bewerber im Zentrum nehmen Termine im Rahmen des Asylverfahrens wahr, und sie nehmen auch an Beschäftigungsprogrammen teil.» Zudem befänden sich viele in schwierigen persönlichen Situationen und bräuchten in der Kinderbetreuung Unterstützung.

Dies leuchtet Gemeinderat Bourgeois nur teilweise ein. Es gehe ihm nicht darum, dass man Flüchtlingskinder vernachlässige. «Das Recht auf Schule steht ausser Frage.» Er könne aber nicht verstehen, weshalb man durch Drittpersonen geführte Entlastungsangebote für deren Eltern anbieten müsse, die in vielen Fällen die Schweiz wieder verlassen müssen. «Erst bei vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen macht es Sinn, Integrationsangebote anzubieten, davor sicher nicht.» Dennoch will er keinen politischen Vorstoss lancieren: «Der hätte im rot-grünen Zürich keine Chance. Nur eine bürgerliche Wende bei den nächsten Wahlen kann hier helfen.»

Erstellt: 06.06.2013, 14:40 Uhr

«Asylbewerbern, die genug Zeit für die Kinderbetreuung haben, soll dies nun gratis und franko zur Verfügung gestellt werden»: Marc Bourgeois, FDP-Gemeinderat.

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