Wie Kinder ohne Qual schlanker werden

Wenn Kinder vor der Schule frühstücken, schneiden sie im Sport besser ab und sind schlanker. ETH-Forscher sind überrascht vom Ausmass der Unterschiede.

Hilft gegen die Müdigkeit: Kind beim Frühstück.

Hilft gegen die Müdigkeit: Kind beim Frühstück. Bild: Flickr/Imelda

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Viele Eltern müssen jeden Morgen kämpfen, damit ihre Kinder an den Tisch kommen. «Ich will nicht, ich habe keinen Hunger, ich habe keine Zeit.» Doch der Einsatz der Eltern lohnt sich, wie eine gestern veröffentlichte ETH-Studie zeigt. Rund 650 Winterthurer Zweit- und Drittklässler mussten dazu einen Sporttest absolvieren – unter den Augen von ETH-Forschern, welche die Resultate auch ernährungswissenschaftlich auswerteten.

Das ETH-Labor für Humanernährung hat nun festgestellt, dass die sportliche Leistungsfähigkeit der 7- bis 10-jährigen Kinder erheblich höher ist, wenn sie am Morgen essen. In drei von fünf Disziplinen haben die frühstückenden Kinder signifikant besser abgeschnitten.

Grosse Unterschiede beim Pendellauf

Am grössten waren die Unterschiede bei einem Pendellauf. Kinder, die regelmässig frühstücken, bewältigten in der vorgegebenen Zeit durschnittlich 41,8 Längen, während Kinder, die fast nie oder nur am Wochenende frühstücken, nur 29,8 Längen schafften. Den 20-Meter-Sprint liefen die Frühstücker im Schnitt in 4,3 Sekunden. Die anderen brauchten 4,7 Sekunden. Und auch beim Weitsprung aus dem Stand gab es einen klaren Unterschied. Die Frühstücker sprangen 124 Zentimeter weit, die anderen nur 115 Zentimeter.

Die beiden Kindergruppen unterscheiden sich auch, was ihr Körpergewicht betrifft. Jene, die kaum frühstücken, haben im Schnitt einen um zwei Punkte höheren Body-Mass-Index, sind also häufiger übergewichtig. Studienleiterin Isabelle Aeberli spricht von einer «erschreckend hohen Differenz».

Mehr Hunger ohne Morgenessen

Woher die Unterschiede kommen, kann Aeberli nicht mit Sicherheit sagen. Womöglich sei der Hunger im Laufe des Tages grösser, wenn man am Morgen keine Nahrung zu sich nehme. So werde das Kaloriendefizit im Laufe des Tages überkompensiert. Von zu üppigen Abendessen rät Aeberli ab. Weil der Mensch in der Nacht weniger Energie braucht, wandeln sich die am Abend aufgenommenen Energiereserven im Schlaf eher in Fett um.

Aeberli empfiehlt darum für Kinder ein reichhaltiges Frühstück – am besten Früchte, Vollkorn- und Milchprodukte. Die bei den Winterthurer Kindern besonders beliebten gesüssten Cornflakes sind gemäss Aeberli weniger geeignet, da der Zuckerschub die Kinder nicht lange genug mit Energie versorgt.

Erfreulich ist, dass von den getesteten 650 Kindern fast 500 regelmässig frühstücken. Nur 45 gaben an, am Morgen fast nie zu essen. Gut 100 frühstücken immerhin gelegentlich.

Bei Erwachsenen ist es anders

Ob die Forschungsresultate auch für Erwachsene gültig sind, ist unklar. Eine Studie des Münchner Klinikums rechts der Isar hat kürzlich ergeben, dass übergewichtige Menschen nicht automatisch abnehmen, wenn sie regelmässig frühstücken. Im Gegenteil: Gemäss der Studie essen die Frühstücker im Laufe des Tages nicht weniger als jene, die am Morgen nichts zu sich nehmen. Probanden, die am Morgen 400 Kalorien aufnahmen, hatten am Abend genau diese 400 Kalorien mehr intus als jene, die nicht frühstückten.

Der Münchner Ernährungsmediziner Volker Schusdziarra rät darum den Übergewichtigen, die Kalorienmenge beim Morgenessen zu reduzieren. Allerdings empfiehlt auch er keinen Totalverzicht aufs Frühstück. Besser sei es, die Ernährung dauerhaft umzustellen und fünfmal am Tag Obst oder Gemüse zu essen.

Erstellt: 30.08.2012, 10:19 Uhr

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