Wie Zürcher Singles im Herbst einen Partner finden

Statt mit einer Internetanzeige sollen sich Singles mit einem T-Shirt auf Partnersuche machen. Eine ähnliche Idee scheiterte bereits. Ein Flirtcoach nennt den Grund – und empfiehlt eine andere Methode.

Sucht im Hauptbahnhof nach seiner grossen Liebe: Romeo Arn wird unterstützt von Rahel.

Sucht im Hauptbahnhof nach seiner grossen Liebe: Romeo Arn wird unterstützt von Rahel. Bild: ZVG

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Der Sommer verabschiedete sich abrupt. «Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben», prophezeite Rainer Maria Rilke in einem seiner Gedichte, das den Herbst einläutete. Was können Zürcher Singles unternehmen, wenn sie die dunklen Winterabende nicht alleine verbringen wollen?

Raphael Arn und sein Bruder Romeo sind beide alleinstehend und haben unterschiedliche Formen der Kontaktaufnahme ausprobiert – meist im Internet. Nun wollen sie auf andere Weise ihr Glück versuchen. Am letzten Samstag versuchten sie die Blicke der Passantinnen im Zürcher Hauptbahnhof auf sich zu ziehen. Dazu trugen sie T-Shirts, die sie auch an andere verkaufen wollen. Auf dem Shirt befindet sich gut ersichtlich eine Nummer und eine Internetadresse, über die sie von Interessierten kontaktiert werden könnten.

Partnersuche wieder im realen Leben

Die Idee ist nicht ganz neu. Bereits 1997 lancierten mehrere Zürcher Kreative unter dem Namen skim.com eine Kleider- und Taschenkollektion, die mit gut sichtbaren Nummern versehen war. Der Zahlencode diente als Mailadresse, über die man mit der Unbekannten, die man an der Bushaltestelle gesehen hatte, in Kontakt treten konnte. Das Projekt war ein Misserfolg. Damals war die Zeit für einen Brückenschlag zwischen realer und digitaler Welt vermutlich noch nicht reif.

15 Jahre später soll dies nun anders sein. Einerseits spriessen Online-Dating-Foren in der Zwischenzeit wie Pilze aus dem Boden. Andererseits glauben die Gebrüder Arn, dass viele Partnersuchende genug vom digitalen Flirt haben: «Im Gegensatz zu Dating-Foren ist bei uns alles anonym. Es gibt auch keine Profilangaben», denn diese würden oft zu verzerrten Erwartungen führen. Manchmal würden die Frauen und Männer auf Schatz-Suche jedoch auch direkt angesprochen. «Ich denke es hilft bereits, wenn das Gegenüber merkt, dass die Person offen für Bekanntschaften ist.»

Doch auch der Absatz der T-Shirts der Gebrüder Arn harzt: Im letzten Jahr verkauften sie lediglich 15 Stück, fast gleich viele Frauen wie Männer finden sich unter den Abnehmern. Raphael Arn führt dies darauf zurück, dass das Projekt noch relativ unbekannt sei.

«Frontalangriffe verhindern»

Der Zürcher Flirtcoach Thomas Peter sieht das Problem nicht im Bekanntheitsgrad: «Ich denke, solche Shirts oder Autokleber, die es ja auch schon gab, wirken albern». Wer mit einem T-Shirt auf Partnersuche gehe, erwecke den Eindruck krampfhaft zu suchen und das komme beim anderen Geschlecht nun mal nicht sehr gut an.

Die erfolgreichste Methode sei immer noch, mit einer positiven Einstellung auf andere Menschen zuzugehen, ohne jedoch zu offensichtlich zu baggern: «Frontalangriffe führen zu Abwehrreaktionen.» Peter empfiehlt stattdessen, das Objekt der Begierde in einer unverbindlichen Situation nach seiner Meinung zu fragen. «Wenn ein Mann in der Warteschlagen beim Einkaufen eine hübsche Frau sieht, kann er sie durchaus rasch um Rat zu einem Produkt fragen und schon sind beide in ein Gespräch verwickelt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.09.2012, 15:04 Uhr

Die Serie

Das Team des Ressorts Zürich von Tagesanzeiger.ch/Newsnet widmet sich in der Serie «Die Zürcher und ihr Liebesleben» in loser Folge den verschiedenen Aspekten rund um die Thematik Liebe, Paarbeziehungen und Single-Leben.

In der Serie bereits erschienen ist der Artikel «In der Flirtzone liegen viele Minenfelder»

«In der Horizontalen spielt der Grössenunterschied keine Rolle»

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