Wieder büffeln - aber nur für Lehrpersonen

In Zürich lernen Lehrerinnen und Lehrer in der ersten Schulwoche, was mit dem neuen Schulgesetz für sie alles anders wird - die Kinder haben eine Woche länger Sommerferien.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vor dem Coop in der Grosswiesenstrasse in Schwamendingen hocken braungebrannte Primarschüler mit ihren Velos und kauen Kaugummi. Nebenan im Schulhaus Hirzenbach, wo sie zur Schule gehen, sitzen am ersten Schultag «nur» die Lehrerinnen und Lehrer. Vor ihnen flimmert auf einer Leinwand die alte Hausordnung. Nach dem Schulhausumbau muss sie überarbeitet werden. Was soll zum Beispiel im Innenhof erlaubt sein? Wie stehts mit Skateboards, Ballspielen? Zu gefährlich, zu nervig, meinen die einen. Nur in Begleitung von Erwachsenen oder nur mit Softballs, schlagen andere vor. Und wie soll man Verstösse ahnden? Zur Strafe die Hausordnung abschreiben lassen, findet eine Lehrerin stupid: «Das beeindruckt die Kinder nicht.» In ihrer Klasse würden die Schüler Hausordnungen auf Vorrat schreiben, um im Fall der Fälle keinen Aufwand mehr zu haben. Gelächter in der Runde. Die fünf Lehrer und weit über 30 Lehrerinnen im Primarschulhaus Hirzenbach diskutieren mit Elan - von Frust ist nach den langen Ferien nichts zu spüren.

«Pädagogische Teams» gebildet

Grund für den ungewöhnlichen Schulbeginn ohne Kinder ist das neue Volksschulgesetz, das derzeit umgesetzt wird. Es bringt Blockzeiten, eine neue Schulaufsicht, ausserschulische Betreuung, ein neues Finanzierungsmodell und die Integrative Förderung (IF), was in den Schulen besonders viel zu reden gibt. Schülerinnen und Schüler mit speziellen Bedürfnissen sollen wenn möglich nicht mehr in Kleinklassen abgeschoben, sondern in den normalen Klassen speziell gefördert werden. Auch in den meisten Landgemeinden ist eine Weiterbildungswoche zum Volksschulgesetz vorgesehen. Teilweise nach den Herbst-, teilweise nach den Frühlingsferien.

Im Schulhaus Hirzenbach ist Integrative Förderung kein Fremdwort mehr, da man schon seit acht Jahren nach diesem Modell unterrichtet. Doch neu wurden «pädagogische Teams» gebildet, denen alle Lehrerinnen und Lehrer angehören, die an den Klassen des gleichen Jahrgangs unterrichten: Klassenlehrpersonen, Förderlehrer, Heilpädagoginnen, Handarbeitslehrerinnen und Hortleiter. In dieser Woche sollen sich diese Teams organisieren. «Das ist eine grosse Herausforderung, da die meisten Lehrerinnen heute Teilzeit arbeiten», sagt Schulleiterin Patricia Meyer-Jung.

Teamarbeit in der 5. Ferienwoche?

Auch die Lehrpersonen sind froh um diese zusätzliche Vorbereitungswoche. 4.-Klass-Lehrer Peter Blöchlinger freut sich, mit seinen Arbeitskolleginnen, von denen er viele nur aus den Pausen kennt, vertiefter und in entspannter Atmosphäre zu reden. Für ihn wäre es wünschenswert, diese Woche jedes Jahr in der letzten Ferienwoche abzuhalten. «Wir sollten uns mehr Zeit nehmen für den informellen Austausch.» 1.-Klass-Lehrerin Elisabeth Sidler und 5.-Klass-Lehrerin Bettina Bally wünschen sich, in dieser Woche einen besseren Überblick zu erhalten. «Das ist nicht einfach bei den vielen Projekten der letzten Jahre», sagt Bally. Heilpädagogin Cathrine Spöhel hofft, dass sich ihr pädagogisches Team auf die Art der Zusammenarbeit einigen kann: «Wir kennen uns nicht alle so gut und haben unsere engsten Arbeitskolleginnen nicht selber gewählt.»

Besonders hohe Erwartungen haben die Kindergärtnerinnen. Viele von ihnen arbeiten in Kindergärten im Quartier ausserhalb des Schulareals und fühlen sich manchmal etwas vom Team abgeschnitten. Insbesondere wollen sie darauf drängen, dass sie in ihren Kindergärten einen Computer erhalten, um wenigstens per Mail mit der Zentrale im Schulhaus verbunden zu sein. Auf eine bessere Vernetzung hoffen auch die Leiterinnen und Leiter der angegliederten Kinderhorte.

In diversen Medien haben sich Eltern darüber geärgert, dass ihre Kinder eine sechste Woche schulfrei haben. Laut dem Pressesprecher des Schuldepartementes, Marc Caprez, ist allerdings aus der ganzen Stadt keine einzige Reklamation eingegangen. Eltern können die Kinder in den städtischen Horten betreuen lassen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.08.2008, 22:24 Uhr

TA Marktplatz

Blogs

History Reloaded Warum Spanien als Nation scheitert

Sweet Home Die Farbe, die allen gefällt

Sponsored

Baumkronen und Melkcomputer

Der Bauernalltag ist nicht nur ein Knochenjob, sondern auch eine Wissenschaft. Für eine Städterin gibt es viel zu lernen. (Teil 4/4)

Die Welt in Bildern

Alpaka trifft Kuh: 131 Lamas und Alpakas ziehen von der Alp Gorneren und der Griesalp im Kientla zurück ins Tal und beschnuppern beim Vorbeigehen die einheimischen Arten (26. September 2017).
(Bild: Urs Flüeler) Mehr...