Stadionabstimmung

«Wir beginnen nicht wieder mit planen, das wäre eine ‹Chalberei›»

Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) ist enttäuscht über das Abstimmungsresultat und will «zu gegebener Zeit» mit der CS Gespräche über die Zukunft des Hardturmareals aufnehmen.

«Ich bin sehr enttäuscht»: Hochbauvorsteher André Odermatt (SP).

«Ich bin sehr enttäuscht»: Hochbauvorsteher André Odermatt (SP). Bild: Patrick B. Krämer/Keystone

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Herr Odermatt, knapper hätten Sie diese Abstimmung kaum verlieren können. Wie fühlen Sie sich?
Ich bedaure den Entscheid und bin sehr enttäuscht. Auch wenn es ein sehr knappes Votum ist, gilt nun: Zürich erhält kein Fussballstadion.

Für Sie ist es definitiv vom Tisch?
Wir haben es auf zwei Arten versucht: Die CS ist mit einer kommerziellen Mantelnutzung gescheitert. Wir von der Stadt her mit einem ganz anderen Projekt – einem Stadion mit einer Mantelnutzung mit gemeinnützigen Wohnungen. Das gilt es jetzt zu respektieren. Wir beginnen sicher nicht wieder mit einer Planung, das wäre eine «Chalberei».

2003 sagten die Zürcher deutlich Ja zu einem Fussballstadion, das am Widerstand der Anwohner aber gescheitert ist. Warum hat die Meinung der Stimmbevölkerung gekehrt?
Das hat ganz verschiedene Gründe. Das geht von der Sicherheit über die Frage der Hooligans bis zur Grösse des Stadions. Aber auch die Art der Finanzierung spielte eine Rolle. Und dass die öffentliche Hand die Investitionen übernommen hätte und die Stadt Beiträge an die Clubs hätte leisten müssen. In der Summe hat uns das die wenigen Stimmen gekostet, die es zu einer Zustimmung gebraucht hätte.

Es ist ein Zufallsresultat. Hat die Stadt einen Fehler gemacht?
Wir haben alles gegeben. Wir versuchten immer, alles sehr transparent darzustellen. Manchmal entwickelt sich eine Dynamik, der man nichts entgegensetzen kann. So ist es gekommen.

Die SP als grösste Partei der Stadt hat an der Delegiertenversammlung sehr deutlich Ja gesagt zum Stadion, im Abstimmungskampf hat sie sich aber kaum exponiert. Hat Ihre Partei Sie im Stich gelassen?
Das sehe ich anders.Die SP hat sich sehr engagiert und als einzige Partei eine Medienkonferenz zu den Abstimmungen auf dem Hardturmgelände organisiert. Um die Frage des Fussballstadions mit der Wohnüberbauung zu verknüpfen.

Haben Sie einen Plan B?
Der Letzigrund wird die Spielstätte bleiben für GC und den FCZ. Wir haben sonst kein anderes Grundstück, auf dem wir ein Stadion bauen könnten.

Wird die Stadt den Letzigrund für den Fussball attraktiver machen?
Ein paar wenige Massnahmen sind geplant. Aber der Letzigrund lässt sich nicht zu einem Fussballstadion umbauen. Das haben wir vor der Abstimmung gesagt, daran hat sich nichts geändert.

Welche Massnahmen?
Es handelt sich um Drehkreuze bei den Eingängen und Netze im Stadion. Das sind Auflagen der Fussballliga.

Das Land gehört momentan der Stadt. Sie sagten vor der Abstimmung, bei einem Nein müssten Sie dieses der CS zurückverkaufen. Ist das nun tatsächlich so?
Wir werden zu gegebener Zeit mit der CS ein Gespräch führen und dann weitersehen. Wir werden mit der Credit Suisse eine Auslegeordnung machen.

Die Bevölkerung hat überaus deutlich Ja gesagt zur Wohnüberbauung. Wird das bei den Gesprächen ein Thema sein?
Trotz des Resultats: Dieses Wohnprojekt kann nicht realisiert werden.

Möchten Sie das Land behalten?
Es ist ein interessantes Areal – sowohl für die Stadt als auch für die CS.

Sie wollen dazu nichts sagen?
Nein.

Was passiert, falls doch noch eine Investorengruppe auftaucht für ein neues Stadion?
Dann müsste die Stadt mit den Investoren und der CS zusammensitzen. Die Stadt könnte nicht für Private planen. Wir wären aber offen, einen Weg dafür zu suchen.

Zürich sagt Nein zum neuen Fussballstadion und hat das Kongresszentrum am See abgelehnt. Die Stadt verzichtet nun auf einen Neubau für Kongresse und will das alte Kongresshaus umbauen. Hat die Stadt ein Problem mit Prestigebauten?
Nein. Die Kunsthauserweiterung, die eine ähnliche Dimension hat wie das Fussballstadion, ist ein schöner Erfolg. Und auch beim Landesmuseum hat die Stadtzürcher Bevölkerung Ja gesagt.

Beim Kongresszentrum haben Sie kürzlich sogar einen Rückzieher gemacht.
Beim Kongresshaus haben wir einen sehr weisen Entscheid getroffen. In das Haus hätten wir so oder so investieren müssen. Es ist das beste Projekt am besten Standort in Zürich.

Hat das Nein zum Fussballstadion Auswirkungen auf die Pläne zum Eishockey- und Volleyballstadion von ZSC und Volero?
Das ist ein ganz anderes Projekt. Der Lead liegt klar bei ZSC und Volero. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.09.2013, 07:44 Uhr

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