«Wir können niemanden zwingen»

Schulvorsteher Gerold Lauber hofft, dass möglichst alle Eltern ihre Kinder in die Tagesschule schicken.

Stadtrat Gerold Lauber bei der gestrigen Pressekonferenz. Foto: Dominique Meienberg

Stadtrat Gerold Lauber bei der gestrigen Pressekonferenz. Foto: Dominique Meienberg

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Sie wollen bis 2025 in der ganzen Stadt Zürich Tagesschulen einführen. Welches sind die Vorteile gegenüber der heutigen Schule?
Die Schule wird planbarer, auch für die Eltern. Sie wissen genau, wann Schule ist und wann nicht. Für uns ist das Budgetieren einfacher. Zudem können wir langfristig sparen.

Sollen bis 2025 alle Kinder in eine Tagesschule?
Das ist unser Fernziel. Mit unserem Versuch wollen wir testen, wie das Modell bei den Eltern, bei den Schulen, bei der Bevölkerung ankommt. Wir hoffen, dass in den sieben Versuchsschulen möglichst alle Familien teilnehmen. Wir sind zuversichtlich, denn die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ist riesig.

Wollen Sie die Eltern und Kinder in dieses Schulmodell zwingen?
Vorderhand können wir niemanden zwingen. Das ist rechtlich nicht möglich. Das Obligatorium ist überhaupt noch kein Thema. Wenn die Nachfrage nach Hortplätzen aber weiterhin so stark steigt und auch die gesellschaftliche Entwicklung weitergeht wie bisher, dann werden Tagesschulen im Jahr 2025 der Normalfall sein, und es wird sich kaum mehr jemand an einem Obligatorium stören.

Was müssen Eltern denn tun, die ihre Kinder nicht in die Tagesschule schicken wollen?
Die nehmen Kontakt mit der Schulleitung oder der Kreisschulpflege auf. Sie können ihre Kinder in den sieben Versuchsschulen ohne Angabe von Gründen abmelden. Dann können die Kinder daheim essen.

Kann man seine Kinder auch in eine andere Schule schicken?
Das ist auch möglich. Dann müsste das Kind in ein anderes Schulhaus umgeteilt werden.

Sie wünschen, dass über Mittag auch die Lehrpersonen bei der Betreuung dabei sind. Wie wollen Sie ihnen das schmackhaft machen?
Gerade im Schulhaus am Wasser haben wir gemerkt, dass dies funktioniert. Es gibt Lehrer, die so ihr Pensum aufstocken. Es kann für eine Lehrperson auch interessant sein, die Schüler einmal über Mittag zu erleben. Ob sich Lehre­rinnen und Lehrer an der Betreuung ­beteiligen, wird von Schule zu Schule verschieden sein. Dies muss aus dem Team herauswachsen.

Wie sehr ist die Stadt mit ihrer Tagesschulvision vom Kanton ­abhängig?
Die Versuche mit der freiwilligen Teilnahme können wir in eigener Regie machen. Wenn wir ein Obligatorium testen wollen, bräuchten wir die Zustimmung des Kantons.

Warum haben Sie sich bis 2025 Zeit gegeben? Bis dann ist eine ganze Generation von Kindern durch die Schule gegangen.
Wenn ich in meinem Amt eine Erfahrung gemacht habe, dann die: Alle Änderungen brauchen wahnsinnig viel Zeit.

Erstellt: 02.09.2014, 22:41 Uhr

Gerold Lauber

Schul- und Sportvorsteher

Der 58-jährige Gerold Lauber, geboren in Täsch VS, wurde 2006 in den Zürcher Stadtrat gewählt. Dort leitet er seither das Schul- und Sportdepartement. Vor seiner Wahl in die Exekutive arbeitete Lauber als Jurist in internationalen Konzernen. Daneben war er viele Jahre Schulpfleger und von 2000 bis 2006 Gemeinderat. Lauber ist verheiratet und Vater von vier Kindern. (TA)

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