«Wir müssen zuerst die Verantwortlichen finden»

Schlägereien, Lärmklagen und Littering: Das Zürcher Partyvolk startete in die Outdoor-Saison. Polizeisprecher Marco Cortesi erklärt, weshalb Missbräuche im Bewilligungsverfahren nur schwer zu verhindern sind.

Nicht immer ein legales Vergnügen: Eine Open-Air-Party in Zürich.

Nicht immer ein legales Vergnügen: Eine Open-Air-Party in Zürich. Bild: Keystone

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Das Partyvolk feiert wieder im Freien. An zwei Outdoor-Veranstaltungen kam es am vergangenen Wochenende offenbar zu Handgemengen oder Schlägereien (siehe Box). Wie lautet das Fazit der Stadtpolizei?
Wir haben keine Hinweise darauf erhalten, dass es an den Partys auf dem Gebiet der Zürcher Allmend zu Handgreiflichkeiten kam. Es gab jedoch Lärmklagen und sehr viel Abfall. Beide Veranstaltungen waren bewilligt. Den Verantwortlichen wird möglicherweise eine Rechnung zugestellt. Allenfalls werden sie gebüsst. Die Party auf der Polyterrasse war hingegen illegal. Wir haben nichts davon gewusst.

Auch dort kam es gemäss Augenzeugen zu einer Schlägerei. Die Party wurde vorzeitig abgebrochen. Was wird nun geschehen?
Wir müssen zuerst herausfinden, wer für diesen Event verantwortlich ist und wer dazu eingeladen hat. Sollten wir das eruieren können, werden wir allenfalls ein Verfahren einleiten. Klar ist jedoch, dass wir während des ganzen Wochenendes keine Anzeige wegen Schlägereien erhalten haben.

Was aber nicht heissen muss, dass es nicht zu Schlägereien gekommen ist…
Dazu kann ich mich nicht äussern. Man sollte jedenfalls aufgrund solcher Berichte nicht gleich negative Rückschlüsse ziehen. In den zwei Jahren seit der Einführung der Jugendbewilligung für Outdoor-Partys im öffentlichen Raum haben wir für 60 solche Events eine Bewilligung erteilt. Bisher blieb alles im regulären Rahmen, und es kam kaum zu Problemen. Meist ging es um Lärmklagen oder mangelhafte Abfallentsorgung. Auch die beiden Partys auf der Allmend haben alle Auflagen im Bewilligungsverfahren erfüllt.

Einer der Events auf der Allmend wurde von einem kommerziell orientierten Label durchgeführt, dessen Veranstalter bereits über 25 Jahre alt sind. Offenbar haben sie eine jüngere Person vorgeschoben, die eine Bewilligung für sie einholt. Was tut die Polizei, um solchen Missbrauch zu verhindern?
Wir machen Stichproben und entziehen allenfalls die Bewilligung. Abgesehen davon gibt es nach jeder Veranstaltung eine persönliche Nachbereitung mit den Verantwortlichen. In einem Gespräch wird der Event resümiert und auf allfällige Fehler hingewiesen oder sogar eine Busse ausgesprochen. Wir können aber nicht im Vorfeld einer Party ein Monitoring im Internet durchführen. Dazu fehlen die Ressourcen. Wenn wir Hinweise erhalten, dass ein Missbrauch stattfindet, dann sehen wir natürlich genauer hin. Erscheinen beispielsweise über 1000 Personen an einer solchen Party, ist das ein Hinweis darauf, dass professionelle Veranstalter am Werk sein könnten.

Wurden an diesem Wochenende Stichproben vor Ort gemacht?
Nein, an diesem Weekend hat es keine Kontrollen gegeben.

Warum nicht?
Das müssen wir nicht begründen. Solche Stichproben werden auch nicht geplant.

Die Outdoor-Saison hat ja erst begonnen. Können Sie mir sagen, wie viele Bewilligungen bereits für dieses Jahr eingegangen sind?
Bisher sind zwei Jugendbewilligungen für Outdoor-Partys erteilt worden – jene für das vergangene Wochenende. Zwei weitere sind noch hängig.

Erstellt: 12.05.2014, 14:58 Uhr

Der Start in die Outdoor-Saison

Am vergangenen Wochenende fanden auf Zürcher Stadtgebiet mindestens drei Outdoor-Partys statt. Eine davon wurde auf der Polyterrasse durchgeführt, zwei weitere fanden auf dem Gebiet der Allmend statt. Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, kam es sowohl am Event auf der Polyterrasse als auch an einer der Partys auf der Allmend zu Handgemengen und Schlägereien. Hinzu komme, dass eine der Veranstaltungen mit einer städtischen Jugendbewilligung für Outdoor-Partys durchgeführt wurde – obwohl die Veranstalter selbst bereits über 25 Jahre alt sind und somit die Auflagen für eine solche Bewilligung nicht mehr erfüllen.

«Wir haben während des ganzen Wochenendes keine Anzeige wegen Schlägereien erhalten»: Marco Cortesi, Pressesprecher der Zürcher Stadtpolizei. (Bild: PD)

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