Wird Zürcher Filmemacher Banksys Identität lüften?

Der britische Kunststar Banksy soll für seinen Film «Exit Through The Gift Shop» beim Zürcher Filmer Joachim Levy Bildmaterial geklaut haben. Kommt es zu einer Klage, wird Banksys bürgerlicher Name bekannt.

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Der Low-Budget-Dokumentarfilm «Exit Through The Gift Shop» ist ein Grosserfolg. Der Streifen des britischen Künstlers Banksy handelt vom französischen Filmer Thierry Guetta, der in den USA zahlreiche Street-Art-Künstler dokumentiert und am Ende selber zu einem angesehenen Künstler wird. Der Film wird in Kinos rund um den Globus gezeigt, seit Mitte November läuft er auch in Zürich.

Der Schweizer Filmer Joachim Levy ist mit Banksy befreundet und traute seinen Augen nicht, als er die Schweizer Premiere am letzten Zürich Film Festival sah. «Ganze acht Minuten des Films hat Banksy von meinem Film kopiert», sagt Levy. «Es hat mich fast vom Stuhl gehauen, als ich das sah.»

«Ich habe Banksy vor dem FBI geschützt»

Levy drehte während sechs Jahren einen Film über die amerikanische Street-Art-Szene. «Life Remote Control» wurde 2006 in mehreren Kinos und an Filmfestivals gezeigt. Unterstützt wurde er bei der Produktion von seinem Freund Thierry Guetta, dem Protagonisten von Banksys Film. In Los Angeles filmten Levy und Guetta damals, wie Banksy und sein Team eine alte britische Telefonkabine umbauten und in einer Seitengasse platzierten.

Diese Filmsequenz hat Banksy in seinen eigenen Film eingebaut – ohne Levy mit einem Wort zu erwähnen. «Ich konnte es kaum glauben, dass mich Banksy dermassen hintergangen hat. Schliesslich habe ich ihn vor dem FBI geschützt, das ihn nach der Aktion in LA bei uns suchte.» Ein Mail von Levy blieb unbeantwortet. Er erzählte die Geschichte einer Filmkritikerin und kurze Zeit später recherchierte bereits der «Evening Standard» zu diesem Thema. Ganz zum Unmut von Banksy, der sich bald bei Levy meldete. «Banksy sagte mir, man werde eine Lösung finden. Thierry habe ihm angeblich gesagt, dass er die Rechte an ‹Life Remote Control› besitze», erzählt Levy.

«Das ist nicht mein Problem»

Daraufhin schickte Banksy dem Schweizer eine DVD des Films mit einem handgeschriebenen Zettel, auf dem stand: «Bitte schreib auf, welche Szene und wie viele Minuten Du im Film gedreht hast.» Das tat Levy auch, doch in der Zwischenzeit scheint Banksy seine Meinung wieder geändert zu haben. «Das ist nicht mein Problem», ist das letzte, was Levy von Banksy hörte.

Nun hat sich Levy mit der Schweizerischen Autorengesellschaft in Verbindung gesetzt und sich einen Anwalt genommen. Er droht Banksy mit einem Prozess und will Geld sehen. Banksys Film gilt als heisser Anwärter für eine Oscar-Nomination als bester Dokumentarfilm. Levy ist überzeugt, dass dem Film die Nomination wieder aberkannt würde, wenn bekannt wird, dass Banksy in einen Prozess wegen Urheberrechtsverletzung involviert ist. «Ich kann nur gewinnen und er kann nur verlieren.»

Das Geheimnis um Banksys Identität könnte gelüftet werden

Levys Anwalt Martin Eisenring drückt es etwas dipolmatischer aus: «Wir suchen eine gesamtheitliche Lösung. Es geht einerseits um die Dokumentation der Urheberschaft und andererseits um eine Entschädigung.» Das Geld stehe aber nicht im Vordergrund. Eisenring will den Dialog suchen. «Erst wenn das nicht klappt, gehen wir vor Gericht.» Die Kernfrage sei, ob ein Vertrag existiere, der zeige, wer der Innhaber der Rechte von «Life Remote Control» sei. «Wir gehen davon aus, dass Thierry Guetta die Rechte am Film verkaufte, ohne diese zu besitzen», sagt Eisenring.

Vor Weihnachten schickte Levy einen Brief nach England, in dem er Banksy eine einvernehmliche Lösung vorschlägt. «Wenn ich bis 17. Januar keine Antwort erhalte, leite ich die nächsten Schritte ein», sagt Levy. Das könnte laut Eisenring eine Klage gegen den Schweizer Vertreiber des Films, Filmcoopi, sein. Auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch weiss man dort bisher noch nichts von einem Urheberrechtskonflikt.

Für Banksy könnte ein Verfahren aber früher oder später zum Problem werden. Es droht die Veröffentlichung seiner Identität, die Levy bereits kennt. Die Geschädigten von Banksys zahlreichen illegalen Aktionen könnten mit Schadenersatzforderungen drohen. «Man kann nicht gegen einen Fantasienamen klagen», erklärt Martin Eisenring. «Wenn ein Verfahren eingeleitet wird, wird der Name ohnehin öffentlich.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.01.2011, 12:45 Uhr

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Joachim Levy

Der 34-Jährige wuchs in Genf auf und studierte Film in New York und Los Angeles. Levy lebt seit zwei Jahren in Zürich. Zuvor lebte und arbeitete er vor allem in den USA. In Zürich gründete er inzwischen die Filmschule Cinedit, wo er Produktionskurse gibt. www.jolevy.com

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